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Eltern stellen Strafanzeige: Erzieher in Kossa sollen Kinder misshandelt haben

Kita Am Regenbogen Eltern stellen Strafanzeige: Erzieher in Kossa sollen Kinder misshandelt haben

Kinder sollen auf den Rücken geschlagen und zum Essen gezwungen worden sein. Ihnen sei angedroht worden, den Mund mit einem Pflaster zuzukleben. Gegen vier Erzieherinnen in der Kita Am Regenbogen in Kossa haben Eltern Strafanzeige erstattet. Die Vorwürfe wiegen schwer.

In der Kindertagesstätte „Am Regenbogen“ in Kossa soll es in der Vergangenheit zu einen fragwürdigen Umgang mit Kindern gekommen sein.

Quelle: Steffen Brost

Kossa. Schwere Vorwürfe erheben Eltern gegen drei Erzieherinnen und die Leiterin der Kindertagesstätte „Am Regenbogen“ in Kossa. Wie jetzt bekannt wurde, stellten Eltern bereits Anfang November gegen vier Erzieherinnen einschließlich der Kita-Leitung Strafanzeige bei der Polizei wegen Körperverletzung und seelischer Misshandlung. Das bestätigte auch der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Nordsachsen Marko Schreiber. Worum geht es?

Schwere Vorwürfe erhoben

Im Raum stehen mehrere Vorwürfe: Kinder sollen auf den Rücken geschlagen und zum Essen gezwungen worden sein. Ihnen sei angedroht worden, den Mund mit einem Pflaster zuzukleben. „Anfang November sind wir von dieser Angelegenheit in Kenntnis gesetzt worden. Bei Strafanzeigen ermittelt die Polizei. Der Vorgang geht dann über das Jugendamt, das daraufhin das Landesjugendamt in Chemnitz informiert. Von dort haben wir es dann erfahren“, so Schreiber. Das Amt habe um eine Stellungnahme gebeten und wollte wissen, „welche Maßnahmen wir als Träger der Kindereinrichtung ergreifen. Die betroffenen Kollegen sind derzeit bis auf die Leiterin krankgeschrieben. Deswegen konnten wir in Kossa nur mit größter Anstrengung den Betrieb mit anderen Kolleginnen aufrechterhalten.“

Bürgermeister verspricht Aufklärung

Mittlerweile hat sich auch der Elternbeirat der Kindertagesstätte mit einem Brief an Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (Parteilos) gewandt, bei ihm um den Wechsel des Trägers gebeten. „Wir wissen von den Unstimmigkeiten und Vorwürfen der Eltern gegen die Erzieherinnen. Der Elternbeirat teilte uns das alles in einem Brief mit und wollte Antworten auf Fragen haben. Wir werden uns in kürzester Zeit mit den Eltern an einen Tisch setzen und als Eigentümer der Einrichtung versuchen, die Sachverhalte vernünftig aufzuklären“, so der Bürgermeister.

Nach Angaben des Elternrates seien schon seit zwei bis drei Jahren „immer wieder Beobachtungen von Eltern und Großeltern“ gemacht worden, wonach teilweise ein „fraglicher Umgang“ mit den Kindern und unter den Erzieherinnen herrschen soll. „Wir stehen deswegen seit längerer Zeit mit der Awo in Kontakt und haben immer wieder Missstände in der Kindertagesstätte aufgezeigt und unter anderem auch einen Leitungswechsel gefordert. Innerhalb von 18 Monaten gab es eine weit überdurchschnittliche Personalfluktuation, sodass keine beständigen Betreuungs- und damit Vertrauenspersonen für die Kinder gegeben waren“, erzählte der Vater eines betroffenen Kindes, der anonym bleiben möchte. „Als alarmierendes Zeichen bewerteten wir, als Ende Oktober dieses Jahres wieder zwei Erzieherinnen gleichzeitig die Einrichtung verlassen hatten. Die Awo teilte uns Ende Oktober in einem Gespräch mit, dass von den Erzieherinnen Angaben hinsichtlich der Kinderbetreuung gemacht wurden, die einer dringenden Prüfung bedürfen.“

Kita-Leiterin umgesetzt

Der Elternbeirat wirft der Awo unter anderem Pflichtverletzung vor, weil aus seiner Sicht das zuständige Landesjugendamt nicht rechtzeitig informiert wurde. Auch dass die Awo bisher nur auf Nachfrage von Eltern und Elternbeirat aktiv wurde, ist inzwischen ein Streitpunkt. Deswegen haben sich die Eltern aufgrund der empfundenen Untätigkeit des Kreisverbandes schriftlich mit einer ausführlichen Darstellung der Ereignisse Mitte November an das Landesjugendamt gewandt. „Uns ist bekannt, dass derzeit alle beschuldigten Erzieherinnen sowie die Leiterin nicht mehr in der Kossa eingesetzt sind. Es besteht in Kossa eine sogenannte Notbetreuung. Jedoch betreut die Kita-Leitung in der Kindertagesstätte Authausen zum Teil Geschwisterkinder“, so der Elternbeirat. Dieser informierte auch, das seitdem eine neue Personalsituation ohne die beschuldigten Erzieherinnen und der Kita-Leitung herrscht, die „Kinder regelrecht aufblühen und wieder Spaß im Kindergarten“ hätten. „Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Erzieherinnen, die sich unserer Kinder annehmen und damit zum Teil auch ihre eigenen Gruppen hinten anstellen und auch bei allen, die den Mut hatten, die Missstände anzuzeigen und damit auf die breitgefächerte Problematik aufmerksam gemacht haben. Unser Wunsch für die Zukunft ist, dass unsere Kinder eine liebevolle Betreuung durch beständige Erzieherinnen erfahren, die sich an den Bedürfnissen der Kinder und an den aktuellen pädagogischen Ansätzen orientiert“, teilte der Elternbeirat mit.

Unschuldsvermutung gilt

In der Geschäftsstelle des Awo-Kreisverbandes will man keine Vorverurteilung, sondern warten, was die Zeugenvernehmungen ergeben. „Wir sind über die ganze Situation erschüttert. Über allem steht natürlich die Frage des Kindeswohls. Wir werden alles dafür tun, um Licht in das Dunkel bis in die letzte Ecke zu bekommen. Bis es jedoch soweit ist, gilt genauso die Unschuldsvermutung“, so Awo-Chef Schreiber. Der Geschäftsführer kündigte an, dass er dann nicht um „arbeitsrechtliche Konsequenzen“ herumkäme, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Um etwas Ruhe hereinzubekommen, wird die Kossaer Einrichtung nicht wie ursprünglich geplant eine, sondern zwei Wochen über Weihnachten und den Jahreswechsel geschlossen.

Von Steffen Brost

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