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Erhard Rutz freut sich über den Gellert-Preis 2009 für Literatur

Erhard Rutz freut sich über den Gellert-Preis 2009 für Literatur

Erhard Rutz nahm am Freitagabend in Bad Düben den Gellert-Preis 2009 entgegen. Der Preisträger im Genre Literatur erhielt die Auszeichnung aus den Händen des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Leipzig und des Landrates von Nordsachsen, Michael Czupalla (CDU), die den Preis seit 1999 ausloben (wir berichteten).

Bad Düben. Mit „geliehener“ Stimme von Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki sagte Rutz zur Begeisterung seines Publikums im Saal des Heide Spa: „Ich nehme diesen Preis an!“

Zuvor sprach der Bad Dübener davon, dass ihm diese Ehrung „sehr viel bedeutet“. Rutz habe nach eigenen Aussagen sehr spät mit der Prosa begonnen. „Zu Erzähltexten fehlte mir der Mut. Erst als Freunde und Bekannte sagten, ,das musst du aufschreiben‘, habe ich damit begonnen. Immer beunruhigt von der Frage nach dem Sinn des Ganzen. Darum ist der Preis für mich wie die Gnade des späten Erfolges“, so der 73-Jährige. Der Gellert-Preis sei für ihn eine große Ehre und der Höhepunkt in seinem literarischen Leben. Und dafür dankte er auch seiner Frau Christa, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt. Lob und Anerkennung verstehe er als Aufforderung und Ansporn, noch besser und noch mehr zu schreiben. „Literatur ist letztlich Kraft, Anmut und Eleganz“, so der promovierte Germanist.

Der stellvertretende Vorsitzende der Fachjury, der Leipziger Autor Manfred Jendryschik, hielt die Laudatio für den Preisträger. Dessen Werk „80 Tage oder die Hälfte des Lebens“ Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt und Hölderlins Gedicht „Hälfte des Lebens“ anspricht und so unauffällig intellektuell makaber wird. „Denn es geht nicht um einen Wettbewerbs-Höhenflug, sondern um das Desaster des Kriegsendes, der Flucht vor der Sowjetarmee, dass ein knappes Vierteljahr, wegen seiner Furchtbarkeit, wegen des Niedergangs alles Menschlichen, wie eine Lebenshälfte gefühlt wird. Und das von einem 13-Jährigen“, erzählte Jendryschik. Der Halbwüchsige verliert Hab und Gut und die Familie. Er zieht bettelnd durch die Gegend, wird abgewiesen, gejagt und verprügelt, führt das bittere Leben eines sogenannten Wolfskindes, eines Ausgesetzten.

Erhard Rutz weiß diese Stationen in zehn Kapiteln eindrucksvoll zu erzählen. Die mitunter extremen Situationen werden plastisch, lebendig angeboten. Das Emotionale wird im Zaum gehalten, verrät der Laudator. Er gratulierte Rutz für das Vermeiden von Übertreibungen, zur Sprachbeherrschung und der zurückhaltenden Darstellung von Ungeheuerlichkeiten und natürlich zur Auszeichnung.

Czupalla kündigte in seiner Festrede eine „Neuausrichtung des Kunstpreises“ ab dem kommenden Jahr an, wobei es künftig möglich sei, dass beispielsweise auch kunstfördernde Institutionen den Gellert-Preis erhalten können. Auch wolle man sich zum Verhältnis Auslobungsgebiet und Künstler verständigen, um eine größere Anzahl von Künstlern zu erreichen.

Von Frank Pfütze

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