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Bad Düben Erntezeit in Laußigs Tafelgärten
Region Bad Düben Erntezeit in Laußigs Tafelgärten
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18:00 13.07.2016
Siegfried Pönitzsch, Matthias Wenz, Andreas Sollbach und Marlis Wunderlich (von links) beim Hacken des Gurkenbeetes in einem der Gärten Am Wallgraben in Laußig. Quelle: Ilka Fischer
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Laußig

Die Kohlrabis stehen wie eine Eins, die Mairübchen wachsen auch im Juli noch fleißig, die Petersilie teilt sich mit dem Dill das Kräuterbeet. Normale Kleingartenidylle. Und für die sorgen auf inzwischen 4500 Quadratmetern in leer stehenden Pristäblicher und Laußiger Gärten in diesem Jahr insgesamt 20 Tafelgärtner.

Dabei zahlt sich aus, dass es in Sachen Tafelgarten seit 2012 eine gewisse Kontinuität gibt. So kann beispielsweise der noch im November von den Vorgängern eingegrabene Mist für eine gute Ernte sorgen. „Um die zehn Stiegen“, so berichtet Susanne Schönichen vom Heide Service Projekt, das die Tafelgärtner betreut, „können wir zur Zeit jede Woche liefern.“ Damit Radieschen, Kohlrabi, Salate, Mairübchen, Fenchel, Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln, Petersilie und Dill auch weiterhin gut gedeihen, sind Unkraut jäten, hacken und gießen derzeit die Hauptbeschäftigungen. Montags wird vor allem geerntet. Denn dann ist Tafeltag in Laußig, die Vitamine kommen somit noch am gleichen Tag bei den Bedürftigen an.

„Tafelgarten jederzeit“

Tafelgärtnerin und Tafelkundin ist Marlis Wunderlich. Sie arbeitete bis zur Wende als Maschinistin und hat später zur Floristin umgeschult. „Schon vor zehn Jahren hat man mir allerdings gesagt, dass man so eine alte Frau doch nicht hinter den Ladentisch stellen kann“, weiß die heute 60-Jährige noch genau. Als ihre Vermittlerin beim Jobcenter sie dann in Sachen Tafelgarten ansprach, war das für sie keine Frage: „Tafelgarten jederzeit“ habe sie, die schon etliche Ein-Euro-Jobs hinter sich hat, geantwortet. Doch die Zeit endet für sie und ihre Tafelkollegen nach sechs Monaten im September.

Hoffen auf Verlängerung

„Wir hoffen, dass wir die Maßnahme verlängert bekommen“, so Susanne Schönichen. Denn im Herbst gibt es nicht nur von Radieschen über Sellerie bis Rote Beete viel zu ernten, sondern eben auch das Feld für die Tafelgärtner 2017 zu beackern. Der 59-jährige Siegfried Pönitzsch, der in diesem Jahr zum wiederholten Mal dabei ist, wäre auch dann noch gern weiter mit von der Partie. Das gilt auch für den 53-jährigen Andreas Sollbach, der als einziger nicht aus der unmittelbaren Umgebung und mit dem Auto aus Eilenburg kommt. Der Chemiker, der selbst ohnehin einen Garten in Pristäblich hat, gibt unumwunden zu, dass er von Praktika ohne Geld genug habe. Als Tafelgärtner bekommt er dagegen, wie alle anderen auch, auf die Hartz-IV-Leistungen 1,50 Euro pro Stunde draufgepackt.

Von Ilka Fischer

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