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Fantastisch: Ein Engel am Dübener Flügel

Fantastisch: Ein Engel am Dübener Flügel

Der letzte Tag im Monat ist in der Kurstadt immer der erste Tag zum Durchatmen: Fermate heißt das erfolgreiche Musikprojekt, das Kantor Norbert Britze am 31. März 2011 ins Leben rief.

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Magische Momente: Martin Engel begeisterte am Flügel in der Stadtkirche Düben.

Bad Düben. Den letzten Tag des Sommermonats Juni vollendete am Dienstag-Abend ein wahrer Klangpoet. Martin Engel, gefeierter Konzertpianist aus Karlsruhe, verzauberte die Besucher in St. Nikolai. Ein Abend, der in vielen Facetten nachklingt: In einem fantastisch ausgereizten Beethoven, in der französischen Leichtigkeit Claude Debussys und in der verspielten Brillanz eines Franz List.

Über allem aber schwebte ein Engel. Der 29-jährige Pianist, von Geburt an blind, griff zu Beginn behutsam tastend in die Tasten und ließ dann bis zum letzten Klang keinen Zuhörer mehr los. Brillant seine Technik, die fast unverschämt leicht wirkt und doch so atemberaubend anspruchsvoll ist. Fesselnd seine Interpretation, die jede strenge Notenvorgabe der Partitur zu vergessen scheint. Originell sein Variantenreichtum, der ein rasantes Finale furioso bei Beethoven genauso zulässt wie den Klangzauber des modernen Romantikers Debussy.

Einfach fantastisch! Und ein Fermate-Konzert im besten Wortsinne: Innehalten, aufatmen, abschalten. Und auf einen Künstler einlassen, der in der Musik restlos aufgeht. Martin Engel war das erste Mal in Bad Düben. Kantor Norbert Britze lernte ihn über ein Musiker-Portal im Internet kennen, in dem sich blinde Künstler austauschen. Zum Glück. Denn was Britze als Klangprobe hörte, ließ ihn nicht mehr los, bis er Engel für ein Gastspiel von Karlsruhe nach Bad Düben locken konnte. Der Pianist, mit vielen Auszeichnungen geehrt und bei TV und Hörfunk gefragt, zeigte sich zudem als Meister des humorigen Understatements. Den lang anhaltenden Applaus quittierte er mit dem schönen Satz: "Ich danke ihnen für das Geräusch". Der Dank geht zurück, für einen Klavierabend, der wie im Rausch verging.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2015
Von Olaf Majer

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