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Bad Düben Feldwebel-Ausbildung im Tiglitzer Forst: Unbefugte haben keinen Zutritt
Region Bad Düben Feldwebel-Ausbildung im Tiglitzer Forst: Unbefugte haben keinen Zutritt
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06:00 23.08.2017
In solchen Stellungssystemen üben die angehenden Feldwebel der Unteroffiziersschule des Heeres in Delitzsch im Rahmen ihrer zehnwöchigen Ausbildung. Quelle: Steffen Brost
Bad Düben

Seit vielen Jahren ranken sich immer wieder Gerüchte um den Tiglitzer Forst, östlich der Kurstadt gelegen, auf halbem Weg zwischen Bad Düben und Durchwehna. Dort werde scharf geschossen, schwere Panzertechnik sei im Einsatz. Fakt ist, bei dem Areal handelt es sich um ein Übungsgelände der Bundeswehr, das Gebiet darf von Unbefugten nicht betreten werden. Warum das so ist, erfuhr die LVZ jetzt bei einem Vor-Ort-Termin, bei dem sie angehenden Feldwebeln über die Schulter schaute.

640 Hektar groß

Bis zur Wende gehörten Teile des Waldgebietes zur NVA-Dienststelle „Harry Kuhn“. Auf den Kolonnenwegen lernten die Unteroffiziersschüler damals das Marschieren und in den Wäldern den Kampf gegen den kapitalistischen Feind. Heute befindet sich dort der 640 Hektar große Standortübungsplatz der Unteroffizierschule des Heeres Delitzsch (USH). Fünf Heidedörfer und die Kurstadt Bad Düben grenzen unmittelbar an den Truppenübungsplatz an. Mitten im Wald schauen die getarnten Helme von vereinzelten Soldaten aus einem Stellungssystem heraus. Über Funk bekommen sie ständig Anweisungen. Eine junge Soldatin legt hier gerade ihre Prüfung zum Gruppenführer ab. Sie muss eine kleine Gruppe Soldaten bei einem Angriff eines imaginären Feindes richtig führen. Dann knallt es mehrfach.

In solchen Stellungssystemen üben die angehenden Feldwebel der Unteroffiziersschule des Heeres in Delitzsch im Rahmen ihrer zehnwöchigen Ausbildung. Quelle: Steffen Brost

Standortübungsplatz Tiglitzer Forst

Der Soldatentrupp hat den Feind in südlicher Richtung ausgemacht. Ein Maschinengewehr rattert. Es fallen vereinzelte Schüsse. Dann ist Stille. Während ein Teil Soldaten im Stellungssystem sichert, rückt ein kleiner Trupp in die Richtung des „Feindes“ aus um zu sehen, ob er liquidiert ist. Das alles erinnert an ein modernes Räuber- und Gendarmespiel. Doch es steckt viel mehr dahinter. „Wir bilden hier in einem zehnwöchigen Lehrgang das ganze Jahr über Feldwebel aus. Das geschieht zum einen in der Kaserne in Delitzsch, aber auch auf unserem Standortübungsplatz im Tiglitzer Forst. Hier fahren keine Panzer. Hier wird lediglich ein Übungsschießen mit Manöver- und Übungsmunition durchgeführt. Niemals aber mit scharfer Munition. Das, was wir einsetzen, ist zum einen Munition, die nur den Knall simuliert und zum anderen Munition, die aus Plastik- oder Kunststoff besteht“, klärte Stabsfeldwebel Heiko Kolbe auf. Die Übungseinheiten finden an sieben Tagen der Woche, in der Regel zwischen 8 und 16 Uhr, im Waldgebiet statt.

Übungen im Sommer wie im Winter

Im Sommer wie im Winter und nahezu bei jedem Wetter. Deshalb sind auch im unregelmäßigen Rhythmus Feldjäger mit ihren Bullis unterwegs, um Wanderer, Radfahrer und Spaziergänger vor dem Betreten des Gebietes zu warnen. Das Gelände darf überhaupt nicht betreten werden. Zahlreiche Hinweisschilder und Schranken sowie rote Flaggen bei Schießeinheiten weisen darauf hin. „Leider ignorieren trotzdem immer wieder Vereinzelte dieses Verbot und sammeln Pilze, lagern ihren Müll im Wald ab, joggen oder fahren Mountainbike. Die Feldjäger sprechen diese Personen an, die sich unrechtmäßig hier aufhalten. Sie warnen vor den Gefahren und nehmen die Personalien auf, die dann an das Bundesamt für Infrastruktur- und Umweltschutz weitergeleitet werden. Diese Behörde veranlasst dann ein Bußgeld in Höhe von etwa 20 Euro“, informierte Kolbe.

Im Tiglitzer Forst wird nahezu täglich mit verschiedener Übungsmunition aus den Stellungssystemen geschossen. Dabei gibt es Munition, die nur den Knall simulieren aber auch Plastikgeschosse, die zum Einsatz kommen. Quelle: Steffen Brost

Zwar weisen ältere Wanderwegkarten den Standortübungsplatz nicht als militärisches Sperrgebiet aus. Diese Karten berechtigten laut Bundeswehr aber nicht zum Betreten. Derzeit sind als Wanderwege der „Mühlenwanderweg“ sowie der Fernreitweg genehmigt. Jedoch erfolgt die Benutzung auf eigene Gefahr.

Von Steffen Brost

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