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Festival „With Full Force“ soll 2017 nicht mehr in Roitzschjora stattfinden

„Herber Verlust für die Region“ Festival „With Full Force“ soll 2017 nicht mehr in Roitzschjora stattfinden

Verlässt das Festival „With Full Force“ den Flugplatz in Roitzschjora? Es sieht ganz danach aus. Nach LVZ-Informationen suchen die Veranstalter nach einem neuen Ort. 2017 soll das Event wohl in Ferropolis stattfinden. Der Grund für den Wegzug: zu hohe Wasserkosten.

Das Metal-Festival „With Full Force“ könnte in diesem Jahr das letzte Mal in Roitzschjora veranstaltet worden sein.

Quelle: Alexander Prautzsch

Roitzschjora. Das Festival With Full Force (WFF) wird aller Voraussicht im nächsten Jahr nicht mehr auf dem Flugplatz in Roitzschjora stattfinden. Der Chemnitzer Veranstalter will mit dem WFF „größer, lauter und intensiver“ werden. Die Ankündigung auf seiner Homepage sorgte für Unruhe und es verdichten sich die Hinweise, dass der härteste Acker im Osten Deutschlands künftig nicht mehr in Nordsachsen liegen wird. Offiziell wollte der Veranstalter bisher dazu keine Stellungnahme abgeben. Aus Veranstalterkreisen heißt es, das Festival soll im nächsten Jahr in Ferropolis bei Gräfenhainichen stattfinden – 40 Kilometer entfernt von Roitzschjora.

Seit 1999 zog es die Fans von Hardcore, Punk und Metal in die Gemeinde Löbnitz, insgesamt fanden 18 Festivals statt. Die Zuschauerzahlen stiegen kontinuierlich an, zeitweise waren 30 000 Musikfans vor den Bühnen. Ebenso erhöhte sich die Zahl der Bands, die ordentlich dem internationalen Publikum einheizten. Die Region stellte sich auf das Großereignis ein, profitierte auch nicht unerheblich davon.

Grund des Umzugs soll unter anderem sein, dass die Trinkwasserversorgung auf dem Flugplatz Roitzschjora nur mit großem finanziellen Aufwand sicherzustellen war. Außerdem hatte sich das benachbarte Kieswerk immer tiefer in das Festivalgelände vorgearbeitet. Das neue Areal in Ferropolis verfügt mit dem Melt sowie durch etliche Großveranstaltung über entsprechende Erfahrungen.

Bürgermeister enttäuscht

Die Enttäuschung in der Region ist groß – zumal das WFF als bedeutender Wirtschaftsfaktor galt. „Wir hatten es fast geahnt, dass etwas im Busch ist“, sagte Axel Wohlschläger (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Löbnitz. „Ich habe davon gehört, dass die Kosten, die für die Wasserversorgung aufliefen, den Veranstalter erheblich belastet haben. Der Veranstalter hatte zwar bei uns nachgefragt, ob der Termin des Festivals eine Woche vorverlegt werden könnte, aber mehr ist auch noch nicht passiert“, sagte Wohlschläger. Üblicherweise hätte es zu diesem Zeitpunkt in Vorbereitung des neuen Festivals deutlich mehr Aktivitäten geben. Das machte den Bürgermeister stutzig. Verlässliche Antworten auf seine Nachfragen gab es allerdings nicht. „Es wäre schon ein herber Verlust für die Region“, räumte Wohlschläger ein. Es mache ihn persönlich auch sehr traurig, wenn es tatsächlich zu einem Umzug kommt.

Aus Löbnitzer Sicht habe es immer ein Nehmen und Geben gegeben. Beiderseits habe man von dem Festival profitiert. Vom Veranstalter gab es immer einen fünfstelligen Geldbetrag im unteren Bereich als Spende für die Gemeinde. „Damit haben wir zum Großteil das Reit- und Springturnier, auch das Parkfest finanziert“, erklärte Wohlschläger. Woher künftig das Geld kommen wird, ist völlig offen. „Dieser Fehlbetrag wird nicht einfach zu kompensieren sein.“

Wohlschläger hörte von den Problemen, die der Veranstalter vor allem mit der Trinkwasserversorgung während des Festivals hatte. Wusste auch von den Auflagen, die ihm gestellt wurden. „Ich habe davon gehört, dass die Kosten, die dafür aufliefen, den Veranstalter erheblich belastet haben müssen“, mutmaßte der Bürgermeister. „Möglicherweise war das ein Grund für die Entscheidung.“

Fliegerklub büßt hohen Geldbetrag ein

Ein herber Schlag ins Kontor ist der WFF-Umzug auch für den Fliegerklub Roitzschjora. Der Verein stellte das Gelände zur Verfügung. Dessen Vorsitzender Gerald Weber beklagt vor allem den Einnahmeverlust. Das WFF-Wochenende spülte „natürlich Geld in die Vereinskasse“. Und es sei schon „sehr bitter“, wenn es künftig fehle. „Wir bekommen keinerlei Zuschüsse oder Hilfen für den Betrieb des Flugplatzes“, sagte Weber. Wie die Finanzlücke gestopft werden kann, wisse er nicht. Die Polizei sieht den WFF-Umzug dagegen ganz pragmatisch. „Dann können wir uns voll auf das Stadtfest in Delitzsch konzentrieren“, erklärte der Delitzscher Revierleiter Klaus Kabelitz.

Von Ditmar Wohlgemuth

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