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Feuerwehr-Streit: Immer mehr Kameraden quittieren Dienst

Feuerwehr-Streit: Immer mehr Kameraden quittieren Dienst

Der Protest von Dübener Feuerwehrkameraden gegen die Abberufung ihres Wehrleiters Sven Hindemitt hat weitere Folgen. Zu den zwölf Kameraden, die ihren Dienst vorübergehend niedergelegt haben (wir berichteten), sind vier dazugekommen.

Bad Düben. Zwischenzeitlich war gar von 20 die Rede.

Diese Zahl ist Stadtwehrleiter Matthias Eichler allerdings nicht bekannt. Richtig sei, dass sich die Zahl erhöht habe - auf nunmehr 16. Einige Kameraden hätten wieder ihren Dienst aufgenommen, andere dagegen niedergelegt, teilte Eichler gestern auf LVZ-Anfrage mit. Der Stadtwehrleiter kann diese Entscheidung nicht verstehen. In einem Brief an die Protestler habe er eingehend auf die Folgen aufmerksam gemacht. Im schlimmsten Fall würden die Bürger der Stadt unter der Aktion leiden. Dabei richtet sich diese vornehmlich an die Stadträte und Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG). Der Stadtrat hatte, wie berichtet, den Stadtteilwehrleiter Sven Hindemitt abberufen, worauf Kameraden den Dienst bis zur Klärung der Sache quittierten und damit ihren Unmut deutlich machten.

Für Einsätze gilt nun, dass die Alarmierung über die Sirenen erfolgt, da die Funkmeldeempfänger abgegeben wurden. "Wir können die Sicherheit nach wie vor gewährleisten", betonte Eichler. Allerdings nicht mehr in der Mannschaftsstärke wie bisher. Bei gravierenden Brandereignissen gebe es aber ohnehin Unterstützung von anderen Feuerwehren aus dem Umland.

Am Montag will Bürgermeisterin Münster mit den Kameraden das Gespräch suchen, hat diese eingeladen. Daran ist auch dem Stadtwehrleiter gelegen. "Wir brauchen jetzt eine schnelle Klärung." Die Protestler sind einzeln ins Rathaus bestellt worden. Auch Stadträte werden zugegen sein.

Unterdessen will Sven Hindemitt gegen seine Abberufung Widerspruch einlegen. Er habe nicht gegen die Dienstpflichten verstoßen, betonte er. Der Stadtrat hatte ihn mehrheitlich seines Amtes enthoben, weil er seinen Wiedereinsatz als Stadtteilwehrleiter an Bedingungen knüpfte. Laut Stadtverwaltung sei dies der Ausschluss von Kamerad Georg Seitz aus der Feuerwehr Bad Düben gewesen. Hindemitt argumentierte hingegen, er wolle lediglich nach Satzung arbeiten. Und danach hätte ein Antrag von Kameraden über den Ausschluss von Georg Seitz aus der Feuerwehr bearbeitet werden müssen, was nach Ansicht der Kameraden nicht geschehen ist. Die Bürgermeisterin teilte dazu gestern mit, dass sie die Satzungsbestimmungen nicht verletzt habe. Schon aus formalen Gründen sei der Antrag nicht genehmigungsfähig gewesen.

Der Stadtrat kann einen Wehrleiter nur absetzen, wenn der grob gegen die Dienstpflichten verstoßen hat. Der Fraktionschef von CDU/SPD im Stadtrat, Mike Kühne, verteidigte wiederum die Abberufung: "Der Bezug auf die Einhaltung der Satzung ist doch populistisch. Es klingt, als wenn er sich nur an die Satzung halten will." Hauptgrund für die Absetzung sei das Festhalten an Bedingungen gewesen. "Ein weiterer Grund ist sicher das gestörte Vertrauensverhältnis und die 'Pflege' der Querelen und nicht deren Abarbeitung". Kühne sagte aber auch: "Ich rechne ihm hoch an, dass er nicht komplett hingeschmissen hat und somit der Wehr erhalten bleibt. Seine fachliche Kompetenz wird von vielen Kameraden geschätzt."

Der Bürgerkreis ließ indes wissen: "Rein rechtlich und fachlich hat sich Kamerad Hindemitt nichts zu Schulden kommen lassen, sonst hätte die Bürgermeisterin nicht wiederholt seine Wiedereinsetzung signalisiert, wenn er 'bedingungslos' sein Amt aufnimmt", erklärte Emil Gaber. Ihm seien auch keine weiteren Gründe bekannt, die eine Abberufung rechtfertigten. "Die Stadtratsentscheidung ist für uns nicht nur eine große Enttäuschung, sondern unverständlich und unnötig. Sie ist ein Schlag ins Gesicht vieler engagierter Kameraden. Dieser Beschluss provoziert nur Gegenreaktionen." Und die sind ja nun bekanntlich eingetreten. Auch die FDP hält an Hindemitt fest. Man sollte jedoch die Personalie Seitz endlich zu den Akten legen, sagte Stadtrat Eckehard Tulaszewski. Dieser habe in der Stadtteilwehr Tiefensee seine neue Heimat gefunden. Freie Wähler und Linke wollten sich zu dem Stadtratsbeschluss nicht äußern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.04.2013

Nico Fliegner

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