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Forstexperte: In der Dübener Heide muss mit dem Wolf gerechnet werden

Natur & Umwelt Forstexperte: In der Dübener Heide muss mit dem Wolf gerechnet werden

Faszination und Schrecken – das lösen Wölfe in Deutschland aus. Die Tiere könnten alsbald auch in der Dübener Heide heimisch werden. Das vermutet Klaus Peter Hurtig vom Bundesforstbetrieb Mittelelbe mit Sitz in Bad Düben. Denn in Nachbarregionen, wo Wölfe bereits leben, dürfte es aufgrund der Vermehrung der Tiere zu Platzproblemen kommen.

Sind den Wölfen auf der Spur: Klaus Peter Hurtig und Susanne Osterloh vom Bundesforstbetrieb Mittelelbe.

Quelle: Heike Nyari

Bad Düben. Die einen finden sie faszinierend, die anderen fürchten sich: Wölfe und ihre Verbreitung in Deutschland, insbesondere in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Im Naturpark Dübener Heide gab es bis jetzt immer wieder Wolfssichtungen, aber bislang hat kein Wolfsrudel die Heide als dauerhaften Lebensraum entdeckt. Das könnte sich alsbald ändern.

Gesicherte Vorkommen

Der Bundesforstbetrieb Mittelelbe mit Sitz in Bad Düben betreut Liegenschaften in den drei Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. „Gesicherte Wolfsvorkommen haben wir in der Glücksburger Heide, in der Annaburger Heide und in der Oranienbaumer Heide“, sagt Klaus Peter Hurtig. Regionen, die teilweise an die Dübener Heide grenzen. Hurtig muss es wissen, denn er ist Funktionsbereichsleiter Naturschutz beim Bundesforst. Der Experte verfügt über Daten und Fakten zum Thema Wolf sowie aussagekräftige Fotos, die die Existenz und die Entwicklung der Raubtiere belegen.

Wölfe verlassen Revier

Den Wölfen in der Glücksburger Heide bei Jessen gelang in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes der ganz große Wurf. Laut Aussage des Bereichsleiters sollen dort im Frühjahr neun Welpen das Licht der Welt erblickt haben. Das sei ein „absoluter Rekord“, der übrigens per Fotofalle belegt werden konnte. Wenn die neun Jungtiere etwa zwei Jahre alt sind, dann müsse, vorausgesetzt sie überleben alle ihre Kinderstube, damit gerechnet werden, dass sie abwandern. Sie verlassen das Revier ihrer Eltern, um sich in einer anderen Region niederzulassen, um dort gegebenenfalls ein eigenes Rudel zu bilden. Sind die Reviere in der Nachbarschaft bereits belegt, kann eine Wanderschaft viele hundert Kilometer betragen.

In der Nähe der Glücksburger Heide gibt es Areale, die Wölfen durchaus zusagen wie die Oranienbaumer Heide und die Annaburger Heide. Doch diese beiden Reviere sind bereits nachweislich von einem Paar beziehungsweise einem Rudel besetzt. Die Annaburger Wölfe können sich in diesem Jahr übrigens auch über Nachwuchs freuen.

Der Wolf kommt in die Dübener Heide

„In Gebieten wie der Dübener Heide, der Kühnauer Heide, der Roßlauer Elbauen und Raguhn muss mit einer Etablierung des Wolfes gerechnet werden“, stellt Klaus Peter Hurtig fest. Was die Dübener Heide anbelangt, so gibt es keine konkrete Existenz-Aussage. Wolfs-Sichtungen, wenige Fotos und Funde von Losungen und gerissenen Tieren hat es bereits gegeben. Das reicht jedoch für Wolfsexperten nicht aus, um von „niedergelassenen“ Wölfen zu sprechen. Und das gilt so lange, bis ein Foto mit mehreren abgebildeten Wölfen das Gegenteil beweist. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass diese Raubtiere bisher unentdeckt in der Dübener Heide leben und sich vielleicht sogar vermehrten. Doch das ist reine Spekulation.

In der 11 000 Hektar großen Annaburger Heide muss schon lange nicht mehr spekuliert werden, und das kann Klaus Peter Hurtig mit gesicherten Zahlen beweisen. „Anfang 2008 erblickte ich zum ersten Mal einen sogenannten geschnürten Trab“, erinnert sich der Bereichsleiter, der wenig später auch einen perfekten Einzelabdruck dokumentieren konnte. Die Spuren häuften sich, im Mai desselben Jahres sah Klaus Peter Hurtig den Grauen mit eigenen Augen. In den darauffolgenden Jahren wurden Risse, Spuren, Haare und Losungen gefunden und 2010 startete ein gezieltes Monitoring, bei dem auch Fotofallen zum Einsatz kamen. Ab Juni 2012 konnte der Paarstatus nachgewiesen werden.

Fotofallen helfen für Nachweise

2013 tappten dann tatsächlich sechs Welpen in die Fotofalle. Bilder vom Nachwuchs, und somit den unanfechtbaren Beweis ihrer Existenz, gibt es auch aus den Jahren 2014 und 2015. Klaus Peter Hurtig verfügt zudem über aktuelles Bildmaterial, das erst letzte Woche in der Annaburger Heide per Wildkamera aufgenommen wurde. Es zeigt drei Welpen. Ob es auch mehr sind, ist nicht gesichert und wird sich vielleicht beim diesjährigen Monitoring zeigen. Gesichert hingegen sieht Hurtig die Tatsache, dass die Wolfsdichte in der Annaburger Heide aus Platzgründen und vom Nahrungsangebot her nicht zunehmen werde. Ähnlich wie die Welpen in der Glücksburger Heide wird sich auch der Annaburger Nachwuchs spätestens in zwei Jahren auf den Weg machen und sein elterliches Revier verlassen – und vielleicht den Naturpark Dübener Heide als neues Revier entdecken.

Von Heike Nyari

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