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Bad Düben Fraßspuren an Dübener Mooreiche: Der Heide-Biber nagte schon vor 3000 Jahren
Region Bad Düben Fraßspuren an Dübener Mooreiche: Der Heide-Biber nagte schon vor 3000 Jahren
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11:07 30.03.2016
Verblüffend ähnliche Bissspuren: Die 3000 Jahre alte Mooreiche (unten) und ein frischer Biberfraß (oben)   Quelle: Foto: Raik Zenger
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Bad Düben

 Seit wann lebt der Biber im Raum der Dübener Heide? Es ist ein spannendes Stück Naturgeschichte, dem der Bad Dübener Forscher Raik Zenger nachgeht. Denn bislang gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, seit wann der fleißige Burgenbauer im Dübener Heideland siedelte. Selbst der leider schon verstorbene Biberforscher Werner Sykora konnte keinen historischen Beleg finden, berichtet Zenger. Sykora hatte zwar herausgefunden, dass seit der Existenz der Wassermühlen vor etwa 700 Jahren kein Platz für den hier heimischen Elbebiber mehr da war. „Alles, was der Naturraum der Heide und die Rodungen dem Menschen boten, wurde oft bis zur Erschöpfung genutzt. Die Wasserkraftnutzung bezog bis auf wenige Ausnahmen alle die Heide verlassenden Flüsse und Bäche ein“, heißt es in der Sykora-Schrift aus dem Jahr 2004. Der Mühlenbetrieb erforderte eine ständige Verfügbarkeit von fließendem Wasser. Stauwerke des Bibers störten da nur. Das führte vermutlich frühzeitig zur Ausrottung der Heidepopulation des Elbebibers. Zuwanderer aus den Flussauen von Elbe und Mulde wurden eifrig verfolgt.

Auch der Hallenser Experte Dr. Manfred Teichert beschäftigte sich intensiv in einer Veröffentlichung 1999 mit ur- und frühgeschichtlichen Knochenresten des Bibers in den neuen Bundesländern. In dieser konnte er insgesamt 66 Fundplätzen mit Biberknochen nachweisen. Eine Altersdatierung ergab, dass ab etwa einer Million Jahren, und zwar nur während der Warmzeiten, Biber in den südlichen Gebieten der neuen Bundesländer lebten. Im direkten Zentrum Mitteldeutschlands konnte kein auf Biber hinweisender Fund nachgewiesen werden.

Und damit war auch immer noch nicht geklärt, seit wann der Ur-Biber in der Heide nun an Bäumen nagt. Bis jetzt. Denn Raik Zenger ist sicher, fündig geworden zu sein. Ihm half dabei das Muldehochwasser von vor drei Jahren. An einer 1,80 Meter langen Mooreiche, die durch die Fluten bei Bad Düben auf die Muldewiesen gespült wurde, verblüfften ihn bekannte Fraßspuren. „An der dem Stamm abgewandten Seite des Astes sind deutliche Fraßspuren an deren Spitze sowie im angrenzenden oberen Bereich erkennbar“, so Zengers Beobachtung. Er war sich sicher: „Die Übereinstimmungen mit heute von Bibern an Gehölzen erzeugten Fraßspuren sind fast hundertprozentig.“

Der Vergleich zwischen einem frischen Biberfraß (links) und den Spuren an der Mooreiche aus der Bronzezeit. Quelle: Raik Zenger

Bei einer ersten Vorstellung des Fundes im Naturparkhaus in Bad Düben stieß Zenger allerdings auf große Skepsis. Doch der Dübener Entdecker war elektrisiert und von der Richtigkeit seiner Spur überzeugt. Das subfossile Holz ließ er im letzten Jahr von einem Experten begutachten: Professor Arnold Müller, Kustos der geologischen- paläontologischen Sammlung des Institutes für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig, analysierte die Mooreiche. „Nach der dortigen Untersuchung konnte zweifelsfrei ein Biberfraß dargestellt werden. Es handelt sich dabei sogar um einen Erst-Fund dieser Art in Mitteldeutschland, ein anderer ist jedenfalls bislang nicht bekannt“, sagt Zenger. Die Leipziger Experten haben großes Interesse, diesen Biberfraß in die öffentliche Sammlung des Instituts aufzunehmen.

Konkrete Angaben zur Altersbestimmung konnten allerdings in Leipzig noch nicht getroffen werden. Dazu war eine zweite Expertise nötig, die am Institut für Forstwissenschaften in Freiburg an der Universität in Heidelberg erstellt wurde. „Als Resultat dieser Analyse kann die Lebenszeit des Baumes vor rund 3000 Jahren, also in die Bronzezeit eingeordnet werden. Zudem wurde nachgewiesen, dass es sich bei dem gefundenen subfossilen Holz zweifelsfrei um eine Eiche handelt“, sagt Zenger.

Das Alter des Fundes sei zwar insgesamt relativ jung. In der Evolution reichen erste Funde von Lebewesen, die dem Biber, wie wir ihn kennen, schon recht nahe kommen, bis vor rund 164 Millionen Jahren zurück. Doch für die Region Nordsachsen und dem Dübener Heideland sei dieser frühe Nachweis schon etwas besonderes. Inzwischen leben durch den intensiven Schutz etwa wieder 1000 Biber in Mitteldeutschland. Forscher Zenger ist sich jedoch sicher, dass der Nachweis des Ur-Bibers nicht einzigartig bleiben wird. „Dieser Fund wird nicht der letzte bleiben“, so der Dübener.

 .

Von Olaf Majer

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