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Frau Krause trifft Huck Finn

Frau Krause trifft Huck Finn


Bad Düben. Kameras, Mikrofone, Pavillons und seltsame Gestalten: An der Mulde im Stadtteil Alaunwerk und auf dem Altenhof in Bad Düben wurden am Dienstag Szenen für den neuen Kinderfilm Huck Finn gedreht.

. Eine, die das Treiben der Filmschaffenden beobachtete, war LVZ-Leserin Veronika Krause.

Wer hätte gedacht, dass der Altenhof, jene alte Bauernhof-Kolonie mit sechs Grundstücken und elf Bewohnern zwischen Bad Düben und Schnaditz, jemals Schauplatz einer Kinoproduktion werden würde? Denn was zeichnet den Altenhof, genauer gesagt eine Wiese, auf der sonst ein paar Schafe weiden, dafür aus?

Veronika Krause, die dort lebt, kann sich selbst keinen richtigen Reim darauf machen. Ein Stück der Weide, wo einst eine alte Scheune drauf stand, gehört ihr. „Die haben mal im Juni nachgefragt, ob sie hier filmen können. Mehr weiß ich auch nicht", berichtete die 63-Jährige, während ihre Blicke immer wieder übers Gatter zu den Filmleuten wanderten.

Die waren dort schon eine Stunde lang hektisch am Wuseln. Sieben große Lkw rollten plötzlich an, zahlreiche Kleintransporter und Autos. Schienen wurden aufgebaut, auf denen Kameras fahren. Altes Holz haben Requisiteure zu einer Art Hütte aufgebaut – und zwar dort, wo das Gras hoch steht. Die Schafe durften zuletzt nicht mehr auf die Fläche – alles mit Bedacht. „Das soll die amerikanische Steppe darstellen", erklärt Holger Reibiger, Produktionsleiter vor Ort. Schließlich spielt Huck Finn in Amerika, genauer gesagt am Ufer des Mississippi. Tagsüber war deshalb bereits die Mulde ein Schauplatz, diente als Seitenarm des großen, übermächtigen Flusses. Die Donau in Rumänien, ein weiterer Drehort, soll dann den Mississippi darstellen. Reibiger, der ständig auf die Uhr blickte, erzählte, dass sogenannte Location-Scouts im Vorfeld unterwegs waren und nach geeigneten Drehorten suchten. So habe einer den Altenhof entdeckt.

Dass ausgerechnet ein Ort in Sachsen für die 6,5 Millionen Euro budgetierte Produktion ausgewählt wurde, kommt dabei nicht von ungefähr. Ebenso die Schauplätze bei Jeßnitz (Sachsen-Anhalt) nicht. Der Film wird unter anderem von der Mitteldeutschen Medienförderung mitfinanziert. Weitere Drehorte liegen in Brandenburg.

Neben dem technischen Personal gab es am Dienstag auch einige Promis zu sehen. Huck-Finn-Darsteller Leon Seidel (spielte den Huck bereits in der deutschen Produktion „Tom Sawyer") und Michael Gwisdek und Kurt Krömer, die ein Betrüger-Duo Mimen. Des Weiteren Jacky Ido, der den Sklaven Jim spielt. Alle vier drehten eine Szene auf der Altenhof-Weide – und das mehrmals. Sie liefen über die „Steppe" und besprachen etwas. Huck und Sklave Jim mussten dabei die Sachen schleppen, während die Ganoven dem Alkohol zugeneigt waren. Doch es wollte nicht alles so klappen, wie Regisseurin Hermine Huntgeburth es sich vorstellte. Einmal waren die Darsteller zu schnell unterwegs, ein anderes Mal passte das Wort „scheiß" nicht so richtig ins Konzept. Huck sollte es beim letzten Anlauf einfach weglassen, was er dann auch tat.

„Das muss genau hinhauen", kommentierte Veronika Krause das Geschehen. Sie hatte in der DDR elf Jahre lang in Berlin gelebt, war dort im Bereich Kultur für die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe tätig. Mit Regisseuren und Show-Leuten hatte sie da oft zu tun. „Die wollen immer, dass alles perfekt ist", erzählte sie und schwärmte von den Schauspielern auf ihrer Wiese: „Der Kleine macht das ganz toll. Und den Gwisdek mag ich sowieso." Der habe „eine schöne Stimme und ist noch ein richtiger Charakterdarsteller".

Über drei Stunden waren die etwa 50 Filmleute Dienstagabend auf dem Altenhof zugange, um eine Szene zu drehen. Im Film werden davon vielleicht eine Minute und von den Muldeaufnahmen am Tag zwei Minuten zu sehen sein.

Im Winter 2012/2013 soll der Streifen in die deutschen Kinos kommen.

Nico Fliegner

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