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Bad Düben Frau zeigt Noch-Gatten wegen Drogenhandels an – Bad Dübener freigesprochen
Region Bad Düben Frau zeigt Noch-Gatten wegen Drogenhandels an – Bad Dübener freigesprochen
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09:38 07.07.2017
Das Amtsgericht Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Was dem jungen Mann für Gedanken durch den Kopf gingen, mag man sich gar nicht vorstellen. Michael K. (Name geändert) aus Bad Düben musste jetzt drei Verhandlungstage vor dem Eilenburger Amtsgericht über sich ergehen lassen und war sich doch von vornherein sicher, dass er nichts Unrechtes getan hat. Diese Unschuld bekundete er auch immer wieder, allerdings sprachen zunächst einige Indizien gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft Leipzig klagte ihn an, nicht nur mit geringen, sondern mit erheblichen Mengen Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Das sei ein Verbrechenstatbestand.

Paar lebt in Scheidung

Die Behörde stützte ihre Anklage auf eine Anzeige von Sandra K. Sie ist die Ehefrau von Michael K. – das Paar lebt aber in Scheidung und es gibt Probleme beim Sorgerecht für das gemeinsame Kind. Sandra K. hatte im Dezember 2016 bei der Polizei ausgesagt, ihr Noch-Ehemann handle mit Drogen. Er habe sich dafür Cannabissetzlinge angeschafft. Zudem soll er ihr gegenüber geäußert haben, dass er bald viel Geld habe und damit könnten sie doch ein neues Leben anfangen. Zum Beweis ihrer Aussage legte Sandra K. der Polizei einen Chat-Verlauf vor. Darin soll Michael K. detailliert geschildert haben, wie er etwa fünf Kilogramm der Drogen herstellen und dann damit Geld verdienen will. Auch ein Foto der angeblichen Setzlinge war im Smartphone von Sandra K. gespeichert. Abgeschickt sei das Ganze vom Handy ihres Mannes, betonte sie vor der Polizei und wiederholte dies dann auch vor Gericht.

Bei Michael K., der zu dieser Zeit und momentan immer noch bei seiner Mutter lebt, wurde eine Hausdurchsuchung angeordnet und auch durchgeführt. Auch ein Drogenspürhund kam zum Einsatz. Gefunden wurden allerdings weder Drogen noch irgendwelche Utensilien, die auf Betäubungsmittel hindeuteten. Verschwunden blieb auch ein angeblicher Komplize, mit dem Michael K. die Sache angeblich durchziehen wollte. Diese Person konnte von der Polizei nicht gefunden werden.

Zweifel an Glaubwürdigkeit

Trotzdem kam es zur Anklage. Während der Verhandlung wurde eine umfangreiche Beweiserhebung durchgeführt, zahlreiche Zeugen gehört. Von Anfang an arbeitete der Angeklagte aktiv mit, stellte all das unmittelbar zur Verfügung, was das Gericht sehen wollte. Unter anderem wurden die Finanzen des Angeklagten überprüft. Ein ganzer Aktenordner mit Kontoauszügen – übersichtlich vom Verteidiger, Rechtsanwalt Jens Küster, geordnet – wurde von Richterin Carmen Grell, den beiden Schöffen und auch vom Staatsanwalt in Augenschein genommen. Nichts, aber auch gar nichts wurde darin gefunden, was auf übermäßige Einnahmen schließen ließe. Im Gegenteil, das Girokonto des Angeklagten war jeden Monat am Limit. Lediglich Einnahmen aus seiner Anstellung als Wach- und Sicherheitsmann wurden entdeckt.

Im Verlauf der Verhandlung kamen zudem immer mehr Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Sandra K. auf. Sie verstrickte sich zunehmend in Widersprüche.

Job stand auf dem Spiel

Im Plädoyer von Staatsanwalt Ronny Duckstein kam genau das zum Tragen. „Es hat keinen realen Verkauf von Drogen gegeben“, stellte er fest. Warum der Chat-Verlauf nicht auf dem Handy von Michael K. überprüft wurde, konnte er sich aber nicht erklären. Allerdings sagte der Angeklagte zwischendurch auch, dass jeder an das Handy hätte gehen können. Es sei nicht sehr gut geschützt gewesen. Staatsanwalt Duckstein hatte jedenfalls erhebliche Zweifel am Tatvorwurf und beantragte deshalb Freispruch für Michael K.

Freispruch wegen Zweifel wollte Rechtsanwalt Küster aber nicht gelten lassen. Er beantragte, seinen Mandanten regulär freizusprechen. Richterin Grell folgte dem Vorschlag und sprach Michael K. schließlich aus tatsächlichen Gründen frei. Die Kosten des Verfahrens und die Kosten der Verteidigung übernimmt die Staatskasse.

Wenn das Ganze als Scherz gedacht war, dann war es ein übler. So stand beispielsweise auch der Job des Mannes auf dem Spiel.

Von Ditmar Wohlgemuth

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