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Bad Düben Frühjahrsputz auf der Scholle in Bad Düben
Region Bad Düben Frühjahrsputz auf der Scholle in Bad Düben
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20:37 15.04.2018
Brune Batschke beim Grubbern seiner Blumenbeete. Quelle: Steffen Brost
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Bad Düben

Es ist Samstag und Temperaturen um die 22 Grad sorgen für emsiges Treiben in der Kleingartenanlage Am Schwarzbach im Süden der nordsächsischen Kurstadt Bad Düben. Bei Familie Batschke ist Frühjahrsputz angesagt. Erika (75) und Bruno (78) Batschke schuften seit dem Vormittag in ihrem Schrebergarten. Der ist seit 1919 in Familienbesitz und wird jetzt in der dritten Generation gepflegt. „Das schöne Wetter müssen wir ausnutzen. Wir haben gestern die ersten Saatkörner in die Erde gebracht und danach hat es gleich geregnet. Hat wunderbar gepasst“, erzählt Bruno Batschke. Er und seine Frau sind regelmäßig auf der Scholle. Dort gibt es immer etwas zu tun. „Und wenn die Blumenbeete gegrubbert werden müssen. Zwischendurch gibt es einen kleinen Mittagsschlaf auf der Couch und dann geht es weiter“, erzählt der pensionierte Busfahrer.

Viel Arbeit, aber auch Entspannung pur

Gleich gegenüber werkeln Ljuba und Peter Kolesnikov. Sie haben seit 2006 ihren Garten. Peter Kolesnikov hat aus ein paar Plastikregenrinnen und etwas Metall aus dem Baumarkt eine Erdbeeretagere gebaut. Später sollen hier die roten Früchte herunterhängen. „Ich bin die ganze Woche auf Montage und hab’ nur an den Wochenenden Zeit. Deswegen dauert alles etwas länger“, erzählt er. Gemeinsam mit Ehefrau Ljuba kam er vor 18 Jahren aus Russland nach Deutschland.

Gemütlicher lassen es dagegen Ingrid und Dieter Spörl angehen. Die 75- und der 77-Jährige sitzen auf ihrer kleinen Terrasse und lassen es sich bei selbstgebackenem Wolkenkuchen und einer Tasse Kaffee gut gehen. Der Garten sieht sehr gepflegt aus. Unter ein paar Plastikhauben wachsen die ersten Kohlrabipflanzen. Die Spörls sind seit 1963 Mitglied im Kleingartenverein. Dieter Spörl wuchs als Kind hier sogar auf, weil seine Mutter die Parzelle 1949 gepachtet hat. „Jetzt sind wir Rentner und genießen jeden Tag im Garten. Früher wurde in unserer kleinen Laube oft und viel gefeiert mit bis zu 30 Leuten. Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen“, verrät Ingrid Spörl.

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Helmut Tischer bastelt viel selbst. Auch diese Windmühle stammt aus seiner Werkstatt.

Überall in der Kleingartenanlage Am Schwarzbach sind an diesem Wochenende Leute anzutreffen, die ihren Garten auf Vordermann bringen oder einfach das schöne Wetter genießen. Vereinsvorsitzender Jürgen Schwertner ist oft in der Anlage unterwegs. Dabei muss er immer ganz schön viel Wegstrecke zurücklegen. Denn der Kleingartenverein ist der größte in der Kleinstadt. 85 Kleingärten gibt es. Insgesamt hat der Verein 168 Mitglieder. Wer einen Spaziergang durch die Gärten machen will, muss viel Zeit mitbringen. Immerhin beträgt das Wegenetz über fünf Kilometer.

Auch Karin und Gerd Böhme haben hier ihr Domizil. Seit 1980 sind die Bad Dübener auf ihren 280 Quadratmetern Gartenglück anzutreffen. Die Parzelle ist top in Ordnung. Alles akkurat und die Blumen- und Gemüserabatten scheinbar mit dem Lineal gezogen. „Das muss seine Ordnung haben. Man will sich ja wohlfühlen. Aktuell streiche ich alles, was aus Holz ist und der Putz der Laube muss überarbeitet werden. Das sind die nächsten Aufgaben“, sagt Gerd Böhme.

Ganze Familie gern im Kleingarten

Bei Gartennachbar Willi und Ramona Henschel ist heute viel los. Tochter Mareen ist mit Enkelin Helena und Schwiegersohn Christian zu Besuch. Die siebenjährige Helena hat ihre Spielküche auf die Wiese geholt und macht beim Großreinemachen mit. „Die muss auch mal saubergemacht werden“, erzählt die Grundschülerin. Während Ehefrau Ramona die Übersicht behält, sorgt Ehemann Willi für einen schicken Anblick von außen und befreit den Eingangsbereich von Unkraut. „Immer nach Ostern fangen wir an, den Garten für die Saison fit zu machen. Und dann wird bei unserer Anwesenheit auch immer die deutsche oder sächsische Fahne gehisst“, schmunzelt Willi Henschel.

Die gröbste Arbeit hat Rentner Helmut Tischer schon hinter sich. Er sitzt gerade mit Frau Johanna in der Sonne und beobachtet seine 18 Kanaren in der Vogelvoliere. „Die haben gebrütet. Später verschenke ich sie“, so der 81-Jährige. An seiner Laube sind Erinnerungsgegenstände von Urlauben und aus seinem Leben. „Die Holzwindmühle habe ich vom Sperrmüll. Ich habe sie überarbeitet und wieder flottgemacht. Auch das Wasserrad samt Goldfischteich habe ich selber angelegt. Das ist hier meine Ruheoase. Morgens zwitschern die Vögel. Das ist Erholung pur“, schwärmt er.

Neuestes Projekt in der Anlage sind Seniorengärten. „Der Hintergrund ist, wenn ein Rentner seine Parzelle nicht mehr bewirtschaften kann, gibt er sie an den Verein ab. Dort wird das ganze dann so koordiniert, dass mehrere Rentner eine Parzelle gemeinsam pflegen. Da verteilt sich die Arbeit besser und jeder hat nur noch etwas zu tun“, so Vereinschef Schwertner.

So entstand die Kohlrabibar in Bad Düben

In Bad Düben gibt es acht Kleingartenvereine mit insgesamt 337 Parzellen und. Der Kleinste nennt sich „Am Waldhof“ mit acht Parzellen. Der größte „Am Schwarzbach“ hat 120 Gärten.

In der Chronik steht, dass einige Bürger Bad Dübens nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1919 eine Gartenkolonie gründeten. Am 21.Mai 1919 war es soweit. Im Ratskeller fand die Gründungsversammlung statt. Im Beisein von 51 Interessierten wurde die „Gartenkolonie Düben“ gegründet. Als Vorsitzender wurde der Lehrer Ernst Fritzsch, als Schriftführer und Rechnungsführer die beiden Amtsgerichtssekretäre Emil Trautmann und Karl Krahnefeld gewählt.

1964 übernahm der Verein den ehemaligen Holzplatz (heutiger Festplatz) als Pachtland von der Kirche. Zu diesem Zeitpunkt bekam der Verein vom damaligen Waldkrankenhaus eine Holzbaracke zur weiteren Nutzung überlassen. Diese Holzbaracke wurde das erste Vereinsheim der Kleingärtner in Bad Düben, welches auch eine gastronomische Betreuung anbot. Hier wurden fortan die jährlichen Sommerfeste gefeiert. Außerdem nutzten die Kleingärtner die Räume für Versammlungen und andere Höhepunkte des Vereins.

In den 1980er-Jahren wurde das Vereinsheim in Eigeninitiative durch die Kleingärtner umgebaut und es entstand ein neues Steingebäude mit einer angrenzenden Freifläche und Bühne für die verschiedenen Veranstaltungen vom Gartenfest über Tanz- und andere gesellige Veranstaltungen bis zum Oktoberfest und Polterabend. Es bekam den Namen Kohlrabibar.

Von Steffen Brost

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