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Frühlingserwachen im SPD-Ortsverein

Frühlingserwachen im SPD-Ortsverein

Den Terminus Genossen lehnen sie durch die Bank weg ab. „So haben wir uns noch nie angesprochen und so werden wir uns auch nicht ansprechen“, sagte Olav Scharr, Vorsitzender des Ortsvereins der SPD in Bad Düben, am Mittwochabend, als er anlässlich des 20-jährigen Bestehens mit Mitgliedern und Ehemaligen im Hotel National in die Vergangenheit blickte.

Bad Düben. Dabei ist das Wort Genosse in SPD-Kreisen durchaus üblich. Man denke nur an Altkanzler Schröder, der gern als der Genosse der Bosse bezeichnet wurde. Aber wie auch immer – Mitstreiter klingt für die Bad Dübener jedenfalls gefälliger. Mitstreiter in 20 Jahren Kommunalpolitik, auch wenn der Ortsverein seine Blütezeit längst hinter sich hat und auf ein neues Frühlingserwachen hofft wie Anfang der 90er-Jahre.

Das muss schon eine aufregende Zeit gewesen sein, wenn man die Anekdoten von Otto Leuschner, einem SPD-Urgestein im Dübener Verein, hört. „Von alten Offizierskadern wurden uns Knüppel in die Beine geschlagen“, erzählte er, der am 17. Januar zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Drei entsprechende Urkunden zeigte er, auf denen sich Namen vieler bekannter Bad Dübener befinden. Einige sind heute noch dabei, andere nicht. Just an diesem Tag hatte sich auch der Ortsverein Eilenburg gegründet, ebenfalls in Bad Düben in der damaligen Gebäudewirtschaft in der Schmiedeberger Straße. Rainer Weihmann und Peter Thiemecke, zwei, die heute in Eilenburg und Doberschütz kommunalpolitisch aktiv sind und Mittwoch zu Gast waren, wussten auch, warum. In Bad Düben hatte sich dazumal die SPD im Altkreis Eilenburg formiert. Und die hatte mit Bad Düben und Eilenburg sofort zwei Ortsvereine.

Werner Wartenburger, der zurzeit mit Stefan Lange für die SPD im Bad Dübener Stadtrat sitzt, sprach von „revolutionären Zeiten“. Wartenburger gehörte in den Anfangsjahren dem Umweltausschuss an und dieser knöpfte sich zunächst die Kaserne im Alaunwerk vor. „Ich habe das damals genossen, an den Offizieren vorbei zu marschieren“, erzählte er. Der Umweltauschuss wollte sich vor Ort ein Bild machen, ob die Alaunwerkskaserne tatsächlich kontaminiert gewesen war, wie es damals die Runde machte. Es sei nicht ganz so gewesen, sagte er.

Zu den Glanzzeiten gehörte, dass der SPD-Ortsverein über viele Jahre das Stadtoberhaupt von Bad Düben stellte. Erst war es Hans-Günther Lange. Als der nicht mehr wollte, übernahm Eckehard Tulaszewski das Ruder. Für die SPD saßen damals sieben Dübener im Stadtrat. Dann krachte es – Tulaszewski verließ die Partei im Streit. Von da an verlor die SPD an Profil. Offenbar aber nicht wegen des Austritts des Bürgermeisters, sondern vielmehr wegen der Haltung des Ortsvereins zur Personalie. „Wir haben uns nicht klar positioniert zu Tulaszewski. Der hat uns vorgeführt, das ist uns auf die Füße gefallen“, sagte Scharr. Bei den vergangenen Kommunalwahlen konnte die SPD trotz guten Personals und eines klaren Programms („Kommunalpolitik mit Biss“) nicht punkten, die Ergebnisse waren enttäuschend. Heute werde die Dübener SPD nur noch als Anhängsel der CDU wahrgenommen (CDU und SPD bilden eine Fraktion im Stadtrat), sagte Michael Seidel, ein Sympathisant des Bad Dübener Ortsvereins, der sich zuletzt im Kommunalwahlkampf engagierte. Er forderte mehr Abgrenzung. Die SPD müsse eigene Themen besetzen, die Öffentlichkeit mitnehmen und Wahrnehmung schaffen.

Bis zu den nächsten Kommunalwahlen hat der Verein ausreichend Zeit, sich ein neues Profil zu geben. An klugen Köpfen dürfte es jedenfalls nicht fehlen. Am Mittwochabend trat überraschend Katharina Scharr dem SPD-Ortsverein als neues Mitglied bei.

Nico Fliegner

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