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Glauchaer fordern besseren Hochwasserschutz

Glauchaer fordern besseren Hochwasserschutz

Ein Dorf kämpft um seine Zukunft. Zwölf Wochen nach dem Hochwasser sind die Betroffenen in Glaucha wütend, verunsichert und fühlen sich allein gelassen. In nur knapp zwei Tagen haben sich über 400 Bürger mit ihren Unterschriften solidarisch mit den Forderungen für einen besseren Hochwasserschutz für den 350-Einwohner-Ort erklärt.

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Massig Unterschriften in der Hand: Die Glauchaer fordern einen Deich, der ihr Dorf vor einem Hochwasser wie im Juni schützt.

Quelle: Alexander Bley

Glaucha. Landrat Michael Czupalla (CDU) weiß um die Problematik - und mittlerweile ist die Sächsische Staatskanzlei in die Sache involviert. Glaucha könnte zum Politikum werden.

Erst das Hochwasser, jetzt der fehlende Schutz. Der Ärger sitzt tief. Die Glauchaer fragen sich: Ist es sinnvoll, überhaupt wieder aufzubauen? Bereits Begonnenes sei gestoppt worden, "weil niemand weiß, wo die Reise hingehen soll", geht aus einem dieser Tage kursierenden offenen Brief hervor, der dieser Zeitung vorliegt. Darin fragen sich die Glauchaer außerdem, ob es Sinn hat, "Geld für Trocknung oder Aufbau zu investieren". Viele Bürger wohnen nach wie vor in Provisorien, ihre Grundstücke sind entwertet, die Altersversorgung dahin. 15 Gewerbetreibende kämpfen trotz voller Auftragsbücher um ihre Existenz. Sie fordern den Freistaat auf, in den Hochwasserschutz zu investieren. Die Deiche an der Mulde müssten so gebaut werden, dass Unter- und Oberdorf vor einem Hochwasser wie im Juni geschützt werden. Zuständig ist die Landestalsperrenverwaltung (LTV).

Sachsens Umwelt-Staatssekretär und Chef des Hochwasser-Wiederaufbaustabes Fritz Jaeckel erklärte gegenüber der LVZ, dass es bei der LTV eine Prioritätenliste gebe und letztlich der Kosten-Nutzen-Faktor in puncto Deichbau eine Rolle spiele. "Glaucha bedarf einer vertieften Betrachtung", nahm der Staatssekretär bei seinem Delitzsch-Besuch mit, bei dem Glaucha und andere problematische Bereiche an der Mulde in einem Vier-Augen-Gespräch mit Landrat Czupalla zur Debatte standen. Für Glaucha habe er sich einen Aktenvermerk gemacht.

Für die Einwohner ist das noch zu wenig. "Kann es sein, dass Politik und Behörden aufgrund einer Kosten-Nutzen-Rechnung über unsere Köpfe hinweg über unsere Heimat bestimmen können?", fragen sich die Bewohner.

Selbst Bürger aus Nachbarorten und von weiter her stellen sich mittlerweile hinter den Hilferuf. Die Menschen sind nicht nur unzufrieden, weil es seitens der Sächsischen Aufbaubank bisher keine eindeutige Zusage über Fördermittel gibt, sondern widersprüchliche Aussagen, welche Maßnahmen überhaupt förderfähig sind, existieren. Und selbst die Versicherer zahlen den Schaden nur dann, "wenn alles wieder an Ort und Stelle aufgebaut wird". Was bei einem Hochwasser wieder zur Katastrophe führen würde. Zudem sei erst vor wenigen Tagen bekannt geworden, dass sich der Ort in einem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet befinden soll. Offizielle Stellen hätten sich dazu bislang nicht geäußert. "Wir sind kein Überschwemmungsgebiet, wollen es auch nicht werden", betont Geschäftsmann und Hochwasser-Opfer Candy Jentzsch. Hilferufe an Politik und Behörden seien bisher "ohne akzeptable Ergebnisse verhallt", bedauert Thomas Hartmann, einer der Sprecher der Bürgerinitiative von Glaucha.

Wenn der Landrat am Dienstag bei der Einwohnerversammlung, die 19.30 Uhr in der Kirche in Niederglaucha beginnt, die Unterschriften überreicht bekommt, werden sich die Vertreter der Kreis- und Talsperrenverwaltung zu all dem äußern müssen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Karin Rieck, Nico Fliegner

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