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Go Trabi go: Hanjo Aleit aus der Dübener Heide macht alte Trabis wieder flott

Hobby Go Trabi go: Hanjo Aleit aus der Dübener Heide macht alte Trabis wieder flott

Es war Liebe auf den zweiten Blick – doch der Tornauer Hanjo Aleit hat sein Herz für den Trabant entdeckt. Er bereitet die DDR-Oldtimer auf und verkauft sie – und natürlich hat er auch selbst eine Trabi-Sammlung.

Trabis soweit das Auge reicht. Bei Hanjo Aleit steht die Rennpappe auf dem Grundstück.

Quelle: Wolfgang Sens

Tornau. Ein Umdrehen des Zündschlüssels reicht. Reng-Teng-Reng knattert es über den Tornauer Mühlenhof Döbelts Mühle. Aus dem dünnen Auspuffrohr des Trabant puffen blaue Wölkchen. Und in die Nase dringt ein irgendwie vertrauter Duft aus verbranntem Benzin und Öl. Bei wohl fast jedem einstigen DDR-Bürger werden spätestens jetzt Erinnerungen an den Pappkarton auf Rädern wach. In dem Heidedörfchen Tornau hat der Trabant aber nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft.

Hanjo Aleit tüftelt an einem Trabi

Hanjo Aleit tüftelt an einem Trabi.

Quelle: Wolfgang Sens

Inzwischen kommen die einstigen hassgeliebten Plastebomber ins Oldtimer-Alter, werden auch wirtschaftlich interessant. Darauf baut der Tornauer Hanjo Aleit sein Geschäftsmodell auf. Dabei gibt der 41-Jährige, der neben dem Sommerauto, ein Trabant Cabrio, einen taubenblauen Viertakt-Trabi fährt, gern zu: „Zu DDR-Zeiten habe ich die Trabis gar nicht so gemocht. Doch als nach der Wende faktisch fast jeder Trabi aussortiert wurde, da hat mir das wehgetan.“

Mit 18 den ersten Trabi

Als Hanjo Aleit 1993 dann 18 Jahre wurde, war sein erstes Auto ein Trabi. Allerdings spielten dabei auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. „Mein Vater hat mir damals davon abgeraten. Doch ich habe mich durchgesetzt“, erinnert er sich noch sehr genau an die damaligen Debatten. „Denn ein Renault Clio kostet Geld, den Trabi konnte ich allein reparieren.“ Bis 1995 knatterte er mit seinem damaligen Viertakt-Trabi übers Land. „Davon gab es übrigens nur 60 000 Stück, wobei lediglich fünf Prozent im Inland fuhren“, streut der Tornauer ein. In Sachen Trabant, aber auch Wartburg, Barkas und DDR-Zweiräder, macht dem gelernten Betriebsschlosser und Trockenbauer so leicht keiner was vor.

Vom Hobby zur Ich-AG

Mehrere Exemplare der guten alten Rennpappe stehen auf seinem Grundstück

Mehrere Exemplare der guten alten Rennpappe stehen auf seinem Grundstück.

Quelle: Wolfgang Sens

Er ist den DDR-Fahrzeugen und insbesondere dem Trabant bis heute treu geblieben. Erst war es nur ein Hobby. „Doch als ich 2005 arbeitslos wurde, habe ich den Old Car Point als Ich-AG gegründet. Ohne Schulden und langsam Schritt für Schritt ist die Firma gewachsen.“ Und wie, denn obwohl es auf dem Mühlengrundstück seiner Großeltern viel Platz gibt, bei in Spitzenzeiten bis zu 170 DDR-Fahrzeugen wurde es dennoch mächtig eng. Heute stehen hier noch rund 100 mehr oder weniger fahrbereite Kisten. Und jede hat eine Geschichte. Hanjo Aleit muss weder überlegen noch nachschauen, er spult Typ, Baujahr, Lackierung und Ausstattungsvariante bei jedem Fahrzeug herunter, streichelt fast behutsam über einen blauen Trabant P50/2, Baujahr 1962, verweist bei der 1990 entwickelten Limousine auf die runtergezogene Kofferklappe und kommt ob der phantasiereichen Farbnamen ins Schwärmen. Was für den Normalbürger eher ein schmutziges Weiß sein dürfte, nannte sich damals Papyrusweiß. „Doch auch Aquamarinblau, Cliffgrün, Champagnerbeige, Taigagrün oder Delphingrau gab es. Das klingt doch gut?“, fragt er, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Auch sein Sommer-Cabrio hat daher nicht einfach blau, sondern blue-sky-gold in den Papieren stehen. „Schließlich“, so hat man sich damals wohl gedacht, „schimmert er tatsächlich etwas golden, wenn die Sonne darauf scheint.“

Die Patina macht das Auto aus

Man merkt, Hanjo Aleit ist eigentlich jeder Trabant ans Herz gewachsen. Doch als Oldtimer-Händler für DDR-Fahrzeuge, der aber auch Überführungen, Service sowie Garagen- und Grundstücksentrümpelungen anbietet, gehört die Trennung von dem einen oder anderen Liebling dazu. Ein Trabant 601 S Limousine steht gerade auf der Hebebühne, die ebenfalls schon ein Oldtimermodell ist. „Der Trabi da oben ist Jahrgang 1986. In etwa drei Wochen wird er eine Pizzaflotte in Wittenberg verstärken.“ Wie fast alle Fahrzeuge, die Döbelts Mühle verlassen, wird das papyrusweiße Exemplar nicht neu lackiert. Die Patina mache doch das Auto aus. Man würde den alten Fahrzeugen mit neuem Lack auch die Geschichte nehmen, begründet Hanjo Aleit, der bis auf diverse Spezialarbeiten wie zum Beispiel an der Karosserie alles selber macht.

Mit Tüv, aber ohne Garantie

Spezialarbeiten wie zum Beispiel an der Karosserie macht er alles selber

Spezialarbeiten wie zum Beispiel an der Karosserie macht er alles selber.

Quelle: Wolfgang Sens

Beim künftigen Pizzaauto arbeitet er nun den Rost raus, vervollständigt die Stoßstange mit der Gummikappe, bringt die Rennpappe technisch auf Vordermann. Für 2200 Euro, nach Aussage von Hanjo Aleit ein gängiger Preis für einen „nicht besonderen Trabi“, geht dieser dann schließlich raus. Zwar ohne Garantie, aber mit 200 Kilometer Probefahrt, Tüv und frisch eingefahrenem Motor. Offensichtlich entdecken immer mehr ihr Herz für die Rennpappe wieder. Hanjo Aleit, der das Mühlen-Grundstück übrigens teilweise mit Trabant-Bodengruppen umzäunt hat, ist optimistisch, dass sich der Hof Stück für Stück leeren wird, die Bodengruppen als Ersatzteile gebraucht oder von ihm selbst verbaut werden können. Aufbauen tut er dagegen die einzelnen Trabis nur auf Bestellung. Die Leute kommen her und suchen sich einen Trabant aus. Entweder nehmen sie ihn so mit wie er ist oder holen ihn samt einer Fotodokumentation rund drei Wochen später aufgearbeitet ab. Er selbst, der vor allem bei Ebay oder Autoportalen im Internet verkauft, kauft nach dem Prinzip Zufall ein.

Lieferwagen entdeckt

Diesen brauchte es auch 2015, als er erstmals einen Trabant Lieferwagen entdeckte. „Dass es diesen gibt, habe selbst ich bis dahin nicht gewusst.“ Nun steht er, inzwischen komplettiert, in seiner Fahrzeugflotte. „Davon gibt es noch maximal 20 Stück“, sagt Hanjo Aleit auch mit ein wenig Stolz. Verkaufen wird er diesen Trabi definitiv nicht. „Der kommt in meine private Sammlung, für die ich Stück für Stück das ehemalige Sägewerk herrichte.“ Für zwei andere Trabis ist dort ebenfalls schon ein Platz reserviert. Dabei handelt es sich zum einen um einen aquamarinblauen 601 S Kombi, den sein Opa 1983 über die Mühle kaufen konnte. „Der hat 32 000 Kilometer runter und eine dunkelbraunschwarze Lederausstattung.“ Ebenfalls eine Geschichte gibt es zu der papyrusweißen 601 S Limousine aus dem Jahr 1989. Sie hat trotz der nur 12 000 Kilometer auf dem Tacho schon einiges mitgemacht. „Als ihn meine Oma fuhr, hat da mal ein LKW drin geparkt. Eigentlich“, so schätzt er ein, „hätte sich der Aufbau nicht gelohnt …“ Doch er ist eben nicht nur Geschäftsmann, sondern vor allem auch Trabifan.

Von Ilka Fischer

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