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Gruna - das schreckliche Ausmaß

Gruna - das schreckliche Ausmaß

Ein Großteil der Einwohner von Gruna konnte am Donnerstag zum ersten Mal in das vom Hochwasser überschwemmte Dorf. Mit Traktoren und Booten wurden sie übergesetzt.

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Holger Köhler zeigt, wie hoch das Wasser diesmal auf seinem Grundstück stand - 1,80 Meter, nur zehn Zentimeter weniger als 2002.

Quelle: Thomas Jentzsch

Gruna. Was sie sahen, hat sie sprachlos gemacht. Gruna ist versunken wie 2002, das Wasser stand dieser Tage bis zu 1,80 Meter hoch in den Häusern, gestern noch bei etwa einem Meter. Die Menschen sind schockiert.

Hellblauer Himmel, weiße Wolken, Sonnenschein - so war es im August 2002 auch, als die Flut Gruna vernichtet hatte und die Menschen das erste Mal ihr Dorf befahren konnten. Auf dem Traktorhänger sitzen Donnerstag Morgen neben Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) noch drei weitere Grunaer und Helfer. Von Mörtitzer Seite nähern sie sich dem Dorf. Von Laußiger Seite wäre es noch zu gefährlich - das Wasser rauscht an dieser Stelle besonders. Wie der Untergrund ist, weiß niemand.

Stille, nur der Traktor rattert dahin. Die müden Augen der Leute erfassen Haus für Haus, je näher sie dem Dorf kommen. Ringsherum fließt die braune Brühe. Dann wird sichtbar, wie sehr es Gruna getroffen hat. Meterhoch steht das Wasser zum Teil noch.

Andreas Köhler, der mit ins Dorf fährt, hat extra Urlaub genommen, um seiner Mutter, dem Bruder und der Tante zu helfen. "Ich bin hier aufgewachsen, habe hier meine Kindheit verbracht und hänge an diesem Dorf. Meine Urgroßeltern hatten schon die Mühle - und die steht immer noch."

Der Traktor fährt Straße für Straße ab. An einer alten Stallung riecht es verdächtig nach Heizöl. Der Trupp trifft auf Wolfgang Möbius. Er ist einer, der sein Haus nicht verlassen hat. Es fällt ihm schwer, zu reden. "Ich könnte heulen, aber wir müssen nach vorn schauen", sagt er abgekämpft und müde. Er erlebt so ein Jahrhunderthochwasser nun schon zum zweiten Mal. "Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass wir wieder solche Hilfe bekommen wie damals." Am liebsten würde er wegziehen. "So denken auch andere", weiß er.

Bürgermeister Schneider redet den Menschen zu. Die Lage sei dramatisch, gibt er zu. Aber zunächst mal müsse das Wasser aus dem Dorf raus, dann könnten die Schäden erfasst und beseitigt werden. Ein Deichabschnitt, rechts am Ortseingang von Laußig kommend, ist seit gestern Kraft des Wassers breiter geworden, es fließt etwas schneller in das Muldebett ab. Vereinzelt gebe es auch trockene Stellen im Ort; die Leute dort können wieder in ihre Häuser. Alle anderen eventuell am Wochenende, mutmaßt das Gemeindeoberhaupt. Mario Möbius schätzt, dass das Wasser noch zwei bis drei Tage in Gruna stehen wird. Außerdem strömt es nach wie vor aus Richtung Mörtitz ein.

Unterdessen haben immer mehr "Hochwassertouristen" Gruna entdeckt. "Das macht uns zu schaffen. Wir können solche Leute nicht gebrauchen und werden jetzt auch Ordnungsgelder verhängen", kündigt Schneider an. Die Polizei kontrolliert seit Tagen die Ortseingänge, die versperrt sind. Doch "Besserwisser" hätten sich schon illegal Zufahrt verschafft, dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, denn der Untergrund sei zu gefährlich für eigenmächtige Fahrten, so der Bürgermeister. Gestern ist ein Traktor umgekippt - Menschen sind aber nicht zu Schaden gekommen.

Im Ländlichen Bürgerzentrum in Laußig soll heute ein zentraler Versorgungspunkt für die Grunaer eingerichtet werden. Am frühen Morgen will sich Schneider erneut ein Lagebild verschaffen - in der Hoffnung, dass das Wasser bis dahin weiter gesunken ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2013

Nico Fliegner / Thomas Jentzsch

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