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Gruna läuft ganz langsam voll wie eine Badewanne

Gruna läuft ganz langsam voll wie eine Badewanne

Laußig/Gruna. Tagsüber verhaltener Optimismus und die große Hoffnung, Gruna wird vom Hochwasser verschont bleiben. Am Abend dann die bittere Erkenntnis: Das Muldedorf läuft voll wie eine Badewanne.

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Blick auf Gruna. Das Dorf ist mit Wasser vollgelaufen.

Quelle: Thomas Jentzsch

Diesmal nicht gewaltig, ohne Welle, sondern ganz langsam, aber mit den Ausmaßen wie schon bei der Flut 2002. Das Wasser steht bis zu zwei Meter hoch in den Häusern. Gruna ist von der Außenwelt abgeschnitten, die Stimmung am Boden.

Es ist Montagabend, kurz nach 20 Uhr. Bei Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) und Gemeindewehrleiter Werner Bochmann, die im Krisenstab in Laußig die Stellung halten, geht die Nachricht ein: Damm bei Mörtitz überströmt. Noch gehen alle davon aus, das Wasser macht sich in der Aue breit, wird nicht nach Gruna strömen.

Eine halbe Stunde später an der Mühle Kräger in Laußig, wo Einsatzkräfte der Feuerwehr stationiert sind: "Das Wasser kommt wie eine Ostseewelle", beschreibt Feuerwehrmann Andreas Ilte die Lage. Per Fernglas kann man die "Ostseewelle" tatsächlich erkennen. Das Wasser rollt sich über die Deichkrone, der Abschnitt wird immer breiter. "Ute, das Wasser kommt nach Gruna", sagt Hella Rehberg aufgeregt, als sie gerade telefoniert. Brit Freitag, eine andere Grunaerin, ist sprachlos, kämpft an der Seite ihres Mannes mit den Tränen. Zum zweiten Mal machen beide ein Hochwasser mit - 2002 in Eilenburg, dann sind sie in ein hübsches Häuschen nach Gruna gezogen - und jetzt offenbar wieder. Die Nerven liegen blank. Sie ahnen: Gruna wird nicht verschont bleiben. Bürgermeister Schneider eilt herbei, macht ebenfalls den Fernglasblick. Die Lage wird bedrohlicher für den Ort.

Kurz nach 22 Uhr überbringt Schneider den Grunaern, die in Notunterkünften in Laußig sitzen, dann die schlimmen Nachrichten: Gruna wird absaufen, in welchem Ausmaß ist zu diesem Zeitpunkt unklar. Die Stimmung ist getrübt, doch die Einwohner haben diesmal Hab und Gut rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Gestern Morgen steht fest, dass Wassermassen von Mörtitz einströmen, aber nur langsam abfließen. "Das Wasser steht, und es wird länger stehen bleiben", so Schneider. Gruna sei "komplett wie 2002" versunken. Bis Sonnabend, so erste Prognosen, werden die Einwohner nicht zurück in ihre Häuser können. Was sie dann erwartet - darüber möchte niemand wirklich sprechen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2013

Nico Fliegner

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