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Grunaer bekennen sich zu ihrem Dorf: Wir wollen hier bleiben!

Grunaer bekennen sich zu ihrem Dorf: Wir wollen hier bleiben!

Im von der Mulde überfluteten Dorf Gruna wächst die Zuversicht. Auf einer Zusammenkunft der Einwohner am Donnerstag haben sie deutlich gemacht, dass der überwiegende Teil in dem Ort weiter leben will.

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Mittagessen in Gruna - am Donnerstag gab's Hähnchen.

Quelle: Nico Fliegner

Gruna. Die Umsiedlungs-Pläne, die ein Einwohner zuletzt ins Spiel brachte und Unterschriften dafür sammelt, werden mittlerweile heftig kritisiert. Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten in den über 100 Häusern weiter.

Bagger arbeiten sich Müllberg für Müllberg durch, Radlader pendeln zwischen Grundstücken und Containerstellplatz. Aufbaustimmung in Gruna - im 200 Einwohner zählenden Dorf werden die Flutschäden nach und nach beseitigt. Außerdem fahren Laster durchs Dorf in Richtung Mulde; dort wird der Deichbruch geschlossen. Die Feuerwehr pumpt an anderer Stelle noch Wasser ab.

Erhard Frömmig ist wieder hoffnungsvoll. Vor seinem Grundstück ist der Müll schon weg, der Gutachter der Versicherung war ebenfalls da, hat die Schäden aufgenommen. 1,80 Meter stand das Wasser an, 1,60 Meter in seinem Haus. „Ich bin noch in Wathosen rein, das Türschloss war da noch unter Wasser", erzählt er. Die Möbel und die Fußbodenheizung sind dahin, der Boden muss raus. Erhard Frömmig hat große Hilfe erfahren - von der Familie und Freunden. Seine Eltern, die gesundheitlich angeschlagen sind, kamen zwischenzeitlich bei Familie Kräger in Laußig unter. So kann er sich auf Haus, Hof und Arbeit konzentrieren. „Man kann jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Es geht immer weiter. Wegziehen, neu anfangen - das bringt nichts", sagt er. Gruna sei eine intakte Gemeinschaft. Die Diskussion zum Thema Umsiedlung findet er nicht gut, sie sei „kontraproduktiv".

So sehen es mittlerweile viele, die den ersten Schock verdaut haben und wieder frohen Mutes nach vorn blicken. Am Donnerstag versammeln sich die Einwohner an der Kirche wie jeden Tag. Es wird Mittagessen kostenlos ausgegeben, wofür die Laußiger Feuerwehr organisatorisch sorgt. Das Deutsche Rote Kreuz in Eilenburg war da eine große Hilfe. Diesmal gibt es Hähnchenkeulen, die das Unternehmen Alfra in Mockrehna spendete. Über 200 Stück sind am Vormittag kostenlos vom Unternehmen Heideländer Hähnchengrill aus Sprotta gebraten worden. Beim Essen wird diskutiert - über den Schaden nach dem Schaden, die Umsiedlungsidee. Denn seit Gruna mit diesem Thema durch die Medien geistert, sei die Spendenbereitschaft „rapide" zurückgegangen, sagt Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos). „Die Leute denken und sprechen mich auch schon an, in Gruna passiert nichts mehr. Das entspricht aber nicht den Tatsachen, wie man hier ja überall sehen kann." Im Dorf werde rangeklotzt und wiederaufgebaut - für ihn ein Zeichen, dass die Menschen bleiben wollen. Und die seien auf Spenden und Hilfe angewiesen. Was fehlt, ist Mobiliar. Im leerstehenden Heide-Center in Laußig hat die Gemeinde eine Sammelstelle eingerichtet, dort werden die Spenden erfasst und koordiniert an die Betroffenen ausgegeben. Auch die Grunaerin Charlotte Welzel hält die Diskussion für „gefährlich". Sie glaubt nicht, dass die Hälfte des Dorfes umsiedeln will. „So eine Debatte nimmt die Leute mit und wühlt sie auf. Das ist nicht schön." Hier sei „eine Lawine zu einem falschen Zeitpunkt ins Rollen gebracht" worden. Und so setzen die Grunaer gestern ein Signal an die „Außenwelt": Wir wollen bleiben! Ein Plakat mit entsprechendem Schriftzug ist gefertigt worden und soll an der Staatsstraße 11 zwischen Laußig und Eilenburg platziert werden - für jedermann sichtbar.

In der Radfahrerkirche, die gleich hinter dem Muldedamm liegt, riecht es indes noch immer modrig. In der Mitte hat sich der Boden gesenkt, weil darunter eine Gruft liegt. Das Wasser stand bei zirka einem Meter in dem Gotteshaus, hat die schweren Bänke zum Schwimmen gebracht. An den Epitaphen ist der Wasserstand noch immer deutlich zu sehen. Der Kirchenbaubeauftragte Frank Stiehler hat die Schäden dokumentiert. Wie hoch die allein für das kleine Gotteshaus sind, steht noch nicht abschließend fest. „Wir werden den Putz irgendwann abnehmen müssen", sagt er. Wichtig sei, dass jetzt Luft zirkuliere, damit die Kirche trocknet. Drei Kirchen sind in der Region vom Hochwasser betroffen: die in Gruna und die beiden in Ober- und Niederglaucha. „Unsere Kirche hat noch Zeit angesichts der Schäden, die jeder Grunaer hat", sagt Pfarrerin Edelgard Richter. Sie ist im Dorf unterwegs, redet den Menschen gut zu, spendet Trost. „Mit der Kirche - das kriegen wir schon hin. Sicher werden wir als Kirchgemeinde Eigenmittel brauchen, wenn wir Dinge finanzieren wollen. Wir werden sehen", sagt sie.

Auch der kleine Friedhof hinterm Deich ist überflutet worden. Die Grabsteine stehen, aber wie gut und sicher weiß niemand. An den Gräbern sieht man, was die Mulde angeschwemmt hat - Schlamm hat sich festgesetzt, ist eingetrocknet. Bei Biobauer Roland Reiche wird schon seit Tagen fleißig geputzt. Auf dem Bioland-Hof liegen Rüben und Kartoffeln. Weiter hinten gackern die Hühner wieder fröhlich vor sich hin - Reiche konnte sie vor dem nahenden Wasser retten. Doch seine Felder in der Muldeaue mit den Kartoffeln und dem anderen Gemüse, das er angebaut hat, sind überschwemmt worden. "2002 - da hatten wir die Ernte schon drin. Doch jetzt ist alles zunichte gemacht", erzählt er. Er hofft auf Hilfe über den Bauernverband. Erste Signale gebe es. Zuversicht auch bei ihm. Irgendwie wird es schon weitergehen. Dass es mit Gruna aufwärts geht, sieht man Tag für Tag.

Der Müll verschwindet, die Menschen haben Zeit, durchzuatmen. Und die Hilfe ist groß beim Aufräumen: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Freiwillige und die Familienbande funktionieren. Und die Grunaer sowieso: Sie haben sich noch längst nicht aufgegeben.

Fährhaus Gruna - zunächst Kiosk-Betrieb

Der Fußboden in dem einen Gastraum ist schon raus. Holz - das verträgt kein Wasser. 40 Zentimeter stand die Muldebrühe dieser Tage in der beliebten Ausflugsgaststätte Fährhaus Gruna. Im anderen Raum sind die Tische und Stühle übereinander gestapelt - der Boden ist gefliest. Zum Glück. Wirtin Antje Bieligk und ihr Lebenspartner Fährmann Helmut Reiche können allmählich wieder durchatmen. Sie haben in den vergangenen Tagen mit vielen Helfern rangeklotzt, verdrecktes Inventar beräumt. Die Ausflugsgaststätte an der Mulde ist beim jüngsten Jahrhunderthochwasser untergegangen. „Wann wir wieder loslegen können, weiß ich noch nicht", sagt Antje Bieligk - und das mitten in der Saison, wo Radfahrer und andere Ausflügler gerne mal einen Zwischenstopp bei ihr einlegen. In zwei Wochen soll zunächst der Kiosk am Fährhaus in Betrieb gehen. „Dann hoffentlich bald unsere Gaststätte", so die Wirtin. Der Entfeuchter rattert unaufhörlich, die Fenster und Türen sind geöffnet. Die Nässe muss raus und neuer Boden rein. In der Küche konnten Gerätschaften gerettet werden - der Schaden insgesamt ist dennoch enorm. Auch an der Fähre ist das Hochwasser nicht spurlos vorbei gegangen. Sie steht noch, „das ist das einzig Gute", sagt Fährmann Reiche. Doch das Seil für den Betrieb müsse neu gespannt und die Brücke auf Hohenprießnitzer Seite wieder an Ort und Stelle gebracht werden. Derzeit ist die Fähre außer Betrieb - und sie wird es wohl noch in den nächsten Wochen bleiben, bis alle Schäden repariert sind. Doch Antje Bieligk und Helmut Reiche sind optimistisch, wollen weitermachen. Das Fährhaus sichert letztlich ihre Existenz und ist ihr Leben. „Wenn der Ringdeich für Gruna kommt, wird alles besser", sagt Reiche. Die Entwurfsplanung soll - wie die Landestalsperrenverwaltung Mitte Mai mitteilte, im zweiten Halbjahr abgeschlossen sein. Die Genehmigung würde dann nochmal bis zu zwei Jahre dauern. Und dann folgt die Ausführungsplanung. Wann der Deich also kommt, steht derzeit in den Sternen.

Nico Fliegner

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