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Heide-Bahn steuert ab 14. April erstmals jedes Wochenende Bad Düben an

Zugverkehr Heide-Bahn steuert ab 14. April erstmals jedes Wochenende Bad Düben an

Die legendäre Heide-Bahn nimmt am 14. April wieder den Betrieb auf. Sie fährt dann erstmals jedes Wochenende durchgängig von Lutherstadt Wittenberg über Bad Schmiedeberg und Bad Düben bis Eilenburg. Dort besteht Anschluss an das S-Bahn-Netz. Auch nach Wittenberg, wo dieses Jahr 500 Jahre Reformation groß gefeiert wird, ist die Bahn unterwegs.

Ab dem 14. April fährt jedes Wochenende die Heide-Bahn von Lutherstadt Wittenberg über Bad Düben bis nach Eilenburg und zurück.

Quelle: Förderverein Berlin-Anhaltische-Eisenbahn

Bad Düben/Eilenburg. Vorsicht an der Bahnsteigkante, die Heide-Bahn rollt ein! Solche Ansagen über Lautsprecheranlagen gibt es zwar schon lange nicht mehr und doch könnte man sie ab dem 14. April an den verwaisten Bahn-Haltepunkten auf der Strecke Lutherstadt Wittenberg – Eilenburg wieder durchsagen. Denn erstmals durchgängig sechs Monate lang wird immer an den Wochenenden die Heide-Bahn durch die Dübener Heide fahren.

Vier rote Dieseltriebwagen der Baureihe VT 642 kommen dabei zum Einsatz, die der Förderverein Berlin-Anhaltische-Eisenbahn auch schon bisher bei den Sonderfahrten im Advent oder anlässlich des Festes „Luthers Hochzeit“ auf der beliebten Strecke durch die Heidelandschaft und über weite Felder einsetzte. Ein erweitertes Angebot des Fördervereins Berlin-Anhaltische-Eisenbahn und der Deutschen Bahn; im vorigen Jahr war der Zug lediglich in Sachsen-Anhalt von Wittenberg bis Bad Schmiedeberg regelmäßig unterwegs.

Michael Jungfer, Vorsitzender des Fördervereins, freut sich, dass es nunmehr endlich losgeht. „Die Fahrten 2016 fanden viel Beachtung und Interesse. Es gab den Wunsch, diese Verkehre bis Eilenburg auszudehnen“, erzählt der Kemberger zu den Hintergründen des neuen Angebotes. Weitere ausschlaggebende Gründe für den Einsatz seien die Reformationsfeiern 2017 in Wittenberg und die Aktivitäten der Stadt Bad Düben, die dem Verein nicht verborgen blieben.

Die Kurstadt ist bekanntlich seit Langem bemüht, dass die Zugstrecke, vor allem von Bad Düben in Richtung Eilenburg, wieder aktiviert wird, die Bahn am liebsten täglich rollt, um so der Kleinstadt einen Anschluss an das mitteldeutsche S-Bahn-Netz zu verschaffen. Bislang aber vergeblich: zu teuer, zu wenig Fahrgäste.

Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) ist deshalb umso mehr erfreut, dass jetzt wenigstens an jedem Wochenende die Deutsche Bahn die Kleinstadt ansteuert. „Der Wochenendverkehr im Lutherjahr ist ein touristisches Angebot zwischen Leipzig und Wittenberg, das hoffentlich von Einheimischen und Touristen gleichermaßen genutzt werden wird.“ Ob es gleichzeitig Wegbereiter für eine mögliche S-Bahn-Anbindung ist, hält die Stadtchefin dagegen für unrealistisch. „Dazu fehlt es auf der Strecke an Geschwindigkeit, um innerhalb einer angemessenen Zeit von Bad Düben nach Leipzig oder umgekehrt so schnell zu gelangen, dass die Verbindung eine ernsthafte Alternative zu Auto oder Bus ist.“ Doch der „grenzüberschreitende öffentliche Verkehr nach Sachsen-Anhalt ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung, denn für Wanderer und Gäste fehlt es seit Langem an einem entsprechenden Angebot. Kurz und gut: Die Richtung stimmt, nimmt Fahrt auf und ist erst ein Anfang“.

Ihr Eilenburger Amtskollege Ralf Scheler (parteilos) begrüßt ebenso das Angebot. „Ich freue mich über derartige Initiativen. Natürlich werde ich das selbst auch ausprobieren. Mittlere und ältere Generationen erinnern sich sicher noch gern an den regelmäßigen Bahnverkehr Eilenburg – Wittenberg“, sagt Scheler und ist überzeugt, dass auch junge Leute die Heide-Bahn nutzen werden. „Wünschenswert ist eine gute Auslastung.“

Wie wichtig es ist, die Dübener Heide an das Bahnnetz anzuschließen, weiß Naturparkleiter Thomas Klepel. Vor allem an den Wochenenden ist die Heide-Region, die in zwei Bundesländern und drei Landkreisen liegt, nur schwer für Leute außerhalb mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. „Das ist eine absolute Chance, die traditionelle Verbindung zwischen Eilenburg und Wittenberg mit den Kurstädten Bad Schmiedeberg und Bad Düben wieder neu zu beleben. Dieses Angebot wird frische Impulse für Wochenendausflügler aus Leipzig, Wittenberg und auch für die Heidebewohner bringen“, so Klepel. Denn nach wie vor gelte für die Region: „Wochenende ist Heidezeit“.

Die Fahrt mit der Heidebahn kostet beispielsweise von Bad Düben nach Wittenberg 7,60 Euro, nach Eilenburg 3,60 Euro. Wenn Eilenburger nach Wittenberg fahren wollen, müssen sie 10,80 Euro bezahlen. Für Kinder im Alter von sechs bis einschließlich 14 Jahren gibt es 50 Prozent Ermäßigung. Die Fahrkarten gibt es im Zug. Fahrräder können kostenlos mitgenommen werden. Der Fahrplan ist laut Jungfer so gestaltet, dass in Eilenburg Anschluss nach Leipzig besteht und umgekehrt Leipziger S-Bahn-Fahrer problemlos in die Heide-Bahn umsteigen können. „Lange Wartezeiten gibt es nicht“, erklärt der Vereinschef weiter der mit seinen Leuten zuletzt die Strecke einem Test unterzogen hat. Wesentliche Mängel hätten sich dabei nicht aufgetan. Aber der unbeschrankte Bahnübergang in Bad Düben sei „sehr unübersichtlich“. Der jeweilige Zug müsse davor anhalten, gebe ein Achtungssignal und fährt dann weiter. Die Autofahrer werden deshalb gebeten, ab 14. April umsichtig zu fahren, die Radiolautstärke so zu regeln, dass das Achtungssignal hörbar ist. Zudem haben Schienfahrzeuge Vorrang. Streckenposten kämen nicht zum Einsatz. „Hilfreich wäre“, betont Jungfer, „wenn die Vegetation links und rechts des Bahnübergangs beseitigt wird.“

In Bad Düben soll das neue Angebot mit einer Premierenfahrt gefeiert werden. Plänen zufolge wollen Bürgermeisterin Münster und weitere Vertreter um 8.52 Uhr mit der Heide-Bahn nach Wittenberg fahren. Unterwegs will auch Bad Schmiedebergs Bürgermeister Martin Röthel (SPD) zusteigen. Zuletzt wurde auch der Bad Dübener Bahnhof, der in Privathand ist, aufgehübscht. Unter anderem sind die zerschlagenen Fenster am Gebäude mit Hinweistafeln kaschiert worden, damit das Gebäude einladender aussieht.

Von Nico Fliegner

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