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Bad Düben Hoffen und Bangen, dass nicht die große Katastrophe kommt
Region Bad Düben Hoffen und Bangen, dass nicht die große Katastrophe kommt
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04:28 04.06.2013
Nordsachsen

Mit Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (beide CDU) und Polizeipräsident Bernd Merbitz klärt Czupalla über die aktuelle Situation auf. Die Botschaft lautet Hoffnung. Am Nachmittag besuchen Sachsens Ministerpräsiden Stanislaw Tillich (CDU) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Eilenburg.

"Es gibt keine Entwarnung, wir sind auf alles vorbereitet. Momentan haben wir aber auch die Hoffnung, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen", so der Landrat am Vormittag. Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Sanitäter, Bundeswehr, Bundespolizei und Polizei befinden sich im Dauereinsatz. Im Katastrophenstab des Landratsamtes arbeiten bis zu 60 Leute. In Püchau wird der erste Deichbruch im Altkreis Delitzsch gemeldet. Die Pflegeheime in Eilenburg sind evakuiert, ebenso zahlreiche Tierbestände. Die Muldebrücke in Bad Düben ist gesperrt, ebenso die B 107 in Glaucha und die Kreisstraße im Bereich Gruna.

"Die Maßnahmen hier laufen sehr strukturiert und diszipliniert", lobte Minister Kupfer. Polizeipräsident Merbitz bittet die Bevölkerung darum, dass die Anweisungen der Rettungskräfte, auch auf Evakuierung, befolgt werden.

Das Landeshochwasserzentrum sagt Abflussmengen in Höhe von 2500 bis 2600 Kubikmeter pro Sekunde voraus, die am Mulde-Pegel Golzern, der für den Altkreis Delitzsch von Bedeutung ist, erwartet werden. Dies entspricht 850 bis 870 Zentimeter Wasserstand. Der Scheitel am Pegel Golzern wurde für den gestrigen späten Nachmittag vorausgesagt. Weitere zirka acht Stunden danach sei er in Eilenburg zu erwarten. Das könnte in den ersten Stunden des heutigen Dienstag sein. Bis Bad Düben erreicht ist, vergehen etwa weitere sieben Stunden.

Zum Vergleich: Während der Augustflut im Jahr 2002 waren es 2600 Kubikmeter pro Sekunde und stand das Wasser 8,68 Meter hoch. Für Eilenburg lässt sich daraus ableiten, dass die Situation ähnlich wie vor elf Jahren ist. Jedoch ist seitdem viel Geld in den Hochwasserschutz und die Anlagen geflossen. Und davon überzeugten sich am Nachmittag Stanislaw Tillich und Hans-Peter Friedrich, die das Lagezentrum im Eilenburger Krankenhaus überraschend besuchten.

Von Eilenburgs Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) erfuhren die Gäste, dass die Schutzmaßnahmen in seiner Stadt effektiv helfen und der Hochwasserschutz wirksam ist, auch wenn Überspülungen nicht auszuschließen sind. "Wir haben berechtigte Hoffnungen, dass unsere Schutzanlagen den Wassermassen standhalten. Eine Garantie dafür gibt es nicht, Prognosen wären rein spekulativ", so Eilenburgs OBM. Tillich sprach von einem Ereignis, das die Pegel von 2002 überschreitet. "Der Hochwasserschutz orientiert sich immer an dem, was möglich ist. Wir haben gehofft, dass es alle einhundert Jahre eintrifft und nicht alle zehn Jahre. Jetzt können wir alle nur miteinander bangen und hoffen, dass die Anlagen halten", so der Ministerpräsident. Die Natur nimmt auf Statistiken keine Rücksicht. Zu allem Hoffen und Bangen kommt aber auch die Angst, dass die aufgeweichten Deiche nicht halten könnten und Schutzmauern überspült werden. Am Nachmittag wird ein weiterer Deichbruch im Bereich Zschepplin gemeldet, auch in Glaucha, bei Profiroll in Bad Düben, in Hainichen und in Löbnitz spitzt sich die Situation zu, obwohl der Pegel nicht weiter steigt und der Regen aufgehört hat. Aus anderen Teilen Deutschlands gibt es Entwarnung.

Am Montagabend gab es weitere Unterstützung von der Bundeswehr. Nach Absprache mit den Bürgermeistern und auf deren Anforderung kamen Soldaten gestern in Löbnitz, bei Profiroll in Düben und in Eilenburg zum Einsatz. "Die Bereiche Jesewitz, Glaucha und Gruna haben sich inzwischen als Schwerpunkte herauskristallisiert. Es wird überall unwahrscheinlich engagiert gearbeitet. Die Hoffnung besteht nach wie vor, dass Eilenburg trocken bleibt", fasste Landrat Czupalla gegen 19 Uhr zusammen. Eine weitere Verschärfung gab es an der Elbe.

Frank Pfütze

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