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Bad Düben Hüter des Presseler Moorgebietes: "Wir haben noch gut zu tun"
Region Bad Düben Hüter des Presseler Moorgebietes: "Wir haben noch gut zu tun"
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22:30 28.10.2013
Roland Krönert Quelle: Nico Fliegner

Es wird seither in weiten Teilen renaturiert. Über 8,9 Millionen Euro sind bereits für Flächenkauf und entsprechende Maßnahmen ausgegeben worden, der Großteil der Gelder sind Fördermittel von Bund und Land. Dabei steht die Stabilisierung und Verbesserung des Grundwasserhaushaltes zum Erhalt der Feuchtgebiete im Vordergrund. Wo das Projekt heute steht und welche Aufgaben noch zu meistern sind, erklärt Gebietsmanager Roland Krönert im LVZ-Interview.

Frage: Was haben Sie in diesem Jahr schwerpunktmäßig im Presseler Heidewald- und Moorgebiet realisiert?

Roland Krönert: Wir haben auf unseren verbandseigenen Flächen einen Teil der Wöllnauer Senke renaturiert. Wir reden hier von einer etwa 15 Hektar großen Moorfläche im Kerngebiet. Die Maßnahme ist abgeschlossen und kostete insgesamt mit den aufwendigen hydrologischen Untersuchungen 120 000 Euro.

Was ist da konkret passiert?

Die zu DDR-Zeiten angelegten Meliorationsanlagen zur Entwässerung sind außer Funktion gesetzt worden, sodass es dort wieder bessere hydrologische Bedingungen für das Moorwachstum gibt.

Was letztlich auch ein Beitrag für den Klimaschutz ist, oder?

Wenn Sie so wollen, ja. Moore haben eine wichtige Funktion für den Klimaschutz, sie sind Kohlenstoffspeicher, weil sie CO2-Emissionen stark reduzieren. Moore binden das CO2.

Seit Langem werden Flächen im Gebiet renaturiert. Wann sind Sie damit eigentlich fertig?

Das geht im nächsten Jahr weiter. Wir haben uns vorgenommen, den nördlichen Bereich der Wöllnauer Senke zu renaturieren, das sind etwa 20 Hektar Fläche, ein Komplex aus Feucht- und Nasswiesen, Quellmooren und Feuchtgebüschen. Dort sollen kleine Gewässer angelegt und Meliorationsgräben teilweise verfüllt werden. Vorhandene Drainagen werden außer Funktion gesetzt.

Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Wir wollen die Feucht- und Nasswiesen weiter optimieren und die Entwicklung der Quellmoore dadurch begünstigen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die wissenschaftliche Arbeit, die begleitend stattfindet. Dabei wird unter anderem die Moorentwicklung jährlich untersucht, ebenso der Einfluss von Wetter und Klima.

Wie lange wird die Arbeit im Presseler Heidewald- und Moorgebiet insgesamt andauern?

Ich gehe davon aus, dass wir noch in den nächsten fünf, sechs Jahren gut zu tun haben. Es gibt noch etliche offene Maßnahmen.

Es wird immer von der Perle des Naturparks Dübener Heide gesprochen, wenn es um das 4500 Hektar große Kerngebiet geht. Welche Bedeutung hat es für die Natur und Umwelt?

Wir sind eines von über 30 Naturschutzgroßprojekten des Bundes, das den Titel 'Chance Natur' auf sehr großen Flächen tragen darf. Teile des Presseler Heidewald- und Moorgebietes sind zudem Flora-Fauna-Habitat- und internationales Vogelschutzgebiet. Eine Leitart ist der Kranich, aber letztlich gibt es eine Artenvielfalt. Zum Beispiel kommt der Grünspecht in optimalen Beständen vor. Zudem sind wir im Netzwerk 'Nationales Naturerbe' vertreten, arbeiten mit anderen Regionen in Deutschland intensiv zusammen.

Apropos Artenvielfalt: Konnten sich zuletzt weitere Pflanzen oder Tiere ansiedeln?

Ja, der Wachtelkönig zum Beispiel. Ihn gibt es erst wieder seit fünf Jahren bei uns. Er lebt vorwiegend im Bereich der Mühlbachaue und der Wöllnauer Senke. Es gibt etwa fünf bis sechs Brutpaare. Sein Vorkommen ist sehr bedeutungsvoll für die Region, weil es in Sachsen nur wenige Gebiete gibt, wo er noch lebt und leben kann. In diesem Zusammenhang will ich gern erwähnen, dass wir über den Wachtelkönig eine Broschüre erarbeitet haben. Die ist bei uns in der Geschäftsstelle in Weidenhain und im Naturparkhaus in Bad Düben kostenfrei erhältlich und informiert ausführlich über diesen besonderen Vogel.

Wie kam es, dass der Wachtelkönig wieder heimisch geworden ist?

Zu verdanken haben wir das auch der optimalen Wiesenpflege durch den Landwirtschaftsbetrieb Reiter in Pressel. Also eine späte Schnittnutzung, erst im Juli. Dadurch hat der Wachtelkönig optimale Lebens- und Brutbedingungen, weil er sich vorwiegend im hohen Gras aufhält. Es ist eine sehr scheue Vogelart.

Wie wird es mit dem Zweckverband und dem Großschutzgebiet in Zukunft weiter gehen?

Von den etwa 300 Hektar eigenen Flächen sollen zirka 90 Hektar weiter renaturiert werden, etwa bis 2018. Wir erfahren dabei Unterstützung vom sächsischen Umweltministerium. Ohne Fördermittel könnten wir vieles nicht machen. Es gibt auch schon ein Folgekonzept. Auch wenn alle Arbeiten eines Tages beendet sind, muss das Entstandene immer wieder optimiert werden. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Und, wie bereits erwähnt, wird es auch künftig wissenschaftliche Untersuchungen geben.

Interview: Nico Fliegner

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Nico Fliegner

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