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"Ich würde mich Bad Düben noch einmal zumuten wollen"

"Ich würde mich Bad Düben noch einmal zumuten wollen"

Mit einem Stadtgespräch haben die Freien Wähler in Bad Düben jetzt offiziell den Wahlkampf eröffnet - und damit als erste kommunalpolitische Vereinigung in der Kurstadt.

Bad Düben. Denn nächstes Jahr im März stehen die Bürgermeisterwahl und im Mai die Stadtratswahl an - und da gilt es langsam, das Wahlvolk auf Themen einzustimmen und für sich zu gewinnen. Eines verkündete Bürgermeisterin Astrid Münster, die den Freien Wählern angehört, unmissverständlich: Sie will ein zweites Mal kandidieren.

Ob das Stadtgespräch zu früh angesetzt war, darüber lässt sich trefflich streiten. Großes Interesse in der Bevölkerung hat es jedenfalls nicht geweckt; gerademal fünf Besucher waren am Dienstagabend der Einladung ins Hotel National gefolgt. Aber sei es drum: Die Freien Wähler gibt es noch - das wurde an diesem Abend mehr als deutlich. Und sie haben sich intensiv mit Themen und Problemen beschäftigt, die sie in den nächsten Jahren umsetzen und lösen wollen, "denn wir machen Politik für die Stadt, deshalb ist es uns wichtig, mit den Bürgern zu sprechen", sagte Andrea Hohmann eingangs.

Der Abend "zur Weiterentwicklung Bad Dübens" begann recht seicht - Bürgermeisterin Astrid Münster lobte "das schöne Stadtbild" im Zentrum, sprach von einer Aufwertung des Umfeldes an der Mittelschule und im Bereich des Wohngebietes Am Schalm, wo es in absehbarer Zeit Veränderungen geben wird.

Zwei wichtige Themenfelder haben sich die Freien Wähler indes auf ihre Fahne geschrieben: die Bereiche Bildung und Kita-Betreuung sowie den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Ihre "persönlich größte Niederlage", so erzählte Münster, sei es gewesen, dass das Konzept Gemeinschaftsschule mit gymnasialem Zweig nicht zur Umsetzung kam. Die Schulpolitik im Freistaat habe sich seinerzeit geändert, plötzlich wollte niemand mehr etwas davon wissen. Geklappt hat es dann unter dem großen, über alle Stadtratsfraktionen hinweg beschlossenen Bildungskoalitionsvertrag ebenso wenig, ein neues Gymnasium aus der Taufe zu heben. Fünf Millionen Euro Anschubfinanzierung für die ersten drei Jahre wären notwendig gewesen - "wir bräuchten die Gönner aus der Wirtschaft", so die Stadtchefin.

Doch nun werde investiert - in die Hülle "Bildungscampus", gemeint ist das Mittelschulumfeld und weitere Projekte. 600 000 Euro Städtebaumittel stehen zur Verfügung, die Pläne werden in Kürze vorgestellt.

Vorstellbar sei perspektivisch auch, dass Heide-Grundschule und Hort näher zusammenrücken - ein Wunsch vieler Eltern, wie Andrea Hohmann sagte. Die würden sich ohnehin, um in Bad Düben sesshaft zu werden, vornehmlich für gute Bildungsangebote interessieren, wusste Stadtrat Uwe Kulawinski zu berichten - und nicht nur das: Die Verkehrsanbindung sei laut Bürgermeisterin verbesserungswürdig, letztlich der gesamte ÖPNV. "Es kann nicht sein, dass der City-Tunnel in Leipzig bis Torgau Wirkung zeigt und im 25 Kilometer entfernten Bad Düben kommt nichts an", so Münster. "Eine Anbindung ist enorm wichtig", auch mit Blick auf Berufspendler und alte Menschen, die zu Spezialärzten nach Leipzig müssten. Täglich würden 1100 Dübener zur Arbeit aus- und 700 Auswärtige einpendeln. Münster will jetzt dazu mit dem zuständigen Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig sprechen, denn immerhin verfügt Bad Düben über einen Bahnanschluss, auch wenn der stillgelegt ist. Dessen Reaktivierung wolle sie angehen. Ob es klappt, ist offen.

Die Feuerwehren wollen die Freien Wähler auch künftig unterstützen. Die zwei Dorfwehren in Schnaditz und Tiefensee, so habe das Juni-Hochwasser gezeigt, hätten ihre "volle Berechtigung". Münster: "Wir brauchen unsere drei Wehren dringend. Die drei Standorte haben einen Sinn für die Sicherheit der Menschen." Auf Schnaditz soll künftig der Fokus einer Wasserwehr liegen.

Was die Verteidigung des Kurstadtstatus im nächsten Jahr angeht, sieht die Stadtchefin keine Probleme. Einzig eine neue Klimamess-Station werde die Stadt bauen müssen - nach jetzigem Stand wohl das einzige Kriterium, das bislang nicht erfüllt wird, um den Status erneut zu bekommen. Aber daran soll es nicht scheitern.

Zudem gilt es, Handel und Gewerbe weiter zu stärken. Sie wünschte sich junge, kreative Leute, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und einen Laden eröffnen. Handlungsbedarf sehe sie im Bereich der Mieten für Lokale, hofft, dass die Inhaber "adäquate Angebote" machen.

Was den Verkehr angeht, so halten die Freien Wähler an den Forderungen nach Ortsumgehungen für Bad Düben und Wellaune fest, lehnen aber eine Bundesfernstraße 6 aus Sachsen-Anhalt kommend ab.

Alles in allem will die Wählervereinigung künftig darauf hinarbeiten, Bad Düben weiter zu einer lebenswerten Stadt zu formen, um sie vor allem für junge Familien interessant zu machen - und das mit Astrid Münster an der Spitze. "Ich würde mich Bad Düben noch einmal zumuten wollen", sagte sie mit einem Augenzwinkern, aber letztlich doch ernsthaft gemeint. Ihre klare Ansage entgegen aller Unken-Rufe: "Ich trete wieder an, selbst wenn Frau Merkel auf die Idee käme, in Bad Düben Bürgermeisterin werden zu wollen." Doch das wird Astrid Münster nicht befürchten müssen. Merkel wird in Berlin bleiben und die Frage, wer der Stadtchefin Paroli bieten wird, ist offen. Denn geeignete Bewerber, die neben ihr nach Dübens höchstem Amt streben, sind bis jetzt nicht in Erscheinung getreten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2013
Nico Fliegner

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