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Bad Düben In Authausens Steinerkeide arbeiten und feiern Flüchtlinge gemeinsam mit den Laußigern
Region Bad Düben In Authausens Steinerkeide arbeiten und feiern Flüchtlinge gemeinsam mit den Laußigern
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00:19 02.06.2017
Beim Saubermachen der Treppe zur Steinerkeide. Vorn kehrt Bürgermeister Lothar Schneider, darüber arbeiten Giorgi Aioiani und Bashir Karimi. Quelle: Ilka Fischer
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Authausen

Der Authausener Ralf Uber fasst das erste gemeinsame Arbeiten, Singen und Feiern der Einheimischen und der in Laußig lebenden Flüchtlinge so zusammen: „Das können wir gern noch mal machen.“ Am Sonnabend wurde in der Steinerkeide Authausen das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Reinhard Pertzsch mähte mit seiner Technik den Rasen. Anschließend wurde geharkt, mit der Motorsense ringsum „Bahne gemacht“, zudem auch auf der Bühne, an den Zugängen und unter den Unterständen Ordnung geschafft. Dabei packten auch die Asylbewerber kräftig mit an. Unter ihnen der 31-jährige Bashir Karimi. „Ich habe in Afghanistan im Straßenbau gearbeitet“, erzählt er im gut verständlichen Deutsch. Seit zwei Monaten ist er bei Pflaster- und Straßenbau Uber fest angestellt. „Ein fleißiger Mann“, lobt sein ebenfalls anwesender Kollege Patrick Wittig.

Traum vom Lkw-Fahren und Anerkennung der Berufe

22 Asylbewerber aus Afghanistan, aber auch aus Pakistan, Georgien, Tschetschenien und Irak leben derzeit in Laußig. Ihr auf einer Hüpfburg tobende Nachwuchs ließ den Frauen genügend Zeit, sich nebenher um die nachmittägliche Versorgung zu kümmern. Später war die Luft aber auch mit dem Duft von Gegrilltem und Musik angefüllt. Jens-Uwe Weiß, Dirigent des Authausener Männerchores: „Wir wollten einfach auch mal unsere Kultur zeigen.“ Bei Liedern wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder dem Heidelied „Im grünen Wald“ lauschten die Asylbewerber vor allem aufmerksam. Im Gespräch in geselliger Runde, bei der dann auch die Frauen der Sänger dazukamen, waren sie schon mutiger. So erzählte der 33-jährige Giorgi Aioani, ein in Georgien geborener Jesid, der mit seiner 31-jährigen Frau Tsiuri Akhalkatsi und drei Kindern sei drei Jahren auf den Abschluss des Asylverfahrens wartet, von seinem Traum, auch in Deutschland Lkw zu fahren. „Ich liebe das Lkw-Fahren“, meint er. Doch 8000 Euro für den deutschen Lkw-Führerschein kann er nicht aufbringen. So ist er froh, dass er jetzt erst einmal beim Betonwerk Moll arbeiten kann. Seine Frau, eine studierte Informatikerin, die derzeit im Heide Spa als Zimmermädchen tätig ist, hofft ebenso auf einen schnellen Abschluss des Asylverfahrens. „Denn erst mit der Anerkennung wird mein Abschluss geprüft.“

Den Krieg, aber auch die eigene Glaserei zurück gelassen

Ein klein bisschen weiter ist die 36-jährige Miriam Khusieva aus Tschetschenien, die mit ihren Kindern seit einem Jahr und acht Monaten in Laußig lebt. „Ich habe zwei Berufe, bin Lehrerin für Biologie und Krankenschwester“, erzählt sie. Sie hat nun in Eilenburg zumindest schon einen Termin für die Berufsanerkennung. Ali Omar, ein aus dem Irak vertriebener Jesid, kam vor reichlich einem Jahr nach Laußig. Seit wenigen Tagen hat er zumindest die Gewissheit, drei Jahre bleiben zu dürfen. Er zieht nun mit seiner Frau und vier Söhnen nach Eilenburg, wo schon eine Tochter von ihm lebt. Eine weitere lebt in Hannover, zwei noch im Irak. Dass sie nun auch nach Deutschland dürfen, hofft der Jesid, der mit dem Irak den Krieg, aber auch seine eigene in Trümmern liegende Glaserei hinter sich ließ.

Von Ilka Fischer

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