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Bad Düben In Bad Düben kann man noch mit der D-Mark bezahlen
Region Bad Düben In Bad Düben kann man noch mit der D-Mark bezahlen
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16:46 11.03.2018
Adina Meier mit alten D-Mark-Scheinen. Damit können Kunden in ihrer Bad Dübener Gärtnerei nach wie vor bezahlen. Quelle: Steffen Brost
Bad Düben

Wer in der Gärtnerei bei Adina und Jochen Meier in Bad Düben einkauft, kann noch mit der guten alten D-Mark bezahlen – und zwar zum Kurs von 1,95583. Und das 16 Jahre nach der Einführung des Euro. „Das hat sich mittlerweile überall herumgesprochen, dass wir noch D-Mark annehmen. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. Auch in unseren Filialen in Gräfenhainichen und Leipzig bezahlen immer wieder Leute mit der D-Mark“, erzählt Adina Meier.

Imme wieder finden die Leute altes Geld

Die Deutschen horten immer noch alte Münzen und Scheine im Wert von mehreren Milliarden Euro. Versteckt in Büchern, in Strümpfen, in der Matratze oder schlicht und einfach vergessen in irgendwelchen Briefumschlägen oder Geschenkkarten. Laut Banken sollen noch 167 Millionen Scheine und 23,5 Milliarden Münzen aus der Zeit vor 2002 im Umlauf sein. Das nach wie vor nicht zurückgegebene Bargeld hat demnach einen Gesamtwert von 12,73 Milliarden DM oder umgerechnet 6,51 Milliarden Euro. Rein rechnerisch verfügt also jeder der gut 40 Millionen Privathaushalte in Deutschland noch über alte Scheine und Münzen im Wert von 310 D-Mark.

„Manche Kunden erzählen uns, woher sie die alten Scheine haben. Da werden oft die Großeltern genannt, wo nach deren Tod die Wohnung ausgeräumt wird und dabei im Sofa oder in Büchern das Geld gefunden worden war“, sagt Adina Meier. Seit 2002 sind so viele Tausende D-Mark zusätzlich zum Euro über den Ladentisch der Meiers gegangen.

Idee in der Not geboren

Doch wie kam es dazu, dass hier noch mit D-Mark bezahlt werden kann? Im Sommer 2002 haben Adina und Jochen die Gärtnerei von den Eltern übernommen und sofort in eine neue 2000 Quadratmeter große Produktion investiert. Im gleichen Jahr kam das Hochwasser in die Stadt. „Die Muldebrücke war wochenlang gesperrt und viele Straßen aufgrund der Wasserschäden zu. Unser Umsatz brach plötzlich um die Hälfte ein und wir konnten unsere Rechnungen nicht mehr bezahlen. Zwei Wochen lang suchten wir händeringend nach einer Lösung. Da fiel uns die D-Mark ein, die gerade durch den Euro ersetzt wurde“, erinnert sich die Gärtnerin. Die findigen Geschäftsleute machten den Gedanken publik und waren mit ihrer außergewöhnlichen Methode erfolgreich. Es ging langsam wieder aufwärts. Denn für abgegebene D-Mark gaben die Meiers damals Gutscheine aus und das Geld wurde auf der Bank dann umgetauscht. „Die Kunden freuten sich. Und wir meisterten so unsere Krise. Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn wir nicht diese Idee gehabt hätten.“

Monatlich kommt einiges zusammen

Bis zu 12 000 D-Mark im Monat landeten so in den ersten Monaten in den Kassen der Gärtnerei. Das Geld wurde gesammelt und zweimal pro Monat zur damaligen Landeszentralbank nach Leipzig gebracht und umgetauscht.

Mittlerweile haben sich die Summen verringert. Dennoch kommen Monat für Monat regelmäßig um die 500 D-Mark zusammen. „Viele alte Menschen lösen ihre Münzsammlungen auf, weil sie das Geld im Alter brauchen. Und so landen hin und wieder auch mal kleine Raritäten bei uns. Wie ein alter Fünf-Mark-Schein aus dem Jahr 1948“, erzählt die Geschäftsfrau.

Ein Ende der D-Mark sieht Adina Meier in ihrem Geschäft noch lange nicht. Auch in Zukunft soll es hier weiter möglich sein, mit der guten alten D-Mark zu bezahlen.

Von Steffen Brost

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