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In Bad Düben leben 160 Flüchtlinge – erste Engpässe im Krippenbereich

Asylpolitik In Bad Düben leben 160 Flüchtlinge – erste Engpässe im Krippenbereich

Der Zustrom in den letzten beiden Wochen war noch einmal enorm. Über 70 Flüchtlinge, vorrangig Familien mit mehreren Kindern, haben in Bad Düben eine Unterkunft gefunden. Zum Jahresende sind es dann 160 Asylbewerber, die in der Kurstadt leben. Das stellt die Stadt vor große Herausforderungen, vor allem, was die künftige Betreuung der Kinder betrifft.

In Bad Düben leben derzeit 160 Asylbewerber.

Quelle: Erhard Striegnitz

Bad Düben. Die Zahl der Flüchtlinge, die Bad Düben in diesem Jahr aufnimmt, hat sich auf 160 eingepegelt. Per 31. Dezember hat die Kurstadt den vorgegebenen Wert von 1,5 Prozent Ausländeranteil erreicht, informierte Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) am Donnerstag den Stadtrat. Darunter auch die, deren Asylantrag bereits genehmigt ist. Abzusehen sei aber schon jetzt, dass dieser Anteil spätestens 2017 drei Prozent betragen wird. Vor allem mit Hilfe der Wohnungsbaugesellschaft sei es gelungen, für die aus Pakistan, Afghanistan, dem Libanon, Iran, Irak und Syrien stammenden Neulinge, fast ausschließlich Familien mit mehreren Kindern, leer stehenden Wohnraum herzurichten und bereitzustellen. Zudem habe ein privater Vermieter an der Hüfnermark mehrere Wohnungen angeboten.

Münster bestätigte ihre vor 14 Tagen gemachte Aussage, dass aufgrund dieser Zahlen die geplante Gemeinschaftsunterkunft in der Durchwehnaer Straße vorerst vom Tisch sei. Aufgrund der Tatsache, dass es Gemeinden in Nordsachsen gäbe, die bisher keine Flüchtlinge aufgenommen haben, sehe sie keine Notwendigkeit, einen Pachtvertrag mit dem Landkreis über die Nutzung des Areals abzuschließen. In der jüngsten Bürgermeisterrunde habe man sich auf eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge verständigt. „Wenn sich der Landkreis gezwungen sieht, für Notunterkünfte kreiseigene Objekte wie Turnhallen zu nutzen, gehe ich davon aus, dass zunächst mit den Gemeinden gesprochen wird, die bisher keine Unterkünfte zur Verfügung gestellt haben“, fordert Münster mehr Solidarität zwischen den Kommunen ein.

Grund dafür ist auch der immens gestiegene Betreuungsaufwand, den die Kommune zu leisten hätte. „Um eine Gemeinschaftsunterkunft kann man einen Zaun ziehen und Sicherheitspersonal einsetzen. Das können wir nicht, sondern müssen uns darum kümmern, dass das Zusammenleben klappt, müssen die Menschen auf Regeln hinweisen.“

Eine weitere Aufgabe: Nach den Ankünften der letzten zwei Wochen sind für weitere für 23 Kinder im Grundschul-, 17 im Oberschul- und 17 Mädchen und Jungen im Krippen- und Kindergarten-Alter Lösungen zu finden. Im Krippen-Bereich komme es bereits zu Engpässen. Andere Kommunen würden Flüchtlings-Kinder bei der Aufnahme bevorzugen, sie setze auf Gleichbehandlung, so Münster: „Wer sich angemeldet hat, bekommt zum Termin seinen Platz.“ Es bleibe zudem dabei, dass Bewerber mit Ausbildungs- oder Arbeitsplatz den Vorrang vor Eltern haben, die zu Hause sind, sagte sie auf Anfrage von Stadtrat Mike Kühne (CDU). „Ich bitte darum, uns rechtzeitig mitzuteilen, wenn Bedarf an einem Krippenplatz besteht“, sagte Münster. Die Stadt stehe bereits mit dem Landesjugendamt im Kontakt, um auszuloten, was an Kapazitätserhöhungen möglich ist.

Auch im Schulbereich steht die Stadt vor großen Herausforderungen. Erschwerend wirkt sich die Tatsache aus, dass Lehrer fehlen. „In der Heide-Grundschule gehen drei Lehrer in den Ruhestand, die Bildungsagentur kann keine neuen schicken. Zwei Kollegen im Ruhestand wurden bereits reaktiviert. Eine dauerhafte Lösung wird es erst nach den Februar-Ferien geben.“ Erst dann könne es darum gehen, Lehrer freizulenken, um den sogenannten DaZ-Unterricht (Deutsch als Zweitsprache) anzubieten, sowohl in der Grund-, als auch Oberschule. Für letztere eine neue Situation. „Schulleiter Matthias Schuster und seine Kollegen sind aber gut vorbereitet.“ In Eilenburg seien die Klassen voll, Aufnahmemöglichkeiten bestünden frühestens in sechs Wochen wieder. Oberschüler können in der Tschanter-Oberschule aufgenommen werden.

Letztlich sei die Stadt aber froh, dass so viele Kinder, vor allem im jüngeren Alter, kommen. „Sie lernen schnell. Deshalb drängen wir darauf, dass sie in unsere Kindereinrichtungen gehen“, so Münster. Das erleichtere die Integration, auch der Erwachsenen.

 

Von Kathrin Kabelitz

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