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Bad Düben „In unseren sechs Breitband-Ausbaugebieten will ich 2019 die sprichwörtlichen Bagger anrollen sehen“
Region Bad Düben „In unseren sechs Breitband-Ausbaugebieten will ich 2019 die sprichwörtlichen Bagger anrollen sehen“
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10:17 30.12.2018
Nordsachsens Landrat Kai Emanuel. Quelle: André Kempner
Nordsachsen

Kai Emanuel (parteilos) ist seit August 2015 Landrat des Landkreises Nordsachsen. Im Interview mit dieser Zeitung spricht der 50-Jährige über die vergangenen zwölf Monate, wo unter anderem kräftig in die Schulen investiert wurde – und über die Herausforderungen im neuen Jahr. Und da will Emanuel möglichst überall in den sechs Breitband-Ausbaugebieten die Bagger anrollen sehen, im GlasCampus sollen Weiterbildungen beginnen, und die Verzahnung von Bus- und Bahnverkehr werde weiter verbessert.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahr 2018?

Zunächst war das Jahr 2018 für mich persönlich als Landrat ein sehr ereignisreiches Jahr mit zahlreichen Höhepunkten und teilweise nicht vorhersehbaren Entwicklungen, wenn ich nur an den dramatischen Januar-Sturm Friederike oder die verheerende Dürre mit den daraus folgenden Bränden denke. Für Zufriedenheit oder gar Selbstzufriedenheit gibt es keinen Grund. Wohl aber zur Dankbarkeit gegenüber zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Hauses, die sich mit ganzer Leidenschaft für unseren Landkreis und die Menschen, die hier leben, eingesetzt haben.

Wo lagen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit, was nehmen Sie ins neue Jahr mit?

Einen großen Schritt sind wir im Bereich des Breitband-Ausbaus vorangekommen. Bis Ende 2020 werden alle Einwohner Nordsachsens in der Lage sein, mit einer download-Geschwindigkeit von mindestens 30 mbit/s im Internet unterwegs zu sein. Dafür sind in den bislang unterversorgten Gebieten fast 850 Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen – um nur eine Zahl zu nennen. Wie das Thema Breitband werden uns auch die aktuellen Infrastrukturthemen wie der Ausbau eines leistungsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs und von zukunftsorientierten Straßenverbindungen wie der „Milau-Magistrale“, die möglichst zeitnah das Mitteldeutsche und das Lausitzer Revier verbinden soll, beschäftigen. Das gerade in Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg angeschobene Projekt GlasCampus Torgau liegt mir ebenso am Herzen wie das Zukunftsthema des autonomen Fahrens.

Am 26. Mai werden in Sachsen die Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte, Ortschaftsräte sowie das Europäische Parlament gewählt. Am 1. September folgt die Wahl des Sächsischen Landtages. Was heißt das für Sie als parteilosen Landrat?

Wir haben in der Tat ein Jahr mit zahlreichen richtungsweisenden Wahlentscheidungen vor uns. Ich bin gespannt, welchen Weg die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises für die Zukunft bevorzugen und rufe schon jetzt dazu auf, dass möglichst viele Menschen ihr Wahlrecht und damit ihre Macht zur Gestaltung der eigenen Zukunft auch ausüben.

Wie viel Respekt haben Sie vor der AfD? Was trauen Sie dieser Partei in Nordsachsen zu?

Die AfD ist nach den Wahlen in diesem Jahr nunmehr in allen deutschen Landesparlamenten vertreten und mit 92 Abgeordneten im Deutschen Bundestag präsent. Wahlprognosen aufzustellen, sollten wir den Wahlforschern überlassen. Wenn Sie mit Respekt meinen, dass Personen sich mit einer förmlichen Achtung begegnen und miteinander kommunizierten, dann habe ich Respekt.

Wie gefährlich sind die Alternativen für Deutschland und Nordsachsen?

Gefahren sind schädigende Ereignisse, auf die man keinen Einfluss hat. Gefährlich sind in erster Linie Naturkatastrophen, die uns mit Hochwassern, Bränden und Stürmen betroffen haben. Wir haben uns als Landkreisverwaltung mit den gewählten Parteien und den Vorstellungen ihrer Vertreter auseinanderzusetzen. Und ich gehe davon aus, dass es auch mit dem im Frühjahr zu wählenden nächsten Kreistag eine problemorientierte und vernünftige Zusammenarbeit geben wird.

Das Thema Asyl und Flüchtlinge dominierte bei Ihrem Amtsantritt 2015 ziemlich alles in Deutschland. Wie stark beschäftigt Sie das Thema heute?

Nach dem hohen Flüchtlingszuzug in den Jahren 2015 und 2016 sind die Zahlen in 2017 und 2018 deutlich zurückgegangen. Die Verfahrensabläufe in den zuständigen Ämtern haben sich weitestgehend normalisiert. Der Fokus liegt nun darauf, die Schutzberechtigten bei der Integration in Arbeit und Gesellschaft zu unterstützen.

Wie viele Asylbewerber nimmt Nordsachsen momentan auf?

Sind uns im Jahr 2015 noch 1620 Migranten vom Freistaat Sachsen zugewiesen worden, so waren es in 2016 nur noch 715, in 2017 mit 344 Personen und aktuell mit 277 wird dieser Trend verfestigt.

Sie haben in diesem Zusammenhang damals die Bundesregierung kritisiert und mehr Transparenz gefordert. Wie transparent sind Angela Merkel und ihre Freundin Annegret Kramp-Karrenbauer heute?

Transparenz und Ehrlichkeit sind zwei Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Politik. Wir im Landkreis Nordsachsen haben zu jedem Zeitpunkt konkret und nachvollziehbar über unsere Arbeit und unsere Aufgaben im Bereich Asyl informiert. Allein schon aus dem Fakt, dass der Bund, das Land und der Landkreis aus unterschiedlichen Ebenen auf die Thematik schauen, ergeben sich Reibungen. Gerade die anstehende Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft allgemein schaffen wir nicht ohne intensive Unterstützung von Bund und Land.

Wenn hätten Sie gewählt und warum?

Sehr aufmerksam habe ich wie Millionen Deutsche den demokratischen Prozess innerhalb der CDU zur Neuwahl der Parteispitze verfolgt. Wichtig war es, dass drei Bewerber zur Verfügung standen, die mit ihren Qualitäten geeignet für die Position erschienen. Das wurde schließlich auch im Abstimmungsverhalten der etwa 1000 CDU-Mitglieder deutlich, die beim Parteitag in Hamburg die Wahl alleinverantwortlich zu treffen hatten. Das Ergebnis war für mich keine Überraschung.

Sie betonen, Sie seien ein Freund direkter Kommunikation und haben nach Ihrem Amtsantritt die Verwaltungsstandorte in allen Städten infrage gestellt. Warum gibt es diese trotzdem immer noch?

Wir sind aktuell mitten in den Beratungen zu unserem Kreisentwicklungskonzept. Darin enthalten sind die vier Schwerpunkte Bürgerservice, Digitalisierung, Personalentwicklung sowie die Standorte und Liegenschaften. Alles darin ist miteinander verzahnt, und Standortfragen sind nicht losgelöst vom Serviceanspruch und dem Personalkonzept zu betrachten. Fakt ist, dass wir im Ergebnis unserer Analysen zu Veränderungen kommen müssen, wenn wir unseren Landkreis zukunftsorientiert aufstellen wollen.

Michael Kretschmer soll die CDU in Sachsen retten. Er betont, dass ihm die Förderung des ländlichen Raumes am Herzen liege. Welche Hoffnungen verbinden Sie mit ihm, wie macht sich der Tillich-Nachfolger aus Ihrer Sicht?

Nicht nur beim Sachsengespräch in Eilenburg haben wir den neuen Ministerpräsidenten als hoch motivierten, leidenschaftlichen und kommunikativen Menschen kennengelernt. Ich glaube insgesamt, dass der ländliche Raum in der runderneuerten sächsischen Staatsregierung eine wesentlich größere Wertigkeit erhalten hat. Das wird auch in Details wie der 70 000-Euro-Pauschale für die sächsischen Kommunen deutlich, wovon kleinere Kommunen wie viele bei uns in Nordsachsen mehr profitieren als die Ballungszentren. Aber gerade in den von mir schon beschriebenen Aufgabenfeldern wie Breitband-Ausbau, ÖPNV, aber auch bei der ärztlicher Betreuung und im Bereich Kita/Schule stehen enorme Anforderungen vor uns, die wir nur gemeinsam mit der Staatsregierung lösen können.

Wie sieht es in den Schulen in Trägerschaft des Landkreises mit Blick auf Digitalisierung und Instandhaltung aus?

Wir werden bis Ende 2020 alle 73 Schulen in unserem Breitband-Projektgebiet mit Glasfaser-Anschlüssen ausstatten. Das steht fest. Damit wird die Grundlage geschaffen, um die Digitalisierung in den Schulen anzugehen. Hierzu erfolgen derzeit Abstimmungen mit den Schulen, um entsprechende Konzepte aufzustellen, beginnend mit den Gymnasien soll ein einheitlicher Unterrichts-IT-Standard geschaffen werden. Der Sieg des Teams des Eilenburger Rinckart-Gymnasiums in einem Regional-Wettbewerb im Bereich der Robotik hat mich in diesem Zusammenhang besonders gefreut.

Welche baulichen Schwerpunkte gibt es?

Bauliche Schwerpunkte im kommenden Jahr sind unter anderem die Fertigstellung Schulhof und Sportfreiflächen am Gymnasium Eilenburg (Ende Januar, Kosten zirka 1,5 Millionen Euro); die Fertigstellung des Ersatzneubaus am Gymnasium Taucha (2. Quartal, Kosten zirka 2,95 Millionen Euro); der Baubeginn für den Erweiterungsbau Pestalozzischule Delitzsch (Bauzeit 2019 bis 2020, Kosten zirka 3,93 Millionen Euro); der Baubeginn Umbau der ehemaligen Turnhalle zur Mensa am Gymnasium Delitzsch (Bauzeit 2019 bis 2020, Kosten zirka 1,8 Millionen Euro).

Sie zitieren gern auch Mark Twain, der einst sagte: „Voraussagen soll man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft.“ Nehmen wir 2019 als Gegenwart. Was erwartet die Nordsachsen, was können sie von ihrem Landrat erwarten in diesem Jahr?

Ich neige wie bereits gesagt nicht zur Zufriedenheit, aber zur Ungeduld und will möglichst viel möglichst schnell im Sinne unseres Landkreises und seiner Menschen schaffen. Möglichst überall in unseren sechs Breitband-Ausbaugebieten will ich 2019 die sprichwörtlichen Bagger anrollen sehen, im GlasCampus sollen im Herbstsemester die Weiterbildungen beginnen, die Verzahnung von Bus- und Bahnverkehr wird weiter verbessert und auch landkreisübergreifend werden wir im ÖPNV vorankommen. Ganz sicher.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2019?

Zunächst wünsche ich meiner Familie und mir natürlich Gesundheit. Da unsere Kinder den Weg in die ,Selbstständigkeit’ gefunden haben, wünschen wir ihnen nicht nur beruflichen Erfolg, sondern drücken auch ihren Mannschaften die Daumen für den Klassenerhalt, am liebsten natürlich live.

Von Frank Pfütze

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