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Bad Düben Kanonenfutter aus dem heißen Kessel
Region Bad Düben Kanonenfutter aus dem heißen Kessel
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14:20 19.05.2015
Guido Goitzsch und seine Gulaschkanone. Auf dem Parkplatz an der B2, Einfahrt Ex-Waldkrankenhaus, bietet der 47-jährige Bad Dübener jetzt täglich leckere Suppen an. Quelle: Steffen Brost

Dieser Tage eröffnete der Bad Dübener sein neues Unternehmen "Guidos Kanonenfutter".

Direkt am Parkplatz an der Bundesstraße 2, Einfahrt ehemaliges Waldkrankenhaus, schwingt Goitzsch jetzt jeden Tag den Kochlöffel. Das Grundstück hatte er vor sieben Jahren gekauft. Seitdem diente es als Lagerplatz und Abstellfläche für Lastwagen.

"Die Idee, mal mit einer Gulaschkanone durch die Gegend zu fahren, spukte mir schon lange im Kopf herum. Doch es hat ein Weilchen gedauert, bis ich den Mut hatte, die Pläne umzusetzen. Denn Bratwürste verkauft ja heutzutage fast jeder", erzählt er.

Eine Gulaschkanone ist ein Feldkochherd oder auch Feldküche genannt. Sie ist auf einem Anhänger montiert, auf dem ein oder mehrere Kessel und eine Feuerstelle eingebaut sind. Sie spielt im Militär und Katastrophenschutz eine wichtige Rolle und wird bis heute in vielen Armeen in großen Stückzahlen zur Versorgung eingesetzt. Die Historie der mobilen Kleinküche geht bis 1850 zurück. Damals meldeten der Altonaer Apotheker Heinrich Zeise und sein Sohn Theodor einen mobilen Feldkochherd zum Patent an. Es handelte sich dabei um einen vierrädrigen Handkarren mit einer dampfbetriebenen Kochstelle. Während des Schleswig-Holsteinischen Krieges diente Zeises Feldkochherd als mobile Feldküche.

Auch Guido Goitzsch besorgte sich so ein Gefährt. "Der Unterbau ist original Nationale Volksarmee. Der Kochaufbau stammt aus Tschechien. Für den hatte ich mich entschieden, weil verschiedene Edelstahltöpfe eingebaut sind. Er ist Baujahr 1979 und in einem top Zustand. Ich habe sehr lange gesucht, bis ich den aufgetrieben habe", so der findige Bad Dübener.

In der heimischen Garage hat Goitzsch seine Feldküche entsprechend aufgemotzt. Sie wurde sandgestrahlt und mit neuer Farbe versehen. Dann baute er noch ein Dach. Während die Vorbereitungen für den Probebetrieb liefen, kümmerte sich der 47-Jährige um alle notwendigen Genehmigungen. "Ich brauchte eine zum Aufstellen, eine Befürwortung als Existenzgründer sowie einen Gesundheitspass. Und die Hygiene stellte auch verschiedene Anforderungen, denen ich natürlich gerecht werden wollte. So entstand beispielsweise auch noch eine Vorbereitungsküche im Keller meines Hauses in der Hammermühle", zählt er auf. Und dann sollte ein entsprechender Namen für das mobile Unternehmen gefunden werden. "Eines nachts konnte ich nicht schlafen und dachte nach, wie ich alles nennen kann. Doch so richtig funktionierte das nicht. Schließlich nahmen mir das Familie und Freunde ab. Sie schenkten mir ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Guidos Kanonenfutter'. Der Name war geboren."

In den vergangenen Wochen wurden Rezepte ausprobiert und fast täglich die Kanone bekocht. Von Erbsensuppe über Eintopf bis hin zu Kesselgulasch. Auch Kartoffeln, Gemüse und Fleisch kann er schnell und ohne Probleme zubereiten. Dafür stehen dem engagierten Bad Dübener sechs Kessel von 20 bis 75 Liter an seinem mobilen Stand zur Verfügung. Seine Erfahrungen machte er in der Vergangenheit in verschiedenen Küchen, in denen er tätig war. Etliche Rezepte probierte er aus und die wurden von seinen Testessern als "ausgezeichnet" empfunden. Zur Premiere sollten es aber die traditionelle Erbsensuppe und der Kesselgulasch sein.

Vorigen Freitag, schon einige Zeit vor der ersten Kelle, warteten Neugierige auf die Eröffnung. Unter ihnen auch Peter Marx. Der Bad Dübener kennt sich aus mit Gulaschkanonen und Co. "Ich war mal bei der NVA und da gab es bei Veranstaltungen das Essen immer aus der Gulaschkanone. Wir haben von der Eröffnung gelesen und wollten die Erbsensuppe mal ausprobieren. Die war übrigens sehr lecker", schwärmt Marx.

Täglich ab 10 Uhr ist nun die Feldküche mit wechselnden Gerichten geöffnet. Zudem kann man Guido Goitzsch und seinen mobilen Stand auch mieten. "In den nächsten Wochen wird noch mein Internetauftritt an den Start gehen, auf dem man sich über die Speisenangebote informieren kann."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2014
Von Steffen Brost

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