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Kettensägenkunst bei Sahara-Hitze

Kettensägenkunst bei Sahara-Hitze

Kunst mit Kettensägen hieß es am Wochenende wieder an Weichers Mühle. Zum 14. Mal begrüßte die 600-Seelengemeinde Tornau und der Verein Dübener Heide Künstler wieder ein internationales Teilnehmerfeld.

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Zwei Tage sägte, fräste und schnitzte der Doberschützer Holzkünstler Frank Müller an seinem Kunstwerk "Waldblick" herum.

Quelle: Steffen Brost

Tornau. Zwei Tage lang ließen Künstler aus wuchtigen Baumstämmen imposante Holzfiguren entstehen. Und das bei Gluthitze.

Diese stellten die Veranstalter in diesem Jahr vor ganz neue Herausforderungen. Und so standen Feuerwehr und Rettungswagen sicherheitshalber ständig in Bereitschaft. 45 Künstler aus Deutschland, der Ukraine, Polen, England und Rumänien folgten dem Lockruf der Dübener Heide zum Wettbewerb. "In den vergangenen Jahren hatten wir nur zweimal Regen. Dieses Jahr schlägt alle Rekorde. 40 Grad auf dem Platz hatten wir noch nie. Man kann das Wasser gar nicht so schnell in den Kopf kippen, wie es wieder rausläuft", sagte Tornaus Bürgermeister und Mitorganisator Enrico Schilling (CDU). Erstmals in der 14-jährigen Geschichte des Events durften die Holzakrobaten wegen der Hitze schon vor dem eigentlichen scharfen Start um zehn Uhr mit ihren Kettensägen dröhnen. Viele der Künstler hatten ohnehin schon vorgesorgt und sich Schirm und Pavillon aufgebaut, unter dem sie dann arbeiteten.

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Tornau. Kunst mit Kettensägen hieß es am Wochenende wieder an Weichers Mühle. Zum 14. Mal begrüßten die 600-Seelengemeinde Tornau und der Verein Dübener Heide ein internationales Teilnehmerfeld.

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Der Doberschützer Frank Müller hatte sogar sein großes Tarnnetz von der Nationalen Volksarmee mitgebracht und es über sich und seinen Holzstamm geworfen. "Drunter ist die Hitze auch nicht weniger, aber man steht nicht unmittelbar in der Sonne", erklärte Müller. Den luftigsten Arbeitsplatz hatte sich der Bad Dübener Raik Zegner ausgesucht. Zum achten Mal trat der Kurstädter beim Schnitzerwettbewerb an. Nach einem Pferdekopf im vergangenen Jahr sollte es diesmal etwas ganz Großes werden. "Ich habe mich im Vorfeld mit Heidemaler und Wettbewerbserfinder Wolfgang Köppe unterhalten und mein Kunstwerk ausgeheckt. Es wurde ein acht Meter hoher Storch", so Zenger. Und so hatte er nicht nur Kettensäge und Bohrmaschine im Gepäck, sondern auch eine große Hebebühne für die Feinarbeit in luftiger Höhe. Doch die Technik hatte so ihre Tücke. Gestern gab die mobile Hebebühne ihren Geist auf. Von weitem beobachtete Wolfgang Köppe aus einem schattenspendenden Pavillon das Geschehen auf dem Platz. "Mich hat schon immer gestört, das der Biber die Alleinherrschaft in unserer Region hat. Auch der Klapperstorch gehört zu uns dazu.

Um so mehr freut es mich, das Raik Zenger meinen Anstoß aufgenommen hat", freute sich der 87-Jährige. Zum ersten Mal konnten die Veranstalter mit Lucian Gaita einen Künstler aus Rumänien begrüßen. Fast 2000 Kilometer war der junge Mann aus Albac in Transilvanien nach Tornau angereist um teilzunehmen. "Ich mache auch zu Hause Schnitzereien. An so etwas habe ich aber noch nicht teilgenommen", sagte er in gebrochenem Deutsch. Nur wenige Kilometer hatte es dagegen Jürgen Pisarz bis zu seinem schattigen Platz am Waldrand. Hier sägte er aus seinem großen Stück Pappel sein schlichtes Kunstwerk mit dem Namen "Sich entfalten". Für den normalen Betrachter scheint das Werk nur halbfertig. "Komplizierte Sachen sind einfach. Einfache Sachen zu machen dagegen ist kompliziert. Ich weiß das ich damit keine Chance auf einen vorderen Platz habe", so Pisarz. Den ganzen Tag über schlenderten Besucher über den Platz und den angrenzenden Heidemarkt. Drumherum wurde ein buntes Programm geboten.

Am Samstag zur Kaffee-Zeit präsentierte Sängerin Natalie Lament Schlager und am Abend folgte die traditionelle Schnitzer-Party mit der Band "Die Spätsünder".  "Wir sind extra aus Bad Schmiedeberg gekommen. Das haben wir bisher jedes Jahr gemacht. Doch in diesem Jahr meinte es das Wetter fast zu gut. Deswegen sind am Sonnabend bestimmt auch nicht so viele Besucher gekommen. Gestern waren es deutlich mehr. Ich schätze so 2500. Aber die Kunstwerke sind schön wie immer. Am besten hat mit der Storch gefallen. Dafür habe ich meine Stimme beim Zuschauerpreis abgegeben", sagte Helene Weiß. Der Sonntag begann wie der Samstag aufhörte: Heiß! Da sorgten die Musiker der Blaskapelle "Frischluftprojekt" nur kurzzeitig für eine Abkühlung. Zur Mittagszeit folgte den ein weiterer Höhepunkt. Das weißrussische Folkloreensemble Sonejka trat auf und das Köhlerliesel Julia Timm aus Roitzsch übergab die Scherpe an das neue Köhlerliesel Swetlana Ebert aus Bitterfeld. Ein Jahr wird die 38-Jährige die Heideregion jetzt bei Festen, Märkten, Messen und Auftritten vertreten. Zum Abschluss des Festes hatte dann die Jury das sagen. Den Zuschauerpreis konnte in diesem Jahr Mike Richter aus Brandenburg mit seiner Skulptur "Euele auf Briefkasten" für sich entschieden. Er erhielt die meisten Stimmen der Besucher. Die Künstler untereinander bewerteten sich ebenfalls. Diesen Preis staubte Winfried Breuning aus Bayern mit seinem Werk "Hüterin des Waldes" ab. Als Abschluss überreichte der große Meister, Wolfgang Köppe, selber seinen mittlerweile schon traditionellen Köppe-Preis. Sein Pappelstück mit dem eingearbeiteten Relief einer Kräuterliesel erhielt der Bad Dübener Raik Zenger für seinen Riesenstorch.

Brost, Steffen

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