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Kirchenland in Hühnerzüchterhand?

Kirchenland in Hühnerzüchterhand?

Laußig. In Nordsachsen schlagen die Pläne für eine 71.000 Plätze umfassende Zuchtanlage für Hennen und Hähne, die zwischen Laußig und Pristäblich entstehen soll, Wellen.

. Pikant dabei: Das Land gehört der Kirche, die es bereitstellen müsste.

Verkauft oder gar verpachtet ist bislang nichts. „In der nächsten Woche werden wir über dieses Thema erneut diskutieren. Dann kann ich sicher mehr sagen. Ich bitte um Verständnis, dass ich einer Entscheidung des Gemeindekirchenrates nicht vorgreifen werde", erklärt die zuständige Pfarrerin Edelgard Richter und bringt damit zum Ausdruck, in welchem Dilemma die Kirchgemeinde steckt. Alles dreht sich um die Frage: Fördert die Kirche Massentierhaltung, wenn sie das Land an die Alfra Mockrehna abgibt?

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen ist die Antwort klar. Hans-Udo Weiland, der Vorsitzende, spricht von einem „Skandal". Weiland poltert: „Haben diese Pseudo-Christen immer noch nicht begriffen, dass es ihre Aufgabe ist, die Schöpfung zu bewahren und nicht die Kreatur zu quälen und die Gesundheit der Menschen zu schädigen?"

Nicht nur der BUND fährt derzeit schwere Geschütze gegen die Hühnerfarm auf. Das Thema zieht mittlerweile bundesweit Kreise. Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Bienenbüttel fordert die Kirchgemeinde und die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands (EKM) auf, das Grundstück nicht an die Alfra zu geben und „in eine offene Diskussion über die Haltung der Kirche zur agrarindustriellen Massentierhaltung einzusteigen". EKM-Pressesprecher Friedemann Kahl teilt mit, dass die Kirchgemeinden „autonom" handelten. Während es zum Thema Gentechnik klare Richtlinien innerhalb der Kirche gebe, sei dies bei der Massentierhaltung nicht der Fall. Hierzu werde sich eine Arbeitsgruppe im Sommer verständigen. Bedenken äußert auch der Brandiser Pfarrer Ulrich Seidel, Vorsitzender des Vereins Aktion Kirche und Tiere. In einem dieser Zeitung vorliegenden Papier, gerichtet an die Mitteldeutsche Kirchenzeitung, befürchtet er negative Auswirkungen. „Wenn so was ruchbar wird" seien „Kirchenaustritte, nicht nur in der Region, eine Folge".

„Die Kirche ist natürlich gegen Massentierhaltung, genmanipulierten Anbau und Atomkraftwerke. Die Bewahrung der Schöpfung gehört zu unserem Credo", betont derweil Superintendent Christian Stawenow vom Kirchenkreis Torgau-Delitzsch. Doch Überzeugungen könnten „nicht immer so gelebt werden, wie das zu erwarten und zu wünschen" sei. Es gebe mehrere Gründe dafür: Die Kirche sei „tief in die Gesellschaft hinein verwurzelt und bildet ihr ähnliche Stimmungsbilder ab. Und es geht auch um Bewirtschaftung und Geld". Es sei „selbstverständlich, dass wir eine Massentierhaltungsanlage ablehnen", so Stawenow weiter. „Scheinheiligkeit wird man uns in jedem Fall vorwerfen."

Während die Kirchgemeinde unschlüssig ist, sieht man im Nachbarpfarrbereich Bad Düben die Dinge klarer. Es gehe um Nachhaltigkeit. Für Schweinemast- oder Hühnerfarmen würde es keinen Quadratzentimeter Land von uns geben, konstatiert Pfarrer Jörg Uhle-Wettler. Den Pristäblichern wünscht er „eine Entscheidung, zu der sie auch noch in einigen Jahren stehen können, wenn die Vorwürfe der nächsten Generation mit aller Härte kommen werden".

Lesen Sie einen Kommentar und Hintergrundbericht in der Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung am Sonnabend.

Nico Fliegner

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