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Bad Düben Köhlerei-Dilemma: Behörden bezweifeln Alleinschuld des Bibers
Region Bad Düben Köhlerei-Dilemma: Behörden bezweifeln Alleinschuld des Bibers
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20:01 23.02.2018
Einer der vier Öfen musste bereits voll gesperrt werden. Quelle: Kathrin Kabelitz
Tornau

Ist der Biber schuld an der Vernässung und Versumpfung des Areals rund um den Hammerbach, der die Betreiber der Köhlerei Eisenhammer derzeit in Existenznöte bringt? Seitens der Kreis- und Landesbehörden wird angezweifelt, dass die Biberaktivitäten für die Beeinträchtigung der Bausubstanz der technischen Anlagen auf dem Firmengelände verantwortlich sind. „Die Alleinschuld des Bibers kann so eindeutig nicht festgestellt werden, ist nicht ausreichend ermittelt“, sagte Wittenbergs Vize-Landrat Jörg Hartmann (CDU) am Freitag nach einem Gespräch in Magdeburg, an dem unter anderem Vertreter des Bereiches Artenschutzes, Wasserwirtschaft und des Landesbetriebes für Hochwasserschutz teilgenommen haben.

Geologen und Hydrogeologen, so Hartmann, wüssten um die unter anderem von stauenden Schichten wie Lehm und Ton geprägte Bodenbeschaffenheit in diesem Areal. „Um Wirkungszusammenhänge weiter zu erforschen, müssten umfangreiche Sondierungen vorgenommen werden mit einem finanziellen Aufwand von 50 000 bis 100 000 Euro“, so der Vize-Landrat. Ergebnisse würden erst in etwa einem Jahr vorliegen. Das sei nicht das, was der Köhlerei sofort weiter helfen würde. Ohne diese Untersuchungen wäre der Eilantrag der Familie auf Renaturierung des Gebietes, was beinhalte, den Hammerbach in natürlicher Form fließen zu lassen und Biber-Stauwerke abzubauen – aber nicht genehmigungsfähig. Zudem würde dies auch bedeuten, dass regelmäßig neue nachkommende Biber wieder entfernt werden müssten. Dies sei nicht unproblematisch, weil ein FFH- und Naturschutzgebiet betroffen sei.

Geprüft worden sei in der Runde auch eine in Sachsen-Anhalt geltende Förderrichtlinie, die bei Vernässung greift. Diese sei für den Bergbau entwickelt worden, ermögliche es Kommunen, großflächige Maßnahmen umzusetzen. „Im Falle der Köhlerei ist aber lediglich ein Einzelprojekt betroffen.“

Als kurzfristige Lösung, so Hartmann, werde nun ein Objektschutz durch Drainage-Maßnahmen favorisiert. Dabei gehe es darum, den Wasserzustrom von der B 2 und den umliegenden Bereichen zu unterbinden, um so eine weitere Vernässung der Ofen-Fundamente zu verhindern. Bezüglich der Finanzierung werde es dazu Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium geben.

Die Köhlerei-Besitzer Norma und Jörn Austinat sind sich indes sicher, dass die Biber durch den Bau von Dämmen das Wasser anstauen, so für großflächige Überschwemmungen sorgen, das Grundwasser ansteigen lassen und so das ökologische Gleichgewicht durcheinander bringen. Die Öfen der Köhlerei haben bereits Schaden genommen, derzeit kann die Köhlerei nur sehr eingeschränkt Holzkohle produzieren. Wenn nichts passiert, so Norma Austinat, stehe die Köhlerei vor dem Aus.

Von Kathrin Kabelitz

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