Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Köhlerei Eisenhammer: Das sagt das Umweltministerium zum Biber-Problem
Region Bad Düben Köhlerei Eisenhammer: Das sagt das Umweltministerium zum Biber-Problem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:36 06.05.2018
Köhlerei Eisenhammer Quelle: Kathrin Kabelitz
Anzeige
Tornau

Diese Fragen zur Wasser-Problematik an der Köhlerei beantwortete das von der Grünen-Politikerin Claudia Dalbert geführte Umweltministerium in Magdeburg:

Was haben Sie bisher getan, um ihr Versprechen einzuhalten, der Köhlerei zu helfen und das Kulturgut zu retten? Warum machen Sie sich nicht für eine Ausnahmegenehmigung stark? Warum gewähren Sie dem Biber Vorrang und opfern die berufliche Existenz von Menschen bzw. ein seltenes Kulturgut?

Der Biber ist eine „streng geschützte“ Art nach dem Bundesnaturschutzgesetz, darf nicht gefangen oder getötet werden. Seine Lebensstätten unterliegen besonderem Schutz, selbst wenn sie außerhalb von Schutzgebieten liegen. Nach § 44 besteht ein besonderer Schutz für Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Weniger schutzbedürftig sind anderweitige Tierbauten wie etwa beim Biber die Nahrungsdämme. Nach § 45 können Ausnahmen zugelassen werden, wenn ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden droht. Dabei müssen alle zumutbaren Alternativen geprüft werden. Im Fall der Köhlerei ist eben nicht nachgewiesen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Aktivitäten des Bibers und der Situation am Standort gibt. Immerhin ist zu berücksichtigen, dass die Population mindestens seit 2010 am Standort heimisch ist und in dieser Zeit ein dauerhafter Köhlereibetrieb erfolgt ist. Die Abwägung hat ergeben, dass es im Rahmen einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung zulässig ist, mehrere Dämme zu beseitigen, die dem Biber zur Nahrungsbeschaffung dienen. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen-Anhalt hatte dem Landkreis Wittenberg eine rechtliche Empfehlung gegeben. Die Beseitigung wird die Stauwirkung reduzieren und zum besseren Wasserabfluss führen. Es hat durch den Landkreis bereits zwei Ausnahmegenehmigungen gegeben. Am 13. April erfolgte eine weitere zur Beseitigung weiterer Nahrungsdammbauten, die das Ministerium ausdrücklich mitträgt. Im Zuge dieser haben die Köhlereibetreiber das Ministerium im Wege einer einstweiligen Anordnung vor dem Verwaltungsgericht Halle verklagt. Das Ministerium muss deshalb nun zurückhaltend agieren. Der Köhlerei wurde sowohl im Rahmen eines Termins in der Landesanstalt für Altlastenfreistellung und im Rahmen des Vor-Ort-Termines alle erdenkliche Unterstützung angeboten wurde, das Gelände vernässungssicher aufzustellen. Die vorgeschlagenen Möglichkeiten wurden von den Betreibern kategorisch abgelehnt.

Der Vize-Ministerpräsidentin von Sachsen-Anhalt, Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Grüne). Quelle: dpa

In einem Bericht des Landesbetriebes für Hochwasserschutz geht hervor, dass der Biber für die Vernässungsschäden verantwortlich ist. Warum wird er nicht vergrämt bzw. entnommen?

Es trifft nicht zu, dass aus dem Gutachten des Gewässerkundlichen Landesdienstes (GLD) eindeutig hervorgeht, dass der Biber für die Vernässungsschäden verantwortlich ist. Aus der Stellungnahme wird ersichtlich, dass eine komplexe hydrogeologische Situation vorliegt. Es wird niederschlagsabhängig „schwebendes Grundwasser“ über einer grundwasserstauenden Schicht vermutet, welches auf der stauenden Schicht entsprechend dem Gelände abfließt. Nach Aussage des GLD ist der Standort damit für oberflächennahe Vernässungserscheinungen prädestiniert. Der GLD geht davon aus, dass die Vernässungserscheinungen durch die Biberdämme verstärkt, aber eben nicht alleinig verursacht werden. Es handelt sich dabei jedoch auch nur um eine Annahme. Der GLD schränkt seine Aussage deshalb ein, dass hier gesamtheitliche Untersuchungen einschließlich Vermessungen und Sondierungen erforderlich seien.

Fürchten Sie als Ministerin Anzeigen diverser Naturschutzverbände, wenn Sie dort gehen den Biber vorgehen würden?

Nein.

In welcher Höhe fließen EU-Fördergelder für das Bibermanagement nach Sachsen-Anhalt und wofür?

Die EU stellt im Rahmen des vom Land vorgelegten EPLR Gelder für die Entwicklung des ländlichen Raumes zur Verfügung, schreibt nicht im Detail vor, wie viel Geld in welche Projekte fließen soll. Im Rahmen der Naturschutzförderung wurden 2007 bis 2013 drei Projekte für den Schutz/das Management des Bibers mit einer Summe von rund 343 000 Euro, davon rund 257 000 Euro EU-Mittel unterstützt. Dabei wurden unter anderem Fragen zum Schutz und Management des Elbebibers aufgearbeitet, eine Arbeitsgrundlage für untere Naturschutzbehörden und eine Broschüre über den Biber in Sachsen-Anhalt erstellt, Projekttage organisiert, ehrenamtliche Artbetreuer gewonnen und qualifiziert, ein regionales Konfliktmanagement erarbeitet. In der bis 2020 laufenden Förderperiode wurden noch keine Projekte bewilligt.

Von LVZ

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Lassen sich städtische Erfahrungen des Gemeinschaftsgärtners in den ländlichen Raum der Dübener Heide übertragen lassen? Das will das Projekt Urbaning Gardening in Bad Düben herausfinden.

05.05.2018

Am Sonntag findet das Naturparkfest an der Ausflugsgaststätte Friedrichshütte zwischen den Kurstädten Bad Düben und Bad Schmiedeberg statt.

02.05.2018

Überraschung in Pottenstein: Zum Abschluss der Kurrende-Tournee 2018 haben die Blechbläser des Dübener Posaunenchors ein spontanes Platzkonzert in der oberfränkischen Kleinstadt gegeben. Neben der Musik gab es aber auch viel Freizeitspaß.

02.05.2018
Anzeige