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Bad Düben Köhlerin Norma Austinat: „Es wird Zeit verschwendet, die nicht da ist“
Region Bad Düben Köhlerin Norma Austinat: „Es wird Zeit verschwendet, die nicht da ist“
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10:25 28.02.2018
Köhlerin Norma Austinat füllt die Grillkohle in Säcke ab. Quelle: Foto: dpa
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Tornau

Wie weiter mit der Köhlerei Eisenhammer, die unter steigendem Grundwasser leidet und deren Existenz in Gefahr ist? Wir sprachen mit Köhlerin Norma Austinat (40).

Am Freitag gab es ein Gespräch im Umweltministerium. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?

Wir sind zu den Gesprächen nie eingeladen, ich kenne die Ergebnisse nur von Herrn Hartmann (Wittenbergs Vize-Landrat Jörg Hartmann – d.Red.). Wir sind die Betroffenen, der Fall wird aber ohne uns bearbeitet.

Momentan läuft alles auf einen sogenannten Objektschutz hinaus …

Wir haben sofort Gespräche mit Experten zu Drainagesystemen geführt. Die Köhlerei befindet sich auf Sand, das Trockenlegen birgt das Risiko in sich, dass Erdschichten abrutschen und Versetzungsschäden die Ofenanlage zerstören könnten, wenn das Wasser zu schnell abfließt. Wo soll es hin bei den Abflussproblemen? Momentan ist vieles unklar, weil ich keine Details kenne, auch der Termin mit dem Wirtschaftsminister steht aus. Vielleicht haben wir ja was falsch verstanden und die Pläne werden so dargelegt, dass wir es besser bewerten können. Zudem sollen Lehmverwerfungen das Problem sein. Bisher haben wir keine gefunden. Wir wissen, dass es im Quellgebiet welche gibt. Warum sollen sie jetzt ein Problem sein und waren es vor 10, 15 Jahren nicht? Auch das Argument gestiegene Niederschlagsmengen kann ich nicht teilen. Mir liegen Messungen der letzten 15 Jahre vor, die belegen rückläufige Mengen. Es wird Zeit verschwendet, die nicht da ist.

Wie ist die Lage derzeit vor Ort?

Der Frost der letzten Tage hat die Situation verschärft, zu neuen Rissen geführt, weitere Steine haben sich versetzt, Löcher sind entstanden. Die Öfen 1 und 4 sind bereits in einem erbärmlichen Zustand, wir hoffen, dass wir die anderen beiden retten können, in dem wir sie kontinuierlich weiter befeuern können und kleine Schäden in Kauf nehmen. Wenn die Köhlerei einmal zumacht, ist sie für immer verloren. Hier geht ein Kulturgut Stück für Stück verloren, weil das Umweltministerium den Zusammenhang zwischen Biberanstauungen und Vernässung des Köhlereigeländes so nicht sehen möchte, obwohl andere Ursachen bereits aus dem Weg geräumt wurden. Es wird auf teure und lange dauernde Gutachten verwiesen, für mich sind das Verzögerungen, die dazu führen, dass sich die Überschwemmungsgebiete vergrößern und die Ofenanlage weiter Schaden nimmt. Sachsen-Anhalt sollte sich vor Augen halten, dass es hier eine der wenigen Köhlereien gibt, die ein Jahrhunderte altes Handwerk bewahren, das Land verspielt ein Stück Zeitgeschichte. Deshalb müssten wir eigentlich massive Unterstützung erwarten können.

Wie reagiert das Umfeld ?

Wir spüren, dass es in der Region und darüber hinaus viel Mitgefühl gibt. Am Wochenende waren über 100 Leute da, die sich ein Bild machen wollten. Über die Stiftung haben wir Spenden erhalten, die Petition haben fast 1400 Leute unterschrieben. Die Köhlerei liegt den Menschen mehr am Herzen als uns bewusst war, das ist unheimlich motivierend.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe nach Gesprächen mit dem Gutachter meine Einstellung dahingehend geändert, dass es nicht mehr darum geht, dass die Öfen einsatzbereit, sondern so intakt bleiben, dass sie repariert werden können. Das ist ein gewisses Eingeständnis an die Politik, ändert aber nichts daran, dass ich so lange dran bleibe, bis ich beweisen kann, dass die Biberanstauungen die Ursache für die Wassermassen sind, die auf unser Gelände drücken.

Von Kathrin Kabelitz

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