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Bad Düben Kossaer filmt zwei Wölfe – sind die Tiere jetzt heimisch in der Dübener Heide?
Region Bad Düben Kossaer filmt zwei Wölfe – sind die Tiere jetzt heimisch in der Dübener Heide?
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12:34 19.02.2018
Axel Gäbler aus Kossa zeigt das Video vom Wolfspaar, welches er bei Kossa von der Straße aus filmte. Zu sehen unter www.lvz.de. Quelle: Steffen Brost
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Kossa

Damit hatte Axel Gäbler nicht gerechnet. Der Kosser entdeckte vergangene Woche ganz offenbar ein Wolfspaar zwischen Authausen und Kossa (siehe Video). „Ich bin vormittags nochmal von der Arbeit nach Hause gefahren. Ich war auf der Ortsverbindungsstraße von Authausen nach Kossa unterwegs, als ich plötzlich auf der linken Seite zwei dunkle Schatten auf einem Feld laufen sah. Von weitem dachte ich erst, dass es vielleicht Rehe sind. Aber als ich näher ran kam, war es eindeutig, dass es sich um Wölfe handelt. Ich zückte mein Handy und filmte aus dem Auto heraus“, erzählt der 33-jährige Kossaer.

Jäger sicher: Es gibt hier Wölfe

Noch von der Sichtungsstelle telefonierte er mit seinem Vater Andreas. Der ist Jäger und ihm gehört die Fläche als Jagdgebiet, worauf sich die beiden Tiere gerade befanden. „Ich habe meinem Vater die Tiere kurz beschrieben. Und er hat aufgrund der körperlichen Unterschiede darauf geschlossen, dass es ein männliches und weibliches Tier sein muss.

Er sagte auch, dass die beiden Tiere keine Unbekannten mehr seien, da sie schon häufiger in der Gegend beobachtet werden konnten“, schildert Gäbler weiter. Der junge Mann weiß, dass es auch schon Wolfssichtungen zwischen Tornau und Söllichau sowie bei Falkenberg gegeben hat. Da die Tiere „täglich bis zu 50 Kilometer laufen, wäre das möglich. Vermutlich haben die beiden Wölfe hier ihr neues Revier“.

Biologin: Es könnte zur Rudelbildung kommen

Die Biologin Janine Meißner vom Naturparkträgerverein Dübener Heide hat inzwischen Kenntnis von dem Fall. „Meines Wissens ist von einem Rudel in der Dübener Heide noch nichts bekannt. Sollte die Wölfin aber irgendwann Nachwuchs bekommen, dann könnte es sein, dass sich hier ein Rudel bildet.“

Waren es Wölfe, die Axel Gäbler zwischen Kossa und Authausen von der Straße aus filmte? Quelle: Steffen Brost

Immer wieder werden in der Dübener Heide einzelne Tiere von Wanderfreunden und Autofahrern gefilmt. So beobachtete ein Hobbyyläufer vor einem halben Jahr einen Wolf. Das Tier kam plötzlich aus dem Dickicht und stand auf dem Reinharzer Weg. Kurze Zeit später lief es in Richtung Siebenarmsäule weiter.

In den frühen Morgenstunden des 2. März im vergangenen Jahr wurde ein weiterer Wolf gesichtet und mit dem Handy fotografiert. Das Tier überquerte eine Straße nahe der Ortslage Krina (Landkreis Anhalt-Bitterfeld), blieb kurz stehen und zog dann auf einem Waldweg weiter. Vor zwei Jahren war ein Wolf in die Fotofalle eines Jägers nahe Falkenberg getappt.

Wölfe inzwischen heimisch?

Wolfsbeobachtungen wie diese hat oft im Naturpark Dübener Heide gegeben. Vermutlich handelte es sich aber immer um sogenannte Durchzügler. Aktuell gibt es keinen hundertprozentigen Nachweis, dass die Räuber inzwischen dauerhaft in der Naturparkregion leben, obwohl die vielen Beobachtungen darauf hindeuten.

Auch in anderen Teilen Nordsachsens gibt es regelmäßig Wolfssichtungen. So will im Februar 2017 eine 60-Jährige mit ihrem Auto nahe Dahlen einen Wolf touchiert haben. Eine Familie in Dahlen fand Ende 2018 ein zerfleischtes Reh – in der Dahlener Heide ist bereits ein Rudel heimisch.

Aktuelle Zahlen

Die Zahl der Wolfsrudel in Sachsen ist im vergangenen Jahr auf 16 gestiegen. Drei Wolfspaare aus den Territorien Cunewalde, Dahlener Heide und Hohwald hätten 2017 Nachwuchs erhalten, sodass sie nun auch als Rudel gezählt würden, teilte das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen” Anfang Januar mit. Insgesamt seien in den 16 Rudeln im vergangenen Jahr mindestens 48 Welpen nachgewiesen worden. Insgesamt gingen im vorigen Jahr 107 Meldungen über Nutztierrisse ein. In über 60 Fällen ist den weiteren Angaben zufolge der Wolf als Verursacher nicht auszuschließen.

Von Steffen Brost

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