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Bad Düben Kritik und viele Wünsche: Presseler basteln an Zukunft ihres Dorfes
Region Bad Düben Kritik und viele Wünsche: Presseler basteln an Zukunft ihres Dorfes
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00:33 03.06.2018
Das Presseler Schloss soll ein Bürgerzentrum mit Ausstellungsräumen für alle Generationen werden. Die Jüngsten aus der benachbarten Awo-Naturpark-Kita freuen sich schon darauf, wenn sie dann die Senioren dort mit kleinen Programmen erfreuen können. Quelle: Wolfgang Sens
Pressel

Im Bäckerladen gibt es nicht nur frisches Backwerk, hier bietet sich auch Gelegenheit, die eine oder andere Dorfneuigkeit zu erfahren. An diesem Morgen fällt den hier kaufenden Einwohnern aus dem Stegreif eine Menge ein, was sie sich für ihren Ort wünschen, was sie verbessert haben wollen: Die Straße „Hinterhäuser“ sei katastrophal, der Zustand des Gutes eine Schande. Ein Bürgertreff fehlt. „Versprochen wurde schon viel, es kam aber wenig“, meint ein älterer Mann mit Sommerhut, der seinen Namen nicht nennen will.

Bürger arbeiten am Konzept mit

Diese Wünsche und Kritiken interessiert derzeit die Gemeinde Laußig. Die hat beim Sausedlitzer Planungsbüro von Christine Schiemann ein Konzept in Auftrag gegeben, wie es in Pressel mit Blick auf die demografische Entwicklung weitergehen soll. Im Februar wurde das Vorhaben vorgestellt, am 17. April kamen 25 Bürger zur Gesprächsrunde mit Planern und Vertretern der Kommune.

Aber wie sieht man unter den Einwohnern die Sache? Welche Vorstellungen für die Zukunft des Ortes haben sie? „So etwas wie ein Dorfgemeinschaftshaus haben wir hier nicht. Es wäre schön, wenn es das gebe, wo sich nicht nur wir Alten treffen könnten“, erklärt Elli Müller. Seit 1938 wohnt sie in Pressel. Sie freut sich, dass sich bei der Sanierung des Schlosses etwas tut. Ein Schandfleck im Dorf sei das Gut. In der ehemaligen LPG-Küche dort wurde früher viel gefeiert, seit das Grundstück vor Jahren verkauft wurde, verfalle es. „Ich möchte aus Pressel nicht mehr weg. Zum Glück haben wir vieles noch im Dorf“, sagt sie und setzt ihren Weg zum Einkauf fort.

Kritik an Straße und Gut

Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen will, fordert, dass endlich die Straße „Hinterhäuser“ saniert wird. „Für die Anwohner ist das nicht mehr erträglich“, so ihr Standpunkt. Einige Straßen weiter sind Peggy Höse und ihre Mutter Waltraud unterwegs. „Anfangs waren wir skeptisch, dass aus dem Schloss für den Ort ein Zentrum entstehen soll. Inzwischen sieht man, dass die Außenanlagen entstehen, dass lässt hoffen“, meint Peggy Höse. Ihre Mutter wünscht sich, dass es im Ort wieder eine Kegelbahn gibt. Aber seit das Gasthaus „Zur Alten Schmiede“ geschlossen ist, steht die nicht mehr zur Verfügung. „Wir Einwohner würden die Gemeinde ja unterstützen wie beispielsweise bei der Pflege des Kögel-Denkmals“, sagt Waltraud Höse. „In der Vergangenheit haben wir das ja schon als Privatinitiative getan, aber die Gemeinde müsste uns dabei materiell unterstützen.“ Es sei nicht gerade schön, wenn der eigene Rasenmäher dabei defekt gehe oder wenn man bei der Pflege am Denkmal stetig in Hundehaufen greife. Eine Anregung haben sie: Hundetoiletten aufstellen. Das Pressler Vereinsleben und die Kirchgemeinde bieten etliches an. Das schätzen die beiden Frauen, doch sie hätten es nicht leicht, immer auch von allen Einwohnern Anerkennung zu erhalten.

Lob für Schloss-Sanierung

Ein Passant meint später, dass die Presseler aber auch Zusammenhalten und Zupacken können. Beim Verfugen der Kirche haben sie das bewiesen. Freiwillig spendeten sie Zeit. Er ist sich sicher, dass dies bei anderen Projekten auch möglich wäre. Einen großen Wunsch hegt er: „Ich will im Dorf alt werden, ja sterben.“ Deshalb hofft er, dass die Idee, aus dem Gut eine Wohnanlage für betreutes Wohnen zu schaffen, Realität wird. „Ich will nicht in die Stadt, hier kennt man sich und sieht dann auch, wie sich Pressel weiter verändert“, meint er. Der Anblick des maroden Gutes jedenfalls steht bei den Einwohnern an erster Stelle der Negativ-Punkte.

Seit 1994 lebt Dagmar Schmidt wieder in ihrem Heimatort. Das Thema Gut beschäftigte sie seitdem. „Mit dem Förderverein für arbeitslose Frauen hatten wir die Idee, darin ein Projekt für betreutes Wohnen im Alter zu etablieren. Bis Dresden waren wir, aber damals war es wohl noch zu früh für solch eine Idee“, blickt sie zurück. Da viele Presseler zu ihr in die Nähstube kommen, weiß sie, dass heute solch ein Vorhaben auf Resonanz stoßen und mancher sein eigenes Grundstück bei einer Bleibe-Perspektive an Jüngere abgeben würde. Die Pläne für das Schloss findet Dagmar Schmidt gut. Auch, weil es dort einen Treff für die Dorfjugend wie für alle anderen geben soll. Beim Weinachtsmarkt wäre die Zusammenarbeit gut. „Das kann im Schloss auch gut werden“, meint sie. Ansonsten sei Pressel noch gut mit Dienstleistungen ausgestattet. Das zu erhalten, bedeute aber, dass es von den Einwohnern genutzt wird. Nur so sei Zukunft machbar.

Von Bärbel Schumann

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