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Landrat Czupalla schiebt Dübens S-Bahn-Pläne aufs Abstellgleis

Landrat Czupalla schiebt Dübens S-Bahn-Pläne aufs Abstellgleis

Die Signale im kleinen kurstädtischen Politikbetrieb standen bis jetzt auf Grün, wenn es um eine Anbindung Bad Dübens ans mitteldeutsche S-Bahn-Netz, sprich den City-Tunnel Leipzig ging.

Bad Düben. Die Idee, Ende 2013 von Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) im Wahlkampf auf die Agenda gesetzt, fand ihre Befürworter und war visionär. Und selbst die Gemeinden Laußig und Doberschütz, die an der verwaisten Bahn-Strecke Bad Düben/Eilenburg liegen, wollten Münster unterstützen.

Doch jetzt scheinen die S-Bahn-Pläne immer mehr aufs Abstellgleis zu rollen. Denn im nordsächsischen Landratsamt - der Landkreis ist verantwortlich für den öffentlichen Personennahverkehr - stoßen sie auf massive Ablehnung. Beim letzten großen Pressegespräch von Landrat Michael Czupalla (CDU) vor seinem Ruhestand, das jüngst im Heide Spa stattfand, sind die Pläne in Frage gestellt worden. Vor allem jene Vision, die Gleise vom Bad Dübener Bahnhof bis an den Rewe-Markt zu verlängern, damit der Haltepunkt näher im Zentrum der Kurstadt liegt. Das verwies der Landrat ins Reich des Kabaretts. "Ein S-Bahn-Anschluss ist utopisch für Bad Düben", erklärte Czupalla. Denn realistisch betrachtet, sei dies nicht finanzierbar. Auch Vize-Landrat Ulrich Fiedler (SPD) schätzte ein, dass es eine S-Bahn von Bad Düben nach Eilenburg nicht geben werde. Laut Fiedler würde die Wiederbelebung der Strecke 1,2 Millionen Euro pro Jahr kosten. Wer soll das bezahlen? Zudem würde eine S-Bahn zum Nachteil des Busverkehrs sein. Und den hat der Landkreis gerade erst für die Eilenburg/Bad Dübener Region optimiert. 28 neue Busse gehen ab 24. August an den Start. Die Linienführungen sollen klarer definiert und für den Fahrgast verständlicher sein. Erreicht werde das unter anderem durch das Einrichten zweier zusätzlicher Linien, teilte das Landratsamt mit.

Dabei hatte zuletzt ausgerechnet Fiedlers Parteifreund Heiko Wittig, Kreistags-Fraktionschef von SPD, Grüne und FDP, einen entsprechenden Antrag seiner Parteikollegen Michael Seidel und Werner Wartenburger, beide Stadträte in Bad Düben, auf die Agenda im Umwelt- und Technikausschuss setzen lassen. Er zog ihn aber dann zurück. Der Antrag sah vor, die Wirtschaftlichkeit der Schienenstrecke von Bad Düben nach Eilenburg untersuchen zu lassen. Wittig wertete dies im Nachgang trotzdem als Erfolg: "Die Fraktionen haben eine Stellungnahme erhalten. Wir wollten, dass die Angelegenheit geprüft wird und das ist erfolgt." Dass der Landkreis das Ganze nicht finanzieren könne, sei klar gewesen. Laut Wittig seien 1000 Fahrgäste pro Tag erforderlich. Untersuchungen gingen aber derzeit von gerademal 600 aus. "Jetzt eine neue Strecke aufzumachen, ist schwierig. Bad Düben ist aber generell schlecht angebunden an den öffentlichen Personennahverkehr, deshalb sollten wir dranbleiben und prüfen, auf welche Art und Weise die Stadt besser angebunden werden kann."

Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) plädiert inzwischen für ein anderes Vorgehen und ist gar nicht so unglücklich über die Rücknahme des SPD-Antrages. "Wir haben uns im Ältestenrat darauf verständigt, dass wir einen zahlenmäßig untersetzten Antrag erarbeiten." Dabei sei es auch wichtig, zu unterscheiden, "ob wir von täglichem Verkehr, den an Wochenenden oder an Feiertagen sprechen". Vorstellbar sei, dass die Firma Vetter in Sachsen-Anhalt die vorhandenen Gleise zwischen Eilenburg und Bad Düben mit einem sogenannten Zubringer nutze. Eine kostenintensive Elektrifizierung sei dafür nicht nötig. "Und dass es prinzipiell funktioniert", so Münster, habe die Schienenverbindung Pratau (ein Ortsteil von Wittenberg) und Bad Schmiedeberg gezeigt.

Bad Dübens CDU kann indes auch ohne S-Bahn leben. "Fest steht für unsere Fraktion: Wir brauchen eine bessere Anbindung", sagt Gisbert Helbing, stellvertretender Bürgermeister. Denn gerade am Wochenende und in Randzeiten reichten die Busverbindungen nicht aus. Kein Bad Dübener könne beispielsweise ein Konzert im Leipziger Gewandhaus mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen. "Für uns muss es aber nicht zwingend eine S-Bahn-Strecke sein. Die kürzere Verbindung haben wir sowieso über die Straße. Mehr Busse täten es für uns auch, zumal das natürlich auch wirtschaftlich betrachtet werden muss."

SPD-Stadtrat Michael Seidel hält eine Bahn-Anbindung dagegen für erstrebenswert: "Ich war selbst im Technik- und Umweltausschuss dabei. Dort wurden Zahlen vorgelegt, die für mich auch ein paar Unplausibilitäten enthielten." Klar sei aber geworden, dass der Landkreis kein Geld für die Bahnstrecke habe. Bad Düben, so führt der SPD-Stadtrat weiter aus, sei die "einzige größere Kommune im Landkreis", die über keinen Bahnanschluss verfügt. "Wir profitieren auch deshalb nicht vom Leipzig-Boom. Wir wollen das S-Bahn-Projekt nicht aufgeben, gehen jetzt als SPD aber zunächst einen Schritt zurück, um das Ganze nicht mit einem Schnellschuss kaputt zu machen." Gemeinsam mit den Anrainerkommunen an der Bahnstrecke soll das bereits von Münster erwähnte neue Zahlenwerk erarbeitet werden. "Im Blick haben wir dabei immer auch die neue EU-Förderperiode, in der Mobilität als Schwerpunkt formuliert ist. Prinzipiell geht es uns aber nicht nur um die Bahnstrecke. Auch das Erreichen der Goitzsche oder Wittenberg ist für Bad Düben und seine Gäste schwierig", erklärte Seidel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2015
Ilka Fischer / Nico Fliegner

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