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Laußig - ein Dorf ohne viel Leben

Laußig - ein Dorf ohne viel Leben

Laußig. Das einstige Industriedorf Laußig, das für Arbeitsplätze stand und in der ehemaligen DDR die Bevölkerungszahl in die Höhe schnellen ließ, verliert immer mehr an Glanz.

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David Himmer ist neben der Tafel der einzige Mieter im Heidecenter. Einzelhandel gibt es hier nicht mehr.

Quelle: Nico Fliegner

Industrie gibt es zwar auf dem alten Standort des Betonwerkes immer noch, doch die kommt mit weitaus weniger Personal aus. Das Dorfleben ist letztlich ein Dorf ohne viel Leben, was der Entwicklung seit der Wende geschuldet ist. Laußig drücken allerhand Probleme.

Es ist mitten in der Woche, Menschenleere auf den Straßen. Der Hausmeister des Heidecenters spritzt Dreck von den Gehwegplatten. Trostlos sieht es aus, wo es einst einen Super- und Drogeriemarkt gab, wo sich kleine Geschäfte angesiedelt hatten und sogar eine Gaststätte anfangs florierte. Das Heidecenter mitten in einem Wohngebiet ist seit Jahren verwaist, wird von einer Berliner Firma verwaltet. Nur die Tafel öffnet regelmäßig, verteilt Lebensmittel an Bedürftige.

Dort, wo sich eine Sparkassen-Filiale befand, gibt es noch den „letzten Mohikaner": Es ist der 24-jährige David Himmer, der eine Eventagentur betreibt. Er hat die Räume als Büro und Lager vor Kurzem bezogen. „Die Miete ist preiswert und das Objekt liegt direkt an der S 11", nennt er die Vorzüge. Es hätte ihm gut gefallen, so der gelernte Kfz-Mechatroniker, der seit drei Jahren selbstständig ist und Feiern und Feste mit Zelten und Musiktechnik ausstattet.

Über sein Geschäft kann der Gemeindevertreter der Linkspartei nicht klagen – über sein Dorf dagegen schon. „Der Zustand von Laußig ist erschreckend", sagt der junge Mann. Wenn die Grundschule noch wegbricht, fehle ein weiterer wichtiger Attraktivitätsfaktor. Schon jetzt gebe es eine „hohe Flucht" – was wohl auch auf die in Millionenhöhe verschuldete kommunale Wohnstätten GmbH zurückzuführen ist. Die Blöcke im Dorf müssten dringend saniert werden und die Mieten sinken, sagt Himmer. Doch größere Investitionen sind in den vergangenen Jahren versäumt worden und können heute aufgrund der finanziellen Schieflage nicht getätigt werden. Immer mehr Laußiger kehren dem Dorf den Rücken – ein anhaltender Trend. Die offiziellen Zahlen belegen das: 1990 zählte Laußig noch 2530 Einwohner. Bis heute haben mehr als die Hälfte den Ort verlassen – etwa 1160 Menschen leben derzeit im Dorf. Viele sind der Arbeit hinterher gezogen, andere haben sich attraktiven Wohnraum im nahen Eilenburg oder Bad Düben gesucht. Einer Umfrage des Sausedlitzer Planungsbüros Schiemann zufolge sind die Wegzugsabsichten in den zur Gemeinde Laußig gehörenden Ortschaften in Laußig selbst am höchsten. Für viele ein Alarmsignal. Auch deshalb kämpfen die Verbliebenen für den Erhalt der Grundschule. Denn die hält Familien im Dorf.

Andererseits gibt es in Laußig noch eine Infrastruktur, die in anderen vergleichbaren Ortschaften längst fehlt. Im Dorfkern sind ein Lebensmittelmarkt, Bäcker und Fleischer zu finden, es gibt eine Arztpraxis, eine Apotheke, ein Friseurgeschäft, eine Bierstube und einen Landhandel. Ebenso existieren klassische Handwerksbetriebe. Auch ein Vereinsleben ist präsent, vor allem im Breitensportbereich.

Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) weiß um die prekäre Situation. Nicht ohne Grund hat die Gemeinde die Erstellung eines Demografiekonzeptes beauftragt, das die Schwachpunkte analysiert und in einer weiteren Phase Handlungsempfehlungen geben soll. Das Projekt ist sachsenweit einmalig, Laußig hat die Funktion einer Modellkommune und verspricht sich einiges davon. Oberstes Ziel ist es, politische Rahmenbedingungen für ein attraktives Dorfleben zu schaffen – möglichst mit Hilfe des Freistaates. Doch das Konzept wird von den Leuten vor Ort mitunter auch skeptisch gesehen; nicht alle glauben an den Erfolg. Ambitionierte Ziele hat dagegen der neue Ortsvorsteher Dietmar Schübel. Er will Laußig „mit Leben erfüllen" und dafür „die Vereine ins Boot holen".

Die Hoffnung ob der dürsteren Vorzeichen haben jedenfalls nicht alle verloren – zumindest in den Reihen der politisch Engagierten. Dort herrscht Realismus pur: Bürgermeister, Ortsvorsteher und Gemeindevertreter sind sich bewusst, dass sie das Rad nicht von heute auf morgen drehen können.

Aufstieg zum Industriedorf

• Laußig wurde im Jahre 1346 erstmalig urkundlich erwähnt und „Luzk" genannt. Das bedeutet „Sumpflachen". Tatsächlich war der Ort ringsum von Sumpf umgeben. Man schätzt, dass Laußig aber bereits um 700 entstanden ist.

• Der Ort war einst von geringer wirtschaftlicher Bedeutung und galt als Vorwerk der Orte Gruna und Pristäblich. Dort standen die Rittergüter und Herrenhäuser derer von Spiegel und Hohenthal. Der Ort selbst zählte anfangs 17 Familien.

• 1934 entstand an der Mulde ein Kies- und Betonwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg florierte das Werk. 1958 kam ein neuer, großer Betriebsteil hinzu, das Spannbetonrohrwerk.

• 1963 Bau des Kulturhauses der Betonwerker. Im Jahr 1969 erfolgte die Grundsteinlegung für ein Gasbetonwerk, 1970 nahm es die Produktion auf.

• Neben der Industrie gab es in Laußig auch eine starke Landwirtschaft, wie den Betrieb der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft mit eigener Bank und ein Agrochemisches Zentrum (ACZ).

• Laußig entwickelte sich zur Industriegemeinde, veränderte sein Gesicht. Viele Familien mit Kindern verlegten ihren Wohnsitz nach Laußig. Deshalb mussten ab den 1960er-Jahren neue Wohnblöcke errichtet werden. Mittelschule, Grundschule und Kindertageseinrichtungen wurden gebaut.

Quelle: Gemeindechronik

Nico Fliegner

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