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Leipziger Ehepaar übernimmt Köhlerei am Eisenhammer

Dübener Heide Leipziger Ehepaar übernimmt Köhlerei am Eisenhammer

Die Köhlerei am Eisenhammer nahe Bad Düben hat neue Besitzer. Das Leipziger Ehepaar Norma und Jörn Austinat kauften das Betriebsgelände von Köhler Hans-Joachim Lindner. Und sie haben viele Pläne mit der Köhlerei.

In diesen sechs Stahlglocken wird Holzkohle produziert. Zwischen zwölf und 15 Raummeter Buchenholz passen hier rein. Etwa sieben Tage mit bis zu 500 Grad Erhitzung, immer unter Kontrolle, dauert es, bis das Ergebnis brauchbar ist. Gute Holzkohle raucht nicht, brennt nicht, weil die flammenbildenden Gase schon bei der Verkohlung entwichen sind.
 

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben.  Wenige Kilometer nördlich von Bad Düben und direkt an der Bundesstraße 2 weist ein eher unscheinbares Zeichen auf eine Besonderheit hin. Mehr ist vielleicht auch gar nicht nötig. Ortskundige machen mit Fremden bei der Vorbeifahrt gern ihre Spielchen. Seitenfenster runter drehen, Augen schließen und tief einatmen. Der kienharzige Geruch lässt kaum Varianten zu. Schnell ist der kurze Abzweig genommen – zur Köhlerei am Eisenhammer in der Dübener Heide, eine der letzten ihrer Art in Mitteldeutschland.

Köhler Lindner im Ruhestand

Rehpinscher Gizzmo begrüßt jeden Gast freudig. Die Köhlerei ist für den kleinen Hund ist erst seit Kurzem das neue Zuhause. Denn sein Frauchen und Herrchen sind die neuen Besitzer. Das Leipziger Ehepaar Norma und Jörn Austinat kauften im April das Betriebsgelände von Hans-Joachim Lindner. Er konnte damit in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Schon viele Jahre hatte der Köhler versucht, das Objekt weiterzugeben. „Es war eine sogenannte stille Übergabe. Ohne viel Tamtam. Wir haben uns damit ganz schön was vorgenommen. Doch wir haben Ideen und Visionen, wo wir mit der Köhlerei irgendwann hinwollen“, sagt Norma Austinat.

Sie und ihr Mann Jörn gaben mit dem Kauf der Köhlerei ihr altes Berufsleben auf. Erfahrungen mit der Herstellung von Holzkohle hat allein Jörn Austinat. Er ist der neue Köhler in der Dübener Heide. „Mein Mann stammt aus der Umgebung und hat in seiner Jugendzeit das Köhlern bei Hans-Joachim Lindner von der Pieke auf gelernt. Leider gibt und gab es für diesen Traditionsberuf keine klassische Ausbildung im üblichen Sinn“, erzählt Norma Austinat.

Viele Jahre später ist das Paar wieder in der Dübener Heide. Sammelt Pilze rund um die Köhlerei und kommt mit Lindner ins Gespräch. Dabei erfahren die Austinats auch, dass er das Objekt verkaufen möchte. „Wir haben dann zu Hause diskutiert. Es war plötzlich interessant für uns. Hier würde man sehen, was man geschaffen hat und man ist unabhängig. Wir haben uns damit über Jahre beschäftigt. Der Gedanke muss schließlich reifen, um so ein Mammutprojekt in Angriff zu nehmen“, erzählt die gelernte Projekt- und Veranstaltungsmanagerin. Schließlich griffen sie zu.

Viele Pläne mit der Köhlerei

Die Messestädter haben mit der Köhlerei viel vor. Sie planen einen Ort der Begegnung. Hier sollen vor allem an den Wochenenden viele Besucher kommen, Schulklassen im Rahmen von Projekten viel über die Köhlerei erfahren, es sollen Führungen stattfinden, ein Riesenspielplatz für Kinder entstehen, auf einer Bühne wollen die Austinats Musikabende und vieles andere stattfinden lassen. „Das 11 000 Quadratmeter große Areal ist dafür bestens geeignet. Früher war es nur das klassische Ausflugsziel für Wochenendler. Heute muss man sich schon etwas mehr anstrengen. Zwar lockt der Verkauf unsere Holzkohle viele an, aber das soll nur ein Standbein werden. Mittlerweile haben wir auch den Imbiss, der zehn Jahre geschlossen war, wieder in Gang gebracht. Gerade an den Wochenenden haben wir gemerkt, dass viele vorbeischauen und gerne Kaffee und Kuchen nehmen. Und auch der Grill ist wieder sehr beliebt“, erzählt die Inhaberin.

Holzkohle aus der Heide ist gefragt

In den vergangenen Jahren kam der alte Köhler kaum noch mit den Bestellungen der Holzkohle nach. So konnten in den vergangenen Monaten nicht mehr alle Wünsche der Kunden erfüllt werden. Hamsterkäufe ließen das Vorratslager schrumpfen. Deswegen blieb dem neuen Köhler kaum Zeit, um Luft zu holen. Er musste sofort mit dem Köhlern beginnen, um Nachschub zu produzieren. Mittlerweile stapeln sich wieder die ersten Holzkohlesäcke im Lager. „Wir sind zur Zeit dran, die Produktion schrittweise zu erhöhen. Die Herstellung von Holzkohle ist reine Handarbeit und eine schwere körperliche Arbeit“, weiß Jörn Austinat. Doch die neuen Besitzer können sich auch auf ihre Freunde verlassen, die gelegentlich bei den Aufräumarbeiten mit anpacken. Derzeit muss neben der Holzekohleproduktion auch das gesamte Areal entrümpelt werden. „Es ist zwar harte Arbeit, aber eine traumhafte Gegend mitten im Wald. Hier kann man wunderbar entschleunigen“, schwärmt Norma Austinat.

In den nächsten Wochen sollen auch die ersten Vorbereitungen für ein kleines Museum beginnen. Hier wird die Geschichte der Köhlerei dargestellt. Auch der Schaumeiler soll gleich am Eingang aufgebaut werden. Der Vorgänger hatte 365 Tage im Jahr geöffnet. Fast rund um die Uhr. Das zumindest wird sich bei den neuen Besitzern etwas ändern. Holzkohle gibt es wochentags zwischen 8 und 18 Uhr und an den Wochenenden von 9 bis 19 Uhr. Dann hat auch der Erlebnisgrill und der Imbiss von 11.30 bis 19.00 Uhr geöffnet.

Von Steffen Brost

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