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Bad Düben Lothar Richter – der stille Helfer in Laußig
Region Bad Düben Lothar Richter – der stille Helfer in Laußig
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00:30 08.01.2016
Seitdem die ersten Flüchtlingen in Laußig ankamen, engagiert sich der Laußiger Lothar Richter (re.) bei der Integration. Fünfmal in der Woche lädt der Vorruheständler zum Deutschkurs ins Bürgerzentrum. Quelle: Steffen Brost
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Laußig

Jeden Tag pünktlich um zehn Uhr sitzen im Ländlichen Bürgerzentrum in Laußig Flüchtlinge an einem großen Tisch. Es ist Zeit für den Deutschkurs. Vor jedem der Teilnehmer liegen ein Schreibblock und Stifte. Auf den weißen Blättern stehen die Übungen vom Vortag. „Das haben wir seit gestern geübt“, sagt Rasha Shekhmons. Die junge Frau kam erst vor Kurzem mit Sohn Ibrahim und Mann Mohammad aus Syrien nach Deutschland. Laußig soll die neue Heimat werden. Vorruheständler Lothar Richter kennt alle schon recht gut. Der 59-Jährige unterrichtet seit vergangenem Jahr „die neuen Bürger“, wie er sie nennt, in der deutschen Sprache. „Ich beobachtete die Sache schon recht lange. Ende des Jahres 2014 habe ich gemerkt, da kommen noch mehr Flüchtlinge. Damals dachte ich, ich kann und will mich einbringen. Also bin ich zu unserem Bürgermeister und wollte mehr über die Situation wissen, was hier in Laußig auf uns zu kommt“, erzählt Richter.

Mit dem Gemeindechef kam er schnell ins Gespräch. Spontan erklärte er sich bereit zu helfen. Ein Treffen im Februar des vergangenen Jahres zwischen Laußigern, Flüchtlingen und der Gemeinde brachte konkreten Aufschluss. „Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration ist die Sprache. Sie ist das wichtigste. Ohne sie funktioniert nichts“, weiß der Laußiger. Hilfe bekommt Lothar Richter von seiner Frau. Sie ist Lehrerin in Bad Düben. Zudem helfen ihm seine Grundkenntnisse in Englisch und Russisch von früher.

Anfang März vorigen Jahres begann der tägliche Sprachkurs im Bürgerzentrum. Manche können gar nicht genug bekommen. Oft wird er gefragt, ob er nicht auch an den Wochenenden kommen könnte. Seine Schüler stammen aus Syrien, Afghanistan, Georgien, Tschetschenien und Pakistan.

Gleich von Anfang an versucht Lothar Richter den vielen unterschiedlichen Mentalitäten ein Grundverständnis der deutschen Regeln zu vermitteln. „Disziplin, Pünktlichkeit und der Wille sind die Voraussetzung eines erfolgreichen Deutschkurses. Dabei ist mir völlig wurscht, ob Kinder, Erwachsene, Junge oder Ältere vor mir sitzen“, sagt er. Manche seiner Schüler nehmen es allerdings gelegentlich nicht so ernst mit dem konsequenten Lernen. Hin und wieder kommt es vor, dass sie einfach wegbleiben, wenn sie denken, sich mit Deutsch einigermaßen verständigen zu können. Da kann dann auch Lothar Richter nichts machen. Doch die Mehrheit lernt dafür umso intensiver und will sich schnell integrieren.

Mittlerweile sind auch echte Freundschaften entstanden, denn der Laußiger hilft über den Deutschkurs hinaus gerne. „Ich fahre mit den Asylbewerbern auch mal nach Bad Düben und Eilenburg. Dort zeige ich ihnen, wo sich die Supermärkte und öffentliche Einrichtungen befinden. Oder wir fahren mal mit dem Bus. Wie das alles funktioniert, das versuche ich ihnen im Kurs beizubringen.“

Richter macht seinen ehrenamtlichen Job mit Leidenschaft und Hingabe. Der Dank ist ihm sicher. Viele bringen mit frisch gelernten Vokabeln ihren Dank zum Ausdruck. „Ein Handschlag oder ein Lächeln ist mir Dank genug. Die Dankbarkeit, dass sie Hilfe bekommen, ist ihnen jedes Mal anzusehen“, weiß Richter.

Auch Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider ist voll des Lobes für seine Helfer in der Gemeinde. „Wir haben zur Zeit 60 Flüchtlinge aufgenommen und untergebracht. Und wir haben tolle Helfer wie beispielsweise Lothar Richter, der jeden Tag versucht, die Menschen etwas mehr in unsere Gesellschaft zu integrieren. Davor kann man nicht genug den Hut ziehen“, lobte das Gemeindeoberhaupt.

Von Steffen Brost

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