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Bad Düben Magischer Abend: Englische Romantik im Dübener Heide Spa
Region Bad Düben Magischer Abend: Englische Romantik im Dübener Heide Spa
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14:07 21.12.2015
Große Erwartungen, großartiger Konzertabend: Die Kurrende mit Orchester im Heide-Spa-Konzertsaal Quelle: Steffen Brost
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Bad Düben

Es gibt manchmal in Konzerten diesen einen magischen Moment, der aus einem guten ein herausragendes Erlebnis macht. Ein Moment, wo das Publikum die Luft anhält, wo Glanz die Augen trübt, wo die Musiker über der Partitur zu schweben scheinen. Im Weihnachtskonzert der Kurrende am Sonnabend im Heide-Spa-Konzertsaal gab es diesen Moment. Und zwar ziemlich genau auf der Zielgeraden des „Magnificats“ von John Rutter, jenem großartigen Mariengesang zur Weihnachtszeit, mit dem der britische Komponist seinen Ruf als „ Bach des 21. Jahrhunderts“ zu Recht erlangte.

In das raffinierte polyphone Werk, das einen unglaublich weiten Spannungsbogen von der klösterlichen Gregorianik bis zum Swing des Musical-Sounds zieht, hat Rutter einen kleinen temperamentvollen Vulkanausbruch eingebaut. Er wählte dafür den fünften von sieben Chören aus, der schon allein von seiner biblischen Vorlage für ein Überraschungsmoment ideal geeignet ist: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ Diese Kampfansage aus dem Lukas-Evangelium lässt Rutter zu einer Lektion werden: mit einem fulminanten Aufbrausen im Orchester und einem mächtigen Crescendo im Chor. Man kann als Ensemble an dieser komplexen Vorgabe des Briten kläglich scheitern. Oder triumphieren. Der Kurrende und dem Kammerorchester der Uni Halle-Wittenberg gelingt letzteres. „Fecit potentiam... Er vollbringt machtvolle Taten“: der Chor glänzt mit Taten und behält die stimmliche Oberhoheit, obwohl im Orchester die Becken scheppern und die Celli schrammeln, als gäbe es keinen neuen Sonnenaufgang mehr. Einfach wunderbar! In diesem Moment für die Götter hält auch der letzte Erkältungsgeplagte im Publikum kurz den Atem an und lässt sich von dieser grandiosen Musik kurieren.

Vor drei Jahren hatte Kurrende-Kantor Lothar Jakob das „ Magnificat“ zum ersten Mal in Bad Düben einstudiert und aufgeführt. Eine Premiere, nach der viele sagten: Schade, dass dieses großartige Werk so selten aufgeführt wird. Vielleicht waren es diese Worte, die Jakob zu einer Wiederholung drängten. Eine Wiederauflage, die nicht ohne Risiko war. Schließlich lag die Messlatte nach der 2012er Premiere diesmal hoch, große Erwartungen waren geweckt. Diese Anspannung, noch einmal ein großes Weihnachtskonzert zu gestalten, war Lothar Jakob denn auch anzumerken: Hochkonzentriert, mit fast versteinerte Mimik dirigierte er das Ensemble. Erst mit dem Schlussakkord huschte ein erstes Lächeln über sein Gesicht. Bevor er dann, vom Publikum mit minutenlangen Ovationen gefeiert, befreit lachend den Solisten, Chorsängern und Orchestermusikern dankte. Es waren wohl auch solche Emotionen, die aus diesem Konzert ein besonderes machten.

„Die Magie der Musik steht über allem“ hat einmal der frühere Gewandhauskapellmeister Kurt Masur gesagt, dessen Todesnachricht wenige Stunden vor Konzertbeginn bekannt wurde. Masur hätte sich an diesem Abend in Bad Düben bestätigt gefühlt: an diesem magischen Abend.

Von Olaf Majer

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