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"Mein Vater hat mir mein ganzes Leben gefehlt"

"Mein Vater hat mir mein ganzes Leben gefehlt"

Werner Stärtzel ist ein Mann der ersten Stunde - und das in vielerlei Hinsicht. Er hat in jungen Jahren ein Institut für Arbeitsschutz im Bauwesen in Berlin aufgebaut, war mit der Aus- und Weiterbildung von Ingenieuren in Ägypten eine Zeitlang beschäftigt, hat ein weiteres Institut in Bagdad und das Heide Spa in Bad Düben als erster Kurdirektor aus der Taufe gehoben.

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Sein liebster Ort in seinem Haus: das Büro im Kellergeschoss. Von dort aus führt Werner Stärtzel noch heute die Geschäfte seines Ingenieurbüros.

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. Nächsten Mittwoch wird "der Professor", wie er oftmals salopp, aber voller Respekt genannt wird, 80 Jahre alt, wird einen Empfang im Hotel National ausrichten, Freunde und Weggefährten an diesem für ihn besonderen Tag begrüßen.

Die 80 Jahre sieht man dem studierten Maschinenbauingenieur, der später an der Hochschule in Leipzig zum Professor mit eigenem Lehrstuhl berufen wurde und unzählige Studenten bis kurz nach der Wende ausbildete, nicht an. Er versucht sich körperlich und geistig fit zu halten, so gut es geht und die Zeit es eben zulässt. Er schwimmt, würde gern mehr aufs Fahrrad steigen, liest - manchmal drei Bücher parallel - und macht Kreuzworträtsel. Und Stärtzel ist handwerklich geschickt, hat eine kleine Werkstatt auf seinen Waldgrundstück in der Hammermühle, "selbst gebaut", wie er betont, und bringt alte Möbel auf Hochglanz. Zurzeit errichtet er eine kleine Mauer und Sitzterrasse unter hohen Kiefern - und führt noch sein 1992 gegründetes Ingenieurbüro für Sicherheitstechnik. Langweilig wird es ihm nie, auch wenn er jetzt nach 15 Jahren als Stadtrat für die CDU in Bad Düben, zehn davon als stellvertretender Bürgermeister, aufhört.

Stärtzel braucht die Unruhe - immer schon. Er sitzt noch heute stundenlang in seinem Büro, arbeitet viel, früher am liebsten nachts und bis zum Morgengrauen. "Beruf und Arbeit hatten immer Vorrang", so der Vater zweier Kinder und Großvater von fünf Enkeln. Dies sei schon zu DDR-Zeiten so gewesen, mitunter litten die Familienurlaube und Wochenenden, die Stärtzels in ihren Leipziger Zeiten oft in Bad Düben in ihrer kleinen Datsche verbrachten, erzählt seine Frau Christine. Nur die Gartenarbeit, die sei nicht sein Ding. "Gärtner wäre ich nicht geworden, dann eher Maurer", lacht der 1934 in Altlandsberg bei Berlin Geborene, den es anschließend mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Peter und der Mutter zu den Großeltern nach Düben zog; der Vater war im Krieg zurückgeblieben. Werner Stärtzels sonst so klare, sonore Stimme fällt plötzlich ab, als er davon erzählt, seine Augen glänzen ein wenig. "Mein Vater hat mir mein ganzes Leben gefehlt." Bis heute lässt ihn das nicht los. Bis heute umtreiben ihn diese Gedanken. Seinem Vater und anderen Kriegsgefallenen widmete er schon vor Jahren in der Stadtkirche eine Tafel. Ein Ort der Erinnerung soll es sein, für ihn und andere, denen das selbe Schicksal widerfahren ist.

Stärtzels Kindheit und Jugend waren durchaus von Entbehrungen geprägt, Kartoffeln stoppeln und Ähren sammeln gehörten dazu. Trotz allem habe er eine glückliche Kindheit gehabt. Noch nicht mal zehn Jahre alt, besuchte er eine Elite-Schule in Naumburg, später die Oberschule in Eilenburg. Seine Mutter heiratete 1948 Arthur Mehrer. Elf Jahre später heiratete er seine Christine, ein Jahr später wurde ihr Sohn geboren, 1964 die Tochter, die heute mit ihren Familien im Ausland leben, international tätig sind - wie der Vater damals.

Auch wenn Werner Stärtzel der Kommunalpolitik den Rücken gekehrt hat, will er sich weiter ehrenamtlich engagieren - im Rotary Club oder Museumsdorfverein sowie für die Kurstadt. Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) habe ihn persönlich darum gebeten, an der Kurstadtprädikatisierung mitzuarbeiten. Für ihn eine Ehre. Überhaupt würde er gern sehen, wenn Bad Düben als Kurstadt wieder mehr Fahrt aufnimmt. "Mir fehlt der Fokus auf die Kurentwicklung." Privat hat er nur einen Wunsch: "Möglichst lange mit meiner Frau gesund bleiben und munter leben, bis wir eines Tages gemeinsam abberufen werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2014
Von Nico Fliegner

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