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Bad Düben Mit Förderverein Personalabbau stoppen: Der Jenaer Weg zum Dübener Pfarrer
Region Bad Düben Mit Förderverein Personalabbau stoppen: Der Jenaer Weg zum Dübener Pfarrer
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00:21 23.09.2017
Bad Düben kämpft um eine ganze Pfarrstelle. Quelle: Majer, Olaf
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Bad düben

Wie kommt Düben wieder zu einem Pfarrer? Antwort: 200 oder mehr Dübener spenden mindestens 10 Euro im Monat. Dazu gründet sich ein Förderverein, der mit Beiträgen und weiteren Einnahmen das Gemeindeleben stärkt.

Was in der Theorie so einfach klingt, ist in der Praxis ein anstrengender Weg. Das wurde am Montag beim Infoabend zur Gründung eines Kirchen-Fördervereins schnell klar. Euphorische Zustimmung, kritische Gedanken, skeptische Meinungen waren es denn auch, die die Diskussionsrunde in der Stadtkirche prägten. Rund 60 Gäste waren der Einladung des Dübener Gemeindekirchenrates (GKR) und des Kirchspiels Tiefensee gefolgt.

Dringender Wunsch nach einem „ganzen Pfarrer“

Der dringende Wunsch nach einem „ganzen Pfarrer“ ist das, was der erfolglosen Suche nach einem „halben“ folgt. 2016 hatte der Kirchenkreis Torgau-Delitzsch eine Reform beschlossen, die sinkenden Mitgliederzahlen geschuldet ist und die Reduzierung von Pfarrstellen vorsieht. Was heißt: je eine halbe Pfarrstelle für Eilenburg und Bad Düben. Mit Stephan Hoberg gibt es zwar einen jungen Mann, der als Sonder-Vikar Pfarr-Dienste leistet – aber eben für beide Städte und begrenzt bis April. Und dann? Gottesdienste feiern, Jugendarbeit und Seelsorge leisten, die Gemeinde als kleines Unternehmen führen sowie öffentlich für Kirche und das Evangelium einstehen zu können – dafür reicht eine 50-Prozent-Stelle einfach nicht, sagt der GKR. „Auch mit Blick auf das Evangelische Schulzentrum in Bad Düben müssen wir weiter denken“, mahnt Ratsvorsitzender Wolfgang Rieger personelle Verstärkung an.

Wie es gehen könnte, zeigt die Luther-Gemeinde Jena. Nach dem Wegfall der Pfarrstelle nahm die 2000 Mitglieder zählende Gemeinde ihren Landesbischof wörtlich, der gesagt hatte: Die „Versorgungskirche“ muss eine „Beteiligungskirche“ werden. 1998 wurde ein Förderverein gegründet, der heute 80 Mitglieder zählt. Verein und rund 200 Spender pro Jahr finanzieren inzwischen eine ganze Pfarrstelle und weiteres Personal.

Der Jenaer Weg

Ob der Jenaer Weg zu einem ganzen Dübener Pfarrer führt, versuchte ein Gemeinde-Quartett Anfang Juli vor Ort in Thüringen herauszufinden. Ihr Fazit: Eine durch Spenden kofinanzierte Pfarrstelle ist auch für die Kurstadt möglich, auch wenn die Umstände nur bedingt vergleichbar sind. So sammelt der Jenaer Förderverein im Jahr etwa 120 000 Euro Spenden ein. Für Bad Düben eine utopische Zahl. Am Montagabend wurde deshalb eine bescheidenere Rechnung aufgemacht. Da eine halbe Pfarrstelle laut EKM-Gehaltstabelle anfangs mit 1800 Euro zu Buche schlägt, wären also rund 22 000 Euro als Spenden-Minimum im Jahr nötig. Vereinfacht gesagt: 200 Dübener zahlen 10 Euro pro Monat und machen so einen ganzen Pfarrer möglich. Welche Nebenkosten (Kassenbeiträge, Pensionsrücklagen) eventuell noch dazu kommen, soll in Kürze geklärt sein.

So weit die Theorie. Und der wollen, so der erste Eindruck am Abend, etliche Bad Dübener gern folgen. Pfarrer i.R. Karl-Heinz Uth reagierte spontan: „Ich mache mit.“ Holger Voigt will mitarbeiten, sagt mit Blick auf Kirchensteuern aber auch: „Unproblematisch finde ich es nicht. Eigentlich müsste das Signal von der Kirche kommen.“ Kantor Norbert Britze mahnte zudem, dass der Verein vor der Pfarrersuche zuerst ein finanzielles Polster ansparen sollte. Unterstützung gibt es auch von den prominenten Theologen Christian Wolff und Friedrich Schorlemmer, die beide in Briefen und Statements der Dübener Gemeinde Mut machen. Annemarie Wartenburger zitierte einen Ratschlag Wolffs, wie der Förderverein wirken könne: „Nicht nur die Pfarrstelle sehen, sondern die Arbeit der ganzen Gemeinde, kurz gesagt: Von der Briefmarke bis zum Pfarrer-Gehalt.“

Flyer im Umlauf

Wie groß die Sehnsucht der Dübener nach ihrem Pfarrer tatsächlich ist, werden nun die nächsten Wochen zeigen. Ein Flyer ist im Umlauf, wo jeder angeben kann, ob er als Spender oder Vereinsmitglied wirken möchte. Wolfgang Rieger sieht das Ergebnis mit optimistischer Gelassenheit. „Es würde mich nur traurig stimmen“, so Rieger, „wenn gar nichts passiert.“

Von Kathrin Kabelitz

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