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Bad Düben Modellprojekt: Immer mehr Freiwillige packen im Naturpark Dübener Heide an
Region Bad Düben Modellprojekt: Immer mehr Freiwillige packen im Naturpark Dübener Heide an
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Ran an die Äste: Freiwillige befreien eine ökologisch wertvolle Heidekrautfläche von Bäumen und Sträuchern, damit sich das Kraut besser entfalten kann. Quelle: Heideverein
Bad Düben

Das Projekt mit dem etwas sperrigen Namen "Entwicklung und Erprobung zukunftsfähiger Formen bürgerschaftlichen Engagements für Naturschutz und nachhaltige Heimatentwicklung" wird vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft gefördert. Aus Sicht von Axel Mitzka, der selbst studierter Landwirt ist, ein Erfolg. Denn seine Erfahrung der vergangenen zwei Jahre ist: Bürger, Familien und Jugendliche bringen sich gern für Natur und Umwelt oder ihre Heimatregion ein – mit Zeit und mit Geld.

Stichwort Zeit: Der Verein Dübener Heide hat im bisherigen Projektverlauf mit insgesamt 47 Engagierten einen Freiwilligenvertrag abschließen können. Aktionen wie der Heidekrauttag am Tag der Deutschen Einheit, bei dem jeder unverbindlich reinschnuppern kann, aber in dem auch unerwünschte Bäume und Sträucher zugunsten des Heidekrautes entfernt werden, haben sich als Schubgeber bewährt. Das längerfristige Engagement selbst ist dann so unterschiedlich wie das Alter, die Interessen und die Leidenschaften der  Helfer. „Wir haben Freiwillige, die Wanderwege oder Biberreviere betreuen, welche, die öffentliche Bienenhäuser im Blick behalten, aber auch ein Medienteam mit Jugendlichen, das Filme von den Engagement-Aktionen im Internet auf Youtube einstellt oder das bei Facebook postet“, sagt Mitzka. Dass es sich für den Verein Dübener Heide lohnt, auf soziale Medien zu setzen, zeige zudem ein weiteres Beispiel: „Ein junger Leipziger, der auf Facebook von uns las, übernimmt jetzt die Pflege der Rasthütte am Hohen Gieck, der mit 193 Meter höchsten Erhebung in der Dübener Heide“, freut sich Mitzka. Erst in diesen Tagen habe er auch einen jungen Landwirt in den Reihen der Freiwilligen begrüßen können, der wertvolle Waldwiesen in Tornau pflegen wird. Drei Heidefreunde hätten sich außerdem bei dem Engagementangebot „Lust auf Waldluft“ gemeldet. Sie werden künftig helfen, die Markierungen  und die Rastplätze der Wanderwege zu unterhalten.

Stichwort Geld: Axel Mitzka hat auch ein deutliches Ja als Antwort auf die Frage gefunden, ob das sogenannte Crowdfunding, bei dem also für Projekte über eine Internetplattform Geld gesammelt wird, auch im Naturschutz und bei der Heimatentwicklung funktioniert. Dabei standen mit der Ansiedlung eines Bienenvolkes auf einer Schnaditzer Streuobstwiese, dem Bau eines Hobbithauses in Sprotta  oder der Unterstützung des Landschaftstheaters in Bad Düben ganz verschiedene Ideen im Vordergrund. Allen gemeinsam aber ist: Sie fanden mit 14, 30 und 77 jeweils genügend Unterstützer. Die benötigen Geldsummen zwischen 300 und 8952 Euro wurden sogar in allen drei Fällen leicht überboten.

Spannend verlief indes die Erprobung der ersten Heimat-Auktion in der Naturparkregion. So kamen bei einer Versteigerung von elf Holzskulpturen wie „Der große Wurf“, „Der müde Wanderer“, „Schweinerei“ oder „Die verfressenen Bären“, die allesamt beim Fest „Kunst mit Kettensägen“ in Tornau entstanden waren, knapp 4000 Euro zusammen. „Damit“, so Axel Mitzka weiter, „kann nun der Grundstock für einen Heimatfonds gebildet werden.“ Dieser wiederum wird zukünftig Strategien und Initiativen fördern, die sich der Verbesserung der ökologischen, kulturellen und sozialen Lebensbedingungen in der Dübener Heide widmen. Denn so viel ist für den Vereinschef am Ende des Projektzeitraumes und im 25. Jahr der Gründung des Heidevereins klar: Bürgerschaftliches Zeit- und Geldengagement ist das Fundament für die weitere Entwicklung der Dübener Heide. Dabei ist die Erkenntnis nicht neu – nur was Spaß macht und Sehnsüchte still, findet letztlich Unterstützer.

Die Projektergebnisse werden jetzt in einem Leitfaden veröffentlicht, der anderen Regionen in Sachsen helfen kann, ähnliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Mehr Infos zum Freiwilligen-Projekt „Engagement 2020“ in der Dübener Heide: www.regiocrowd.de