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Moll Betonwerke wollen in Hessen bauen, stoßen aber auf massiven Widerstand

Moll Betonwerke wollen in Hessen bauen, stoßen aber auf massiven Widerstand

Laußig. Die Laußiger Leonard Moll Betonwerke wollen investieren. Zu den bereits vorhandenen Werken in Hannover und Laußig sowie den Auslandstochtergesellschaften in Polen, Kroatien und England soll in der hessischen Gemeinde Biebesheim ein drittes großes Werk entstehen.

Werksleiter Albrecht Wiehe (rechts) führt der Delegation aus Biebesheim durch das Betonwerk. Hier erfahren sie, wie Weichenschwellen hergestellt werden.

Quelle: Steffen Brost

Rund 25 Millionen Euro will das Unternehmen in den Neubau stecken. "Schwellenbau hat eine große Bedeutung. Durch die hohe Gleisdichte in Deutschland ist der Bedarf da. Die Deutsche Bahn ist unser Hauptabnehmer. Deshalb wollen wir in einen dritten Standort investieren. In Biebesheim soll ein Werk mit rund 100 000 Quadratmeter Größe entstehen", begründet Moll-Vorstand Thomas Müller die Planungen.

Doch die Betonwerker stoßen in der 6400-Seelengemeinde auf Widerstand. Eine Bürgerinitiative mit rund 20 Gegnern hat sich gebildet, nachdem das Vorhaben bekannt wurde. Erreicht haben sie bis jetzt, das am 28. September ein Bürgerentscheid über den Bau entscheidet. Krach, Staub und Umweltschädigung führt die Bürgerinitiative als Gegenargumente auf. "Eine Entscheidung dagegen würde uns schon treffen und unser Vorhaben verzögern, weil wir dann nach einem neuen Standort suchen müssten. Das gestaltet sich recht schwer. In Biebesheim sind die Bedingungen gut, benötigte spezielle Gleise bereits vorhanden", so Müller weiter.

37 Vertreter aus Gemeinderat und Bürgerschaft kamen deshalb jetzt nach Laußig. Unter ihnen auch Bürgermeister Thomas Schell. "Wir sind dem Investor sehr dankbar für diese Einladung. So können wir vor Ort sehen, wie alles funktioniert und was uns erwartet - sollte der Bürgerentscheid für den Bau stimmen. Wir sind ein sogenanntes Unterzentrum und haben ein Gewerbegebiet, auf dem das Werk entstehen soll. 80 Arbeitsplätze hat Laußig versprochen. Dazu sollen bei der Vergabe der Bauleistungen auch regionale Firmen berücksichtigt werden. Ich als Bürgermeister stehe voll hinter dem Vorhaben und hoffe, dass das Betonwerk bei uns entsteht", erklärte Schell.

Moll-Vorstand und Werksleiter Albrecht Wiehe informierten zunächst über das Unternehmen. Das mache deutschlandweit einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro. In Laußig wurden seit 1994 fünf Millionen Gleisschwellen sowie 600 000 laufende Meter Weichenschwellen hergestellt. "Unsere Produktionsstätten ermöglichen neben dem Bau von Gleisschwellen auch die Herstellung von Weichen-, Kreuzungs- und Sonderschwellen, Schienentragkörpern und sogenannten Längsbalken für den Nahverkehr. Außerdem arbeiten wir Altschwellen auf. Unsere 65 Mitarbeiter in Laußig produzieren pro Jahr im Ein-Schichtsystem etwa 150 000 Gleischwellen. Zweischichtig sind sogar 280 000 möglich", so Wiehe.

Bei einem Rundgang konnten sich die Gäste informieren und erlebten live, wie die Gleisschwellen entstehen. Auch Matthias Hiemenz von der Bürgerinitiative "Liebenswertes Biebesheim" war beim Vor-Ort-Termin dabei. "Wir sind gegen den Neubau und den damit verbundenen Flächenfrass in unserer Region. 15 Hektar Land fallen dem Ganzen zum Opfer. Wir hoffen, dass der Bürgerentscheid die Maßnahme verhindert. Sollten die Bürger jedoch dafür stimmen, dass das Betonwerk gebaut wird, würden wir die Entscheidung akzeptieren", so Hiemenz.

Bedenken hinsichtlich der Staub- und Lärmbelastung sowie Umweltschädigung konnten vor Ort ausgeräumt werden. Tatkräftiger Unterstützer des Moll-Vorhabens ist Laußigs Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos). Der bestätigte, dass die Gemeinde mit dem Unternehmen bislang keinerlei Probleme habe und dieser ein pünktlicher Steuerzahler sei. "Die Wohnbebauung in Laußig beginnt in etwa 250 Meter Luftlinie Entfernung. Wenn von dort keine Beschwerden kommen, wird das bei uns auch nicht geschehen, weil in Biebesheim das Werk fast anderthalb Kilometer vom nächsten Haus entfernt sein wird", ist sich sein Biebesheimer Amtskollege sicher. Auch eine Feinstaubbelästigung sei kein Argument. Denn der angelieferte Zement wird nur über Rohrleitungen ins System gepustet. Filteranlagen überwachen den Prozess und sorgen daür, dass kein Staubkörnchen in die Atmosphäre gelangt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2014
Von Steffen Brost

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