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Mozart, Jenkins, Kurrende: Seelenmassage mit Langzeitwirkung

Abendsingen in Bad Düben Mozart, Jenkins, Kurrende: Seelenmassage mit Langzeitwirkung

Es gibt Konzerte, über die spricht man. Und es gibt Konzerte, bei denen einem die Worte fehlen, bei denen man noch lange nach dem Schlussakkord um Fassung ringt. Letzteres gelang der Bad Dübener Kurrende am Sonnabend mit einem großartigen Jenkins- und Mozartkonzert.

Magische Musik: Die Dübener Kurrende wagte sich in einem komplett neuen Programm an Karl Jenkins und Mozarts „Requiem“ heran.

Quelle: Olaf Majer

Bad Düben. Alt-Kantor Lothar Jakob hat es wieder mal richtig geahnt. Als er letztens zufällig in einer Kurrende-Probe auftauchte, meinte er nach dem Gehörten: „Da werde ich ja mehrere Packungen Taschentücher brauchen, so schön klingt das.“

Schimmernde Augen sah man am Sonnabend nach Konzertschluss vor der katholischen Kirche viele. Und das lag nicht an der frostigen Nachtluft. Die Dübener Kurrende hatte zuvor mit Solisten aus Leipzig und dem Kammerorchester musica juventa aus Halle etwas einzigartiges geschafft. Mitten in der stillen Passionszeit wurden die Zuhörer von einer Musik berührt, die tief unter die Haut ging. Die einem um Atem ringen ließ. Die die Welt da draußen vergessen machte. Eine Seelenmassage mit Langzeitwirkung.

Der Auftakt war mit viel Spannung erwartet worden. Karl Jenkins, jener zeitgenössische walisische Komponist, dessen Musik den meisten aus der Werbung oder vom gefeierten Projekt „Adiemus“ bekannt ist, hat Kantorin Elisabeth Neumann für die Kurrende neu entdeckt. Zum Glück: Diese hymnischen, sphärenhaften Melodien bereichern das Chorrepertoire enorm.

Mitreißende Passionsmusiken

In Düben erklang Jenkins „Stabat Mater“ - die Mutter Maria, die schmerzhaft die Kreuzigung ihres Sohnes Jesus erlebt, ist ein epochales Werk, vergleichbar mit den Passionsmusiken Bachs. Die Kurrende wagte sich an drei Stücke aus dem Zwölfsätzer. Mit einem Wort: Wunderbar! Schon beim Einstieg „Und die Mutter weinte“ lohnte der Griff zum Taschentuch - schlicht ergreifend, wie diese Textzeile in Englisch, Hebräisch, Griechisch oder Aramäisch vom Chor intoniert wurde. Ebenso der abschließende Satz Nr. 11, der mit Schellenring und dumpfen Paukentönen faszinierend begleitet wurde. Bitte mehr davon! Auch wenn es dafür ein größeres Orchester braucht.

Weil aber in der Dübener katholischen Kirche die Plätze begrenzt und ein Kammerorchester nicht endlos erweiterbar ist, brachte Kantorin Neumann „ihren“ Jenkins mit Mozarts „Requiem“ zusammen. Als Brückenschlag zum Wiener Wunderkind spielte „musica juventa“ das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur. Mit einem großartigen Bernd Bartolomäus: Der Klarinettenspieler aus Leipzig, der an der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule als Lehrer unterrichtet, verdiente sich die Bestnote. Wer je Albrecht Mayer gehört hat, der verehrt spätestens jetzt Bernd Bartolomäus.

Kurrende brilliert, aber kämpft auch

Und dann das „Requiem“ - jene letzte Mozart-Komposition. Welch eine Dramatik, welch nervenzerreibende Spannungsbögen. Welch eine Herausforderung! Die Kurrende brilliert, aber sie kämpft auch. Man merkt, das Mozarts Meisterwerk alles andere als ein Selbstläufer für den Dübener 60-Sänger-Chor ist. Ein ganzer Proben-Sonnabend zusätzlich war nötig, um vor der Premiere Grundsicherheit in den Chor zu bringen. Dass es Elisabeth Neumann trotzdem gelingt, darüber hinaus zauberhaft schöne Details aus der Komposition herauszuarbeiten, ist bemerkenswert. Und der Beweis, dass sich auch ein erfolgsverwöhnter Chor wie die Kurrende immer noch weiter entwickeln kann. Verdienter Schlussapplaus, der nicht enden wollte. Wie auch, wo einem doch die Worte fehlten, nach dieser magischen Musik.

Mehr vom Konzert und ein Video der Aufführung: www.lvz.de/region

Von Olaf Majer

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