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Bad Düben NVA-Bunker Kossa auch im Winter geöffnet
Region Bad Düben NVA-Bunker Kossa auch im Winter geöffnet
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13:44 21.02.2018
Museumsführer Mathias Fink (rechts) führt eine Besuchergruppe durch die Bunkeranlage. Fink arbeitete bis 1993 als technischer Leiter in dem früheren Militärobjekt. Quelle: Steffen Brost
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Kossa

Draußen sind drei Grad unter Null. In der Küche der ehemaligen Unterkunftsbaracke am Bunker in Kossa in der Dübener Heide steht Olaf Strahlendorff vom Militärmuseum Kossa und kocht traditionelle Erbsensuppe. „Heute hat sich eine Gruppe angemeldet. 30 Kieswerker aus Jessen wollen sich unsere Bunkeranlage anschauen und haben das Wodka-Ticket gebucht. Das beinhaltet Begrüßung im Bunker mit Wodka, Brot und Salz, eine Führung und danach noch eine Erbsensuppe samt Getränk“, erklärt Geschäftsführer Strahlendorff. Und Besucherin Steffi Zimmer erzählt: „Wir sind Mitarbeiter einer Kiesfirma und haben von den Bunkeranlagen im Radio gehört. Das hat uns alle interessiert und so führt uns unser Betriebsausflug nun hierher.“

Unruhige Tage nach dem Sturm

Gerade jetzt in den Winterferien hoffen die Mitarbeiter der Bunkeranlage auf regen Zuspruch. Bis März ist aber nur Sonnabend und Sonntag von 10 bis 13 Uhr nach Voranmeldung offen. Vom April bis Dezember dann wieder von Mittwoch bis Sonntag.

Unruhige Tage liegen hinter den Männern von Olaf Strahlendorff. Denn auch hier sorgte Sturmtief Friederike für viel Schaden auf dem 110 Hektar großen Gelände. „Es sind rund 300 Festmeter Holz umgefallen. Beim letzten Sturm im Oktober waren es 180. Doch wir hatten Glück. Keine Gebäude kamen zu Schaden“, so Strahlendorff. Das zurückliegende Jahr reihte sich besuchertechnisch nahtlos in die Vorjahre ein. Rund 12 000 kleine und große Neugierige erkundeten die Bunkeranlagen. Vor allem Besuchergruppen aus den Altbundesländer kamen. „Viele sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die jüngere Generation entdeckt solche Sachen immer mehr. Ich rechne noch damit, dass das Interesse 15 bis 20 Jahre anhält“, hofft Strahlendorff.

Bis zu sieben Tage konnte die NVA-Besatzung nach einem Atomschlag im Bunker leben. Von solchen Fernschreibezentralen sollte dann kommuniziert werden. Quelle: Steffen Brost

Interessant an den aktuellen Führungen ist, das ehemalige Mitarbeiter der Bunkeranlage persönlich durch die fünf begehbaren Bunker führen. Einer davon ist Mathias Fink, der im Bunker bis 1993 als technischer Leiter tätig war. „Ich war von Anfang bis zum Schluss dabei. Ich kenne mich hier wirklich gut aus“, so Fink. Auch die Besuchergruppe aus Jessen ist vom Wissen Finks angetan.

Er erzählt in schnellen Sätzen, dass hier eines der bestgehüteten Geheimnisse der ehemaligen DDR versteckt war. Das Bunkerareal der Nationalen Volksarmee (NVA) wurde von 1976 bis 1979 für 24 Millionen DDR-Mark gebaut. Sechs Einzelbunker, aus der Luft unsichtbar, versehen mit Überdruck-Stahltüren und Dekontaminationsduschen. Kossa war ein Führungsbunker für den Warschauer Pakt. 350 Offiziere und Unteroffiziere sowie eine komplette Nachrichteneinheit mit 250 Mann hätten im Ernstfall in die Bunker einrücken können. Für Einheimische war hier kein rankommen. Rings um das Gelände wurde ein sechs Kilometer langer Stahlzaun gebaut und unter 6000 Volt gesetzt.

Der Nachwelt erhalten

Geschäftsmann Andreas Mattke aus Sachsen-Anhalt kaufte das Areal samt Bunkeranlagen vor ein paar Jahren und will es als Schauobjekt weiter ausbauen und für die Nachwelt erhalten. Neben dem Museumsbetrieb haben die Museumsmacher mittlerweile auch noch weitere Standbeine gefunden, um die teure Anlage zu finanzieren. Es gibt einen gutgehenden Brennholzvertrieb und zur Weihnachtszeit Weihnachtsbäume. Beides will man weiter ausbauen und daraus richtige Events machen.

Mittlerweile sind die Kieswerker aus Jessen mit Mathias Fink im Nachrichten-Bunker angekommen. „Das ist schon sehr beklemmend, hier unter der Erde zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das so lange könnte“, gibt Steffi Zimmer zu. Vor allem die Kfz-Röhren für Großraumfahrzeuge und mobile Nachrichtentechnik beeindrucken die Besucher. „Von hier aus wäre im Ernstfall alles gelaufen“, so Fink.

Mit dem Ende der DDR wurde Funktion und Zweckbestimmung der Anlage Geschichte. Die Bundeswehr stellte das gesamte Areal im Jahre 1993 zur privaten Nutzung zur Verfügung. Interessierte bauten, bastelten, sicherten die Reste, erhielten diese und konnten im Jahre 2002 den Status Kulturdenkmal entgegennehmen. Gleichzeitig wurde die Anlage als Museum eröffnet. „Unser Ziel ist es, den Bunker als einzig erhaltene Anlage ihrer Art zu erhalten und schrittweise zu rekonstruieren, um auch der Nachwelt dieses Thema näherzubringen“, so Strahlendorff.

Von Steffen Brost

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