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Bad Düben Nach Brand: Tischlerei Göttert aus Kossa macht an der Gleinermühle weiter
Region Bad Düben Nach Brand: Tischlerei Göttert aus Kossa macht an der Gleinermühle weiter
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13:27 10.10.2018
Tischlermeister Matthias Göttert bespricht mit seinem Gesellen Thomas Schultz und Azubi Johannes Döring (von links) die nächsten Arbeitsschritte in ihrer vorübergehenden Tischlerwerkstatt an der Gleinermühle. Quelle: Steffen Brost
Kossa

Die vorübergehende Fertigungshalle befindet sich an der Gleinermühle zwischen Bad Düben und Söllichau. Die stand lange leer und soll jetzt das Fortbestehen des Betriebes sichern. „Hier wurden bis vor ein paar Jahren die Nerze aus der benachbarten Nerzfarm verarbeitet. Die Halle stand leer und ich hatte zunächst vor, im Bad Dübener Körbitzweg eine Zwischenlösung zu finden. Dabei war mir dankenswerterweise Bad Dübens Bürgermeisterin sehr behilflich. Letztlich ist es aber nicht dazu gekommen. Schließlich wurde ich an der Gleinermühle fündig“, erzählt Matthias Göttert.

Hilfe beim Umzug

Sein Telefon ist derzeit mit das wichtigste Arbeitsgerät in der Firma. Ständig klingelt es. Es müssen Termine mit Gutachtern, Versicherung, Monteuren und anderen abgesprochen werden. „Wir haben in den vergangenen Tagen fast den ganzen Maschinenpark aus der abgebrannten Werkstatt geholt. Die Bad Dübener Bau- und Haustechnik hat uns dabei mit schwerer Krantechnik und Transportmitteln geholfen. Ein Teil der Maschinen und Werkzeuge aus der Tischlerei wurden mittlerweile von Elektrikern geprüft und teilweise wieder repariert. Leider haben nicht alle das Feuer und das Löschwasser vertragen. Teilweise mussten wir uns ein paar Leihgeräte beschaffen“, so Göttert weiter.

Tischlermeister blickt nach vorn

In diesem Gebäude an der Gleinermühle zwischen Bad Düben und Söllichau ist Tischlerwerkstatt derzeit untergebracht. Quelle: Steffen Brost

Der 49-Jährige ist voller Zuversicht, das bald alles wieder wie am Schnürchen läuft. Am Montag will er die Produktion wieder hochfahren, denn die Auftragsbücher sind randvoll und immer wieder kommen neue Bestellungen rein. Deswegen legen sich auch Azubi Johannes Döring und Geselle Thomas Schultz ordentlich ins Zeug, um Regale aufzubauen und das Werkzeug in Stellung zu bringen. „Der Brand war schon ein ganz schöner Schock. Aber mein Chef hat schnell den Blick nach vorn gerichtet. Wir haben alle zusammengesessen und haben uns dafür entschieden, den Betrieb wieder aufzubauen. Ich bin seit fast 25 Jahren dabei und habe beim Seniorchef meine Ausbildung gemacht. Da ist das schon ein bisschen wie Familie. Da packt man mit an und guckt auch nicht auf die Zeit. Wir wollen ja alle, dass es schnell wieder weitergeht“, erzählt Geselle Thomas Schultz.

Dank an die Helfer

Nach dem Spendenaufruf in den Medien ist mittlerweile auch einiges an Geld zusammengekommen. Wie viel genau, kann Matthias Göttert noch nicht sagen. „Ich möchte mich zuerst bei meiner Familie, meinen Kollegen und den freiwilligen Helfern bedanken, die uns in den letzten vier Wochen sowohl seelisch und moralisch also auch mit Manneskraft unterstützt haben. Ohne sie wären wir noch lange nicht so weit. Auch für die Spenden möchte ich mich bedanken. Wir werden alles dafür tun, um unsere Aufträge so schnell wie möglich abzuarbeiten“, sagt Göttert. Und dafür braucht er eigentlich noch mehr Hilfe. Gerne würde er noch einen Tischler oder Tischlerin einstellen. Interessierte können sich jederzeit in der Werkstatt Gleinermühle melden.

Wie geht es in Kossa weiter?

Wie es am alten Standort in Kossa weitergeht, ist indes nicht klar. Ein Gutachter soll in den nächsten Tagen die Statik der Brandgebäude genau unter die Lupe nehmen. Matthias Göttert könnte sich schon einen Neuanfang an der alten Stelle vorstellen. „Wir haben Bestandsschutz mit der Werkstatt. Werden aber genau überlegen, ob wir hier oder woanders neu bauen oder ein Objekt mieten. Das ist alles noch nicht klar. Ein weiterer entscheidender Punkt ist auch die Versicherung. Bis jetzt ist noch unklar, ob sie den Schaden reguliert. Aber wir hoffen darauf“, blickt Göttert in die Zukunft.

Ob die aktuelle Werkstatt an der Gleinermühle eine Dauerlösung ist, weiß der Tischermeister noch nicht. Denn der Standort liegt auf anhaltinischem Gebiet und könnte organisatorische Probleme mit sich bringen. Denn sowohl das Internet als auch der telefonische Empfang ist nicht optimal. Aber auch das wird Matthias Göttert irgendwie lösen.

Das sagt die Polizei

Beim Brand in der Tischlerei Göttert am späten Abend des 17. September entstand nach Angaben des Tischlermeisters ein Sachschaden in Höhe von rund einer Million Euro. 93 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst waren die ganze Nacht damit beschäftigt, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Zur Brandursache gibt es noch kein abschließendes Ergebnis. Es könne, so Katharina Geyer von der Polizeidirektion Leipzig, weder gesichert gesagt werden, dass ein Funkenflug den Brand ausgelöst hat oder unsachgemäß mit Feuer umgegangen wurde, was wiederum auf eine Brandstiftung hinweisen würde. Sobald der Abschlussbericht vorliege, werde er der Staatsanwaltschaft zur weiteren Bearbeitung übergeben.

Von Steffen Brost

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