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Naturpark setzt auf den Heidekraut-Effekt

Naturpark setzt auf den Heidekraut-Effekt

In wenigen Tagen beginnt das Heidekraut im Naturpark Dübener Heide zu blühen. Während viele Menschen das imposante Gewächs vorrangig mit der Lüneburger Heide in Verbindung bringen und Tausende Besucher vor allem deswegen in die niedersächsische Region pilgern, versuchen die Naturparkführer in der Dübener Heide auf den Heidekraut-Effekt zu setzen und wollen verstärkt Ausflügler mit Hilfe der altrosablühenden Pflanze auf die Region, und was sie darüber hinaus zu bieten hat, neugierig machen - Stichwort sanfter Tourismus.

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Das Bild zeigt die Heidekrautblüte vorigen August in der Dübener Heide. Mit einem Kremser hatten Interessierte eine Tour zu den Blühflächen unternommen.

Quelle: Verein Dübener Heide

Bad Düben. Den hat sich der Naturparkträgerverein vor vielen Jahren auf die Fahne geschrieben, wirbt bereits erfolgreich mit Wildtier-Erlebnisangeboten, bei denen Biber, Rotwild und Fledermaus gefragte Kandidaten sind. Nunmehr soll die Flora verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden.

"Viele träumen von üppig blühenden Heidekrautflächen, wissen dabei aber oft nicht, dass auch in der Dübener Heide dieses besondere Kraut mit der starken Anziehungskraft wächst", sagt Naturparkführerin Birgit Rabe. Sie veranstaltet im August mehrere Touren zu den oftmals versteckten Flächen (siehe Kasten). Bereits im vorigen Jahr waren die Exkursionen auf Resonanz gestoßen. Das Interesse, verborgene Natur zu entdecken, scheint groß.

Dass Heidekrautflächen in der Region nicht einfach zu finden sind, weiß auch Peter Kaiser aus Authausen, seines Zeichens Ingenieur für Landespflege. Die meisten existierten in den Wäldern rund um Authausen, Pressel und Kossa. Auch am "Wanderweg der Lieder" zwischen Tornau und Söllichau gibt es eine; Kaiser selbst hatte sich vor Jahren mit der Pflege beschäftigt. Des Weiteren steht das Kraut im Tiglitzer Forst. Das Betreten ist allerdings streng verboten, da es sich um ein Übungsgelände der Bundeswehr handelt. Lediglich mit Naturparkführern darf das Areal begangen werden.

Zum Großteil sind die Flächen sich selbst überlassen. Das ist nicht immer optimal, weil das Heidekraut von anderen Bäumen und Pflanzen verdrängt werden kann. "Der Mensch muss entweder mähen, eine andere gute Methode wäre aber auch die Beweidung", so Kaiser weiter. In der Lüneburger Heide wird das längst so praktiziert. Auch in der hiesigen Naturparkregion gibt es solche Aktivitäten.

Einer, der sich seit vielen Jahren damit beschäftigt, ist Horst Merker vom Naturschutzbund, Regionalgruppe "Karl-August-Möbius" Eilenburg. Mit Ehrenamtlichen aus dem Kranichschutzbereich hat er erst im Juni eine Fläche bei Falkenberg im Presseler Heidewald- und Moorgebiet gepflegt und diese übrigens vor vielen Jahren auch selbst angelegt. Wilde Kiefern wurden entnommen, damit die Besenheide ungehindert wachsen kann. Ein- bis zweimal im Jahr finden solche Schutzmaßnahmen statt. "Wir versuchen, die Flächen zu vergrößern", erzählt Merker. Sie seien "kulturhistorisch wichtig", aber nicht nur. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten haben sie Bedeutung, sorgen für Artenvielfalt. Merker arbeitet derzeit an einem Schlangenprojekt. Für Glattnattern sei das Heidekraut ein idealer Lebensraum, sie ernähren sich bevorzugt von Eidechsen. "Wir erforschen jetzt den Bestand", so der Nabu-Freund. Aber auch für Spinnen, verschiedene Käfer-Arten, Schmetterlinge und Erdbienen sind die Standorte Lebensraum, ergänzt Kaiser.

Besuchermassen lehnt Merker indes ab, zumal sich die Flächen größtenteils in Naturschutzgebieten befinden. Gegen geführte Wanderungen hat er aber nichts, schließlich unternimmt der Nabu selbst solche Touren unter fachkundiger Anleitung. Darauf kommt es auch Naturparkführerin Rabe an. Sie will mit ihren Exkursionen Besucher gezielt lenken. Nur dies sei verträglich für die Natur.

Auf die Flächen im Naturpark Dübener Heide werden mehrere Touren geboten. Die "Heidekraut-Gucken-Kremser-Reise" startet am Samstag, dem 16. August, um 10 Uhr. Treffpunkt ist das Schloss im kleinen Heideort Pressel. Damit die kulinarischen Genüsse nicht zu kurz kommen, wird unter Mittag beim Falkenberger Bäcker eingekehrt. Dort gibt es eine kleine Stärkung in Form von Bockwurst mit Brötchen oder einem Stückchen Kuchen. Die Tour dauert zirka vier Stunden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit einem Spaziergang am 23. oder 24. August jeweils um 14 Uhr die Heidekrautflächen zu besichtigen. In dem Fall führt die Tour in ein normalerweise gesperrtes Gebiet - in den Tiglitzer Forst bei Bad Düben. Da dieses Waldstück für Ortsfremde schwer zu finden ist, treffen sich die Teilnehmer auf dem großen Parkplatz gegenüber dem Naturparkhaus in Bad Düben, Neuhofstraße 3 a. Am 22. August wird zu einer Radtour von Bad Düben in den Tiglitz-Forst geladen. Eine Anmeldung für die geführten Wanderungen ist notwendig unter Telefon 03423/758370. Die Nabu-Regionalgruppe Eilenburg lädt am 6. September zu einer Heidekraut-Fahrt ein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2014
Von Nico Fliegner

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