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Bad Düben Naturparkverein hält Entnahme von Bibern an der Köhlerei Eisenhammer vertretbar
Region Bad Düben Naturparkverein hält Entnahme von Bibern an der Köhlerei Eisenhammer vertretbar
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17:34 05.03.2018
Die Köhlerei Eisenhammer leidet unter steigendem Grundwasser. Dadurch gehe die Öfen kaputt. Die Betreiberfamilie sieht im Biber den Hauptschuldigen. Quelle: Kathrin Kabelitz
Bad Düben/Tornau

Der Naturparkträgerverein Dübener Heide fordert angesichts der Wasser-Probleme an der Köhlerei Eisenhammer, „alle notwendigen Maßnahmen zu prüfen und umzusetzen, wenn die Sicherheit von Menschen oder deren wirtschaftliche Existenz gefährdet sind“. Dies könne auch die Entnahme von Bibern in dem Gebiet bedeuten, teilte der Verein am Montag in einer Stellungnahme mit. Unter „Entnahme“ versteht man die Umsiedlung oder auch Tötung der Tiere. „Der Biber ist heute in der Heide nicht mehr selten und auch nicht vom Aussterben bedroht“, erklärt Naturparkleiter Thomas Klepel. „In unserem Naturpark stehen die Lebensgrundlagen der Bevölkerung im Mittelpunkt des Schutzzweckes.“

300 Biber leben in der Dübener Heide

Der Elbebiber gehöre zum Naturpark Dübener Heide, seine Ausbreitung und Existenz in den Waldgebieten seien „dennoch nicht typisch, sondern auf menschliches Handeln im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zurückzuführen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Menschen, auch im Verein Dübener Heide, machten sich seit vielen Jahren für den Schutz des Bibers und seiner Lebensräume stark. Im Naturpark leben laut Naturparkverwaltung schätzungsweise 300 Biber. Ihr Vorkommen wirke sich positiv auf die biologische Vielfalt und die Attraktivität von Landschaftsräumen aus.

Öffnung von Biber-Stauwerken

Am Hammerbach gehe es aktuell darum, zu klären, ob der erhöhte Grundwasserstand in der Köhlerei eine Folge der Anstauungen im Oberlauf des Baches sei und welche Sicherungsmaßnahmen für die Köhlerei in Frage kommen. „Hierzu sollten auch die rechtlichen Möglichkeiten zur Öffnung der vom Biber geschaffenen Stauwerke, verbunden mit regelmäßigen Prüfungen des Grundwasserstandes in der Köhlerei für einen Zeitraum bis zu zwei Jahren geprüft und genutzt werden“, so Klepel. Außerdem sei es auch Satzungszweck und -ziel des Naturparkträgervereins, sich parallel zur Förderung des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes für die regionale Kultur sowie für den Erhalt der Natur-, Boden- und Kulturdenkmale, der heimischen Bauweise und geschichtlichen Zeugnisse einzusetzen, wozu die 300-jährige Köhlerei Eisenhammer zählt.

Der Verein Dübener Heide erarbeitet derzeit ein Positionspapier zu „Mensch und Biber in der Dübener Heide“ und will dieses zur Diskussion stellen und auf der nächsten Mitgliederversammlung Ende April beschließen, erklärt Axel Mitzka, Vorsitzender des Vereins Dübener Heide, zu dem Thema. Darin gehe es um den Umgang mit dem Biber im Naturpark Dübener Heide.

Für die Köhlerei steht viel auf dem Spiel

Hintergrund: Wegen einer Biberpopulation am nahe gelegenen Hammerbach sieht der Köhlereibetrieb seine Existenz bedroht. Die Dämme, die die Tiere bauen, sorgten laut Unternehmen für große Wasserflächen, Versumpfungen und steigendes Grundwasser. Dadurch sind die Öfen für die Herstellung der Holzkohle völlig durchnässt, es gibt Risse, die Schamotte platzt ab. Seit 2017 ist die Köhlerei davon betroffen. Nahrungsdämme wurden zu einem früheren Zeitpunkt schon beseitigt, der Damm zur Wasserregulierung geschlitzt. Die Lage ist derzeit aber wieder akut. Dennoch zweifeln die Behörden, dass die Biberaktivitäten allein für die Beeinträchtigung der Bausubstanz an den Köhlerei-Öfen verantwortlich sind. Kommt nicht alsbald eine Lösung, steht der Familienbetrieb vor dem Aus.

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Von LVZ

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