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Neuer Dachstuhl, neue Ziegel - Görschlitzer Kirche ist Großbaustelle

Neuer Dachstuhl, neue Ziegel - Görschlitzer Kirche ist Großbaustelle

Den besten Arbeitsplatz in Görschlitz haben derzeit Jens Weiss und Rene Fleischer von einer Dachdeckerfirma aus Großbothen bei Grimma. Die beiden Experten arbeiten in luftiger Höhe auf dem Dach der Kirche.

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Die Dachdecker Jens Weiss (links) und Rene Fleischer aus Großbothen bringen die neue Dachlattung auf die Görschlitzer Kirche.

Quelle: Steffen Brost

Görschlitz. "Die Aussicht ist schon toll, wenn man sie genießen kann. Wir sind aber nicht zum Vergnügen hier, sondern wollen das Dach erneuern", so Fleischer.

Seit einigen Wochen ist das Gotteshaus eingerüstet. Für rund 143 000 Euro wird das marode Gebäude saniert. Das war auch notwendig. Vor allem an der Dachkonstruktion nagte der Zahn der Zeit. "Viele der Balken waren schon in die Jahre gekommen. Kein Wunder, denn sie sind rund 100 Jahre alt. Da wurde es Zeit, einige Teile auszuwechseln", so der Dachdecker weiter.

Die veranschlagten Gesamtkosten werden mit einer 70-prozentigen Förderung, fast 100 000 Euro, abgedeckt. Das Geld kommt aus dem Ile-Programm, in das die Görschlitzer Kirche aufgenommen wurde. Die restlichen 30 Prozent der Baukosten finanzieren Kirchenkreis und Kirchspiel Authausen gemeinsam.

Die Arbeiten gehen flott voran. "Bereits in dieser Woche schlagen wir die Dachlattung auf das Gebälk, wo danach eine sogenannte Biberschwanzdeckung erfolgt", erklärte Fleischer die nächsten Arbeitsgänge. Zufrieden ist auch Pfarrer Andreas Ohle. Sein Vorgänger Jörg Kühlwetter-Uhle brachte die dringend notwendigen Arbeiten auf den Weg. Schon 2011 wurde die Maßnahme beantragt. Aber erst drei Jahre später ging es endlich los. "Leider umfasst die Förderung nur die Gebäudehülle. Geplant sind deswegen nur die Sanierung des Dachstuhls, Neueindeckung des Daches, Verfugung des Turms, Sanierung des Eingangsportals, Fassadengestaltung und die Sanierung der Grenzmauern des Grundstücks. Das sind die vordringlichsten Arbeiten. Wir hoffen, bis September damit fertig zu sein", so Ohle.

Der engagierte Pfarrer blickt aber weiter, hat noch eine Innensanierung auf dem Schirm und hofft auf die neue EU-Förderperiode. "Innen müsste mal neue Farbe an die Wände und die vorhandenen Fenster könnten auch erneuert werden. Wir werden wieder Anträge stellen und hoffen wieder in das Förderprogramm reinzukommen. Natürlich versuchen wir auch ständig, Spenden zu generieren. Aber das ist nicht einfach."

Die Kirchentradition des Laußiger Ortsteiles geht weit zurück. Bis 1599 besaß Görschlitz eine kleine Kapelle am damaligen Ostende des Dorfes. Bereits 1597 beschloss die Gemeinde den Bau eines neuen Gotteshauses. Mit dem Bau der Kirche in Görschlitz wurde schließlich 1597 begonnen. Das Haus ist eines der ältesten Bauwerke im Ort. Die Glocken wurden bereits 1515 gegossen und stammen noch aus dem alten Kirchenbau vom Ostende des Dorfes. Die Baustile der Jahrhunderte sind unverkennbar. Die aus Backstein errichtete Kirche war ein reiner Saalbau mit dreiseitigem Ostschluss und einem kleinen Dachreiter für die aus der alten Kapelle übernommenen Glocke. 1612 erhielt die Kirche eine zweite Glocke. Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges unbeschadet überstanden, wurde erst 1755 eine umfassende Erneuerung ausgeführt. Aus jener Zeit stammen neben der Kanzelwand auch die Dreiseitenempore und die Reste des Kastengestühls mit vier größeren Ölgemälden, auf denen die vier Evangelisten, Matthäus, Markus, Lucas und Johannes abgebildet sind. 1818 erhielt die Kirche ihre heutige Orgel mit einem klassizistischen Prospekt. 1848 vergrößerte man die Fenster und baute das spitzbogige neugotische Sandsteinportal ein. 1870 brach man den Turmreiter ab und errichtete in den Formen der damaligen Zeit einen Westturm aus Backstein, der von einem Kreuzdach mit Zeltdachspitze gekrönt wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2014
Von Steffen Brost

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