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Bad Düben Niemand will mehr als Bäcker arbeiten: Unternehmen in Bad Düben vor dem Aus
Region Bad Düben Niemand will mehr als Bäcker arbeiten: Unternehmen in Bad Düben vor dem Aus
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00:22 08.02.2018
Bäckerei Beckert in Bad Düben: Konditormeisterin Maria Beckert mit ihren Eltern Silke und Bäckermeister Jürgen (von links) in der Backstube am Markt 19. Quelle: Steffen Brost
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Bad Düben

Maria Beckert hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, bald Hilfe für sich und ihre Eltern Silke und Jürgen und die Backstube in ihrer Hauptfiliale am Markt 19 in Bad Düben zu finden. Denn lange halten die 30-jährige Konditormeisterin und ihre Eltern die Belastung nicht mehr durch. „Es ist eigentlich schon fünf vor zwölf. Seitdem uns unser letzter Mitarbeiter nach 20 Jahren von heute auf morgen verlassen hat und in eine andere Bäckerei gegangen ist, können wir den Betrieb nur noch unter größter Belastung aufrecht halten. Krank werden darf niemand. Dann müssten wir zumachen. An Urlaub ist gar nicht zu denken“, schildert Maria Beckert die prekäre Lage.

Kein Bewerber hielt durch

Gesucht werde eine Vollzeitkraft für die Backstube. Gelernt oder ungelernt. Das ist der Bäckerfamilie mittlerweile egal. „Hauptsache er bringt Interesse und Spaß für den Job mit. Alles andere bringen wir ihm bei.“

In den vergangenen Monaten waren in der Bäckerei an die 20 Leute vorstellig. Keiner hat lange durchgehalten. „Es waren sozusagen Gratislehrstunden im Brot- und Brötchen backen, die wir gegeben haben. Aber so etwas schlaucht, wenn das immer wieder umsonst ist“, sagt Maria Beckert.

In einer Bäckerei zu arbeiten, ist kein leichter Job. Um ein Uhr in der Nacht beginnt die Schicht. Für viele der Hauptgrund, so eine Tätigkeit gar nicht erst anzutreten. Und dabei bietet die Bäckerei einen sicheren Job und Bezahlung über den Mindestlohn hinaus. Noch können Vater, Mutter und Tochter den Betrieb am Laufen halten und jeden Morgen ihre drei Filialen in Bad Düben und Eilenburg mit Brot, Brötchen und Kuchen beliefern.

Betrieb mit langer Geschichte

Die Bad Dübener Bäckerei gibt es schon in der dritten Generation. Vermutlich ist sie noch älter. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft schwer getroffen. Eine Beschuss zerstörte Unterlagen und Nachweise, wann es das Geschäft erstmals gab. „Die Bäckerei Beckert war vor unserer Zeit die Bäckerei Heine. Wie lange die bereits existierte, konnten wir bislang nicht in Erfahrung bringen“, erzählte Bäckermeister Jürgen Beckert. Dass es möglicherweise die letzte Generation ist, damit will sich der Chef noch nicht abfinden und hofft bald Verstärkung für die Backstube zu finden. Klappt das perspektivisch nicht, droht unweigerlich die Schließung.

Für Maria wäre es die schlechtere Wahl. „Das ist meine Arbeit. Und hier bin ich groß geworden. Als kleines Kind bin ich oft nachts mit meinem Papa aufgestanden und in der Backstube herumgesprungen“, erinnert sich die junge Frau. Später lernte sie Konditorin, machte ihren Meister und kreiert jeden Tag ausgefallene Torten. Leider kommt diese Leidenschaft aktuell gerade etwas zu kurz, weil sie jede Nacht in der Backstube aushilft. „Die Hochzeitstortensaison steht unmittelbar bevor. Aber Brot, Brötchen und die Torten – das schaffe ich nicht. Sollte das eintreten, was niemand will und wir schließen müssten, dann sehe ich meine Zukunft bei den Torten. Aber auch da brauche ich Hilfe und einen fähigen Kompagnon, der sich um Werbung, soziale Medien und Buchführung kümmert. Aber vielleicht haben wir ja Glück und bekommen bald Hilfe für die Backstube“, blickt Maria Beckert nach vorn.

Von Steffen Brost

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